{"id":261,"date":"2024-12-15T15:16:00","date_gmt":"2024-12-15T15:16:00","guid":{"rendered":"http:\/\/dikoweb.de\/blog\/?p=261"},"modified":"2024-12-12T23:25:34","modified_gmt":"2024-12-12T23:25:34","slug":"500-jahre-reinheitsgebot-ein-mythos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dikoweb.de\/?p=261","title":{"rendered":"500 Jahre Reinheitsgebot &#8211; ein Mythos"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/dikoweb.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/juniperphoton-9i2YH9vyfWQ-unsplash-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3908\" srcset=\"https:\/\/dikoweb.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/juniperphoton-9i2YH9vyfWQ-unsplash-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/dikoweb.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/juniperphoton-9i2YH9vyfWQ-unsplash-300x200.jpg 300w, https:\/\/dikoweb.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/juniperphoton-9i2YH9vyfWQ-unsplash-768x512.jpg 768w, https:\/\/dikoweb.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/juniperphoton-9i2YH9vyfWQ-unsplash-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/dikoweb.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/juniperphoton-9i2YH9vyfWQ-unsplash-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/dikoweb.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/juniperphoton-9i2YH9vyfWQ-unsplash-900x600.jpg 900w, https:\/\/dikoweb.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/juniperphoton-9i2YH9vyfWQ-unsplash-1280x853.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"bodytext wp-block-paragraph\">Das was, allen voran vom <a href=\"https:\/\/brauer-bund.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Deutschen Brauer-Bund,<\/a> gefeiert wurde und als &#8222;Reinheitsgebot&#8220; von 1516 bezeichnet ist, wird von vielen als die \u00e4lteste, noch g\u00fcltige Lebensmittelgesetzgebung der Welt angesehen &#8211; eine weitere M\u00e4r (siehe unten). Urspr\u00fcnglich sollten damit u.a. Preise reguliert und Verf\u00e4lschungen des Getr\u00e4nks vorgebeugt sowie chemische oder andere Zus\u00e4tze ausgeschlossen werden. Denn neben Kr\u00e4utern zum W\u00fcrzen kamen im Mittelalter auch diverse andere &#8222;Zutaten&#8220; in das Bier hinein, wie z.B. Ochsengalle, Eichenrinde, Wermut, Lorbeer, Schafgarbe, Stechapfel, Enzian, Anis, Rainfarn, Fichtensp\u00e4ne, Kiefernwurzeln, aber auch <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schwarzes_Bilsenkraut\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bilsenkraut<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das &#8222;Reinheitsgebot&#8220;, auf das sich auch heute noch vielfach bezogen wird, war aber nur eine Textpassage, ein Bestandteil der <span id=\"Die_Bayerische_Landesordnung_von_1516\" class=\"mw-headline\">Bayerischen Landesordnung von 1516. Neben den Preisen wurden darin auch die Inhaltsstoffe des Bieres geregelt:<br><\/span><\/p>\n\n\n\n<div class=\"Vorlage_Zitat\">\n<div>\n<blockquote><p>\u201e<i>Item wir ordnen \/ setzen \/ und w\u00f6llen mit Rathe unnser Lanndtschaft \/ das f\u00fcran allennthalben in dem F\u00fcrstenthumb Bayren \/ auf dem Lannde \/ auch in unnsern Stetten und M\u00e4rckthen \/ da de\u00dfhalb hieuor kain sonndere Ordnung ist \/ von Michaelis bis auff Georij \/ ain Mass oder Kopfpiers \u00fcber ainen Pfenning M\u00fcncher Werung \/ unnd von Sant J\u00f6rgentag \/ bis auff Michaelis \/ die mass \u00fcber zwen Pfenning derselben Werung \/ unnd derennden der Kopf ist \/ \u00fcber drey Haller \/ bey nachgesetzter Pene \/ nicht gegeben noch au\u00dfgeschennckht sol werden. Wo auch ainer nit Merzen \/ sonder annder Pier prawen \/ oder sonnst haben w\u00fcrde \/ sol Er doch das \/ kains wegs h\u00f6her \/ dann die ma\u00df umb ainen Pfenning schennckhen \/ und verkauffen. Wir w\u00f6llen auch sonnderlichen \/ das f\u00fcran allenthalben in unsern Stetten \/ M\u00e4rckthen \/ unnd auf dem Lannde \/ zu kainem Pier \/ merer Stuckh \/ dann allain <b>Gersten<\/b> \/ <b>Hopffen<\/b> \/ <b>und Wasser<\/b> \/ genomen unnd gepraucht s\u00f6lle werden. Welher aber dise unnsere Ordnung wissentlich \u00fcberfaren unnd nit hallten w\u00fcrde \/ dem sol von seiner Gerichtz\u00f6brigkait \/ dasselbig vas Pier \/ zuestraff unnachl\u00e4\u00dflich \/ so offt es geschicht \/ genomen werden. Jedoch wo ain Ge\u00fcwirt von ainem Pierprewen in unnsern Stettn \/ M\u00e4rckten \/ oder aufm Lande \/ yezuezeyten ainen Emer Piers \/ zwen oder drey \/ kauffen \/ und wider unntter den gemainen Pawzsuolck ausschennckhen w\u00fcrde \/ demselbenn allain \/ aber sonnst nyemandts \/ sol die mass \/ oder der kopff piers \/ umb ainen haller h\u00f6her dann oben gesetzt ist \/ zegeben \/ unnd au\u00dfzeschennckhen erlaubt unnd unuerpotten sein.<\/i>\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00dcbersetzung:<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"Vorlage_Zitat\">\n<div>\n<blockquote>\n<p>\u201eWir verordnen, setzen und wollen mit dem Rat unserer Landschaft, dass forthin \u00fcberall im F\u00fcrstentum Bayern sowohl auf dem Lande wie auch in unseren St\u00e4dten und M\u00e4rkten, die keine besondere Ordnung daf\u00fcr haben, von Michaeli (29. September) bis Georgi (23. April) eine Ma\u00df (bayerische, entspricht 1,069 Liter) oder ein Kopf (halbkugelf\u00f6rmiges Geschirr f\u00fcr Fl\u00fcssigkeiten \u2013 nicht ganz eine Ma\u00df) Bier f\u00fcr nicht mehr als einen Pfennig M\u00fcnchener W\u00e4hrung und von Georgi bis Michaeli die Ma\u00df f\u00fcr nicht mehr als zwei Pfennig derselben W\u00e4hrung, der Kopf f\u00fcr nicht mehr als drei Heller (gew\u00f6hnlich ein halber Pfennig) bei Androhung unten angef\u00fchrter Strafe gegeben und ausgeschenkt werden soll.<br \/>Wo aber einer nicht M\u00e4rzen sondern anderes Bier brauen oder sonstwie haben w\u00fcrde, soll er es keineswegs h\u00f6her als um einen Pfennig die Ma\u00df ausschenken und verkaufen. <i>Ganz besonders wollen wir, dass forthin allenthalben in unseren St\u00e4dten, M\u00e4rkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr St\u00fccke als allein <b>Gerste, Hopfen und Wasser<\/b> verwendet und gebraucht werden sollen.<\/i><br \/>Wer diese unsere Anordnung wissentlich \u00fcbertritt und nicht einh\u00e4lt, dem soll von seiner Gerichtsobrigkeit zur Strafe dieses Fass Bier, so oft es vorkommt, unnachsichtlich weggenommen werden.<br \/>Wo jedoch ein G\u00e4uwirt von einem Bierbr\u00e4u in unseren St\u00e4dten, M\u00e4rkten oder auf dem Lande einen, zwei oder drei Eimer (enth\u00e4lt etwa 64 Liter) Bier kauft und wieder ausschenkt an das gemeine Bauernvolk, soll ihm allein und sonst niemand erlaubt und unverboten sein, die Ma\u00df oder den Kopf Bier um einen Heller teurer als oben vorgeschrieben ist, zu geben und auszuschenken.<br \/>Auch soll uns als Landesf\u00fcrsten vorbehalten sein, f\u00fcr den Fall, dass aus Mangel und Verteuerung des Getreides starke Beschwernis entst\u00fcnde, nachdem die Jahrg\u00e4nge auch die Gegend und die Reifezeiten in unserem Land verschieden sind, zum allgemeinen Nutzen Einschr\u00e4nkungen zu verordnen, wie solches am Schluss \u00fcber den F\u00fcrkauf ausf\u00fchrlich ausgedr\u00fcckt und gesetzt ist.\u201c [<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reinheitsgebot\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wikipedia<\/a>]<\/p>\n<\/blockquote>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"bodytext wp-block-paragraph\">&nbsp;Auch war in diesem Papier noch nicht die Rede von Hefe.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;A<em>ls Grund daf\u00fcr wird h\u00e4ufig angenommen, dass die Existenz derartiger Mikroorganismen schlicht noch unbekannt war. Dies stimmt nur insofern, als die genaue Wirkungsweise der Hefe bei der alkoholischen G\u00e4rung unbekannt war. Hefe an sich war bekannt, Brauer gaben die Hefe des letzten G\u00e4rvorgangs der neu zu verg\u00e4renden Anstellw\u00fcrze zu. Ein Hefner, im mittelalterlichen Brauwesen ein eigenst\u00e4ndiger Beruf, pflegte und vermehrte die Hefe \u00fcber Braupausen hinweg. Im M\u00fcnchner B\u00e4cker- und Brauerstreit war es bereits 1481 darum gegangen, ob die B\u00e4cker den Brauern deren bei der G\u00e4rung gebildete \u00dcberschusshefe nach altem Brauch abkaufen m\u00fcssen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Die weitverbreitete Behauptung, das \u201ebayerische Reinheitsgebot\u201c sei das \u00e4lteste Lebensmittelgesetz der Welt, ist eine reine Marketingaussage der Brauereiwirtschaft ohne geschichtliche Fundierung. So enth\u00e4lt z.&nbsp;B. der <a title=\"Codex Hammurapi\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Codex_Hammurapi\">Codex Hammurapi<\/a> aus dem 18. Jahrhundert v. Chr. umfangreiche Bestimmungen zum Lebensmittelrecht, wobei Bier eine bedeutende Rolle einnimmt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Entgegen der heute weit verbreiteten Auffassung einer Kontinuit\u00e4t des Reinheitsgebots bestand die in der bayerischen Landesordnung von 1516 erlassene Brauvorschrift nur kurz. Bereits ein herzoglicher Erlass von 1551 erlaubte Koriander und Lorbeer als weitere Zutaten bayerischer Biere und verbot dagegen ausdr\u00fccklich die Verwendung von Bilsenkraut und Seidelbast. Die bayerische Landesverordnung von 1616 lie\u00df zudem Salz, Wacholder und K\u00fcmmel zur Bierproduktion zu.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>1548 erhielt der Freiherr von Degenberg das Privileg, n\u00f6rdlich der Donau Weizenbier zu brauen, obwohl Weizen gem\u00e4\u00df der bayerischen Landesordnung von 1516 zum Bierbrauen nicht zul\u00e4ssig war. Als 1602 das Geschlecht der Grafen von Degenberg ausstarb, fiel das Privileg zum Weizenbierbrauen an den Herzog Maximilian I. zur\u00fcck, woraufhin dieser mehrere Weizenbierbrauh\u00e4user errichtete.&#8220; [<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reinheitsgebot\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wikipedia<\/a>]<br><\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hefe war also schon bekannt und dass sich nach der G\u00e4rung eine beige &#8222;Pas\u00adte&#8220; abset\u00adzte. Mit Hilfe dieser Paste, fand man sodann heraus, lie\u00df sich der fol\u00adgen\u00adde Sud schnel\u00adler und in kon\u00adstan\u00adte\u00adrer Qua\u00adli\u00adt\u00e4t erstellen. Trotzdem wurde Hefe im sogenannten Rein\u00adheits\u00adge\u00adbot nicht als Bestandteil aufgef\u00fchrt, weil man sie als &#8222;Neben- oder Abfall\u00adpro\u00addukt der Bier\u00adher\u00adstel\u00adlung ansah&#8220;. [<a href=\"https:\/\/braumagazin.de\/article\/reinheitsgebot-ist-tot\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Quelle<\/a>]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Verlauf der Zeit hat es viele neue Regelungen und Gesetze gegeben, die Aussagen zur Bierherstellung beinhalteten. Was heute als Bier bezeichnet werden darf, ist in der <a title=\"Bierverordnung\" href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bierv\/BJNR013320990.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bierverordnung<\/a> von 2005 geregelt. Danach ist die Einhaltung der Herstellungsvorschriften im <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bierstdb\/BJNR701350931.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Vorl\u00e4ufigen Biergesetz <\/a>(VorlBierG) vorgegeben.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>&#8222;Besonders strenge Vorschriften gelten nur noch f\u00fcr die <a title=\"Unterg\u00e4rige Hefe\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Unterg%C3%A4rige_Hefe\">unterg\u00e4rige<\/a> Bierherstellung in Deutschland f\u00fcr den deutschen Markt. Hersteller von importiertem Bier sind aufgrund des nach dem Urteil des Europ\u00e4ischen Gerichtshofes von 1987 angepassten deutschen Rechts nicht an diese Vorschriften gebunden; auch deutsche Brauereien k\u00f6nnen davon abweichen, wenn sie unterg\u00e4riges Bier f\u00fcr den Export produzieren, oder f\u00fcr \u201ebesondere Biere\u201c [Paragraph 9 Absatz 7 des Vorl\u00e4ufigen Biergesetzes, eine Art Schlupfloch f\u00fcr Biere, die nicht dem Reinheitsgebot entsprechen] eine Ausnahmegenehmigung erhalten.&#8220;<\/em> <em> [<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reinheitsgebot\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wikipedia<\/a>]<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Deutschland sorgt der Deutsche Brauer-Bund e.V. f\u00fcr die &#8222;Illusion eines naturbelassenen Produkts&#8220; und behauptet nachwievor,<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Reinheitsgebot schreibt vor, dass zur Bierherstellung nur Wasser, Malz, Hopfen und Hefe verwendet werden d\u00fcrfen. Es steht f\u00fcr die Bewahrung einer althergebrachten Handwerkstechnik und gilt zugleich als \u00e4lteste, heute noch g\u00fcltige lebensmittelrechtliche Vorschrift der Welt. [<a href=\"https:\/\/brauer-bund.de\/reinheitsgebot\/fragen-und-antworten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Quelle<\/a>]<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei k\u00f6nnen aber auch in Deutschland z.B. zum Brauen von oberg\u00e4rigem Bier andere Zutaten wie z.B. die Verwendung von technisch reinem Roh-, R\u00fcben- und Invertzucker, sowie von St\u00e4rkezucker und aus Zucker hergestellten Farbmittel zul\u00e4ssig sein. Ganz zu schweigen von den eingesetzten technischen Prozessen und ihren m\u00f6glichen R\u00fcckst\u00e4nden im Bier.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"paragraph article__item wp-block-paragraph\"><em>&#8222;Da w\u00e4re zum Beispiel das Wortunget\u00fcm Polyvinylpolypyrrolidon \u2013 kurz PVPP. Mithilfe dieser kleinen Kunststoffpartikel werden Tr\u00fcbstoffe aus dem Bier gefiltert, um die Haltbarkeit zu verbessern. Der Einsatz solcher Kl\u00e4rmittel ist laut Gesetz zul\u00e4ssig, wenn sie bis auf &#8222;technisch unvermeidbare Anteile&#8220; vor der Abf\u00fcllung wieder aus dem Bier verschwinden. Letzteres stellt allerdings eine Dissertation infrage, die am Lehrstuhl f\u00fcr Technologie der Brauerei der Technischen Universit\u00e4t M\u00fcnchen eingereicht wurde: Ihr zufolge bleibt ein Teil des Plastikgranulats im Bier enthalten. Gleiches gilt \u00fcbrigens f\u00fcr den technischen Hilfsstoff Kieselgur.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"paragraph article__item wp-block-paragraph\"><em>Nun wird PVPP zwar nicht fl\u00e4chendeckend in der Bierherstellung eingesetzt und sogar als Bindemittel f\u00fcr Tabletten genutzt \u2013 Panik muss deshalb kein Biertrinker bekommen. Doch f\u00fcr Oliver Wesseloh [Inhaber der <a href=\"http:\/\/www.kreativbrauerei.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kehrwieder Kreativbrauerei<\/a>, Hamburg] gibt es noch viele andere Argumente, die den Mythos Reinheitsgebot entzaubern. Umkehrosmose, Farbebier, High-Gravity-Brewing lauten die entsprechenden Fachbegriffe. &#8222;Das alles sind hochtechnische Verfahren in industriellen Fertigungsprozessen, die mit handwerklichen Produkten nichts zu tun haben&#8220;, schimpft Wesseloh und vergleicht den Technisierungsgrad einer modernen Brauerei mit der Br\u00fccke von Raumschiff Enterprise. Tats\u00e4chlich ist der industrielle Charakter der Bierproduktion f\u00fcr die Unesco ein Argument, das Reinheitsgebot vorerst nicht in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufzunehmen.&#8220;<\/em> [<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2016\/17\/reinheitsgebot-bier-zutaten-malz-jubilaeum\/komplettansicht\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Die Zeit<\/a>]<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele Braumeister kritisieren das Festhalten am &#8222;Mythos&#8220; Reinheitsgebot und fordern keineswegs eine Abschaffung, w\u00fcnschen sich aber eher, &#8222;dass gr\u00f6\u00dferer Wert auf nat\u00fcrliche Zutaten gelegt wird.&#8220;&nbsp;[<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2016\/17\/reinheitsgebot-bier-zutaten-malz-jubilaeum\/komplettansicht\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Die Zeit<\/a>]. Am Ende solle der Verbraucher entscheiden, ob er Einheitsgeschmack oder lieber Vielfalt haben wolle.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das was, allen voran vom Deutschen Brauer-Bund, gefeiert wurde und als &#8222;Reinheitsgebot&#8220; von 1516 bezeichnet ist, wird von vielen als die \u00e4lteste, noch g\u00fcltige Lebensmittelgesetzgebung der Welt angesehen &#8211; eine weitere M\u00e4r (siehe unten). Urspr\u00fcnglich sollten damit u.a. Preise reguliert und Verf\u00e4lschungen des Getr\u00e4nks vorgebeugt sowie chemische oder andere Zus\u00e4tze ausgeschlossen werden. 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