{"id":3022,"date":"2024-12-03T17:31:00","date_gmt":"2024-12-03T17:31:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dikoweb.de\/main\/?p=3022"},"modified":"2024-12-12T14:50:38","modified_gmt":"2024-12-12T14:50:38","slug":"neue-studie-zu-deutschen-milliardenvermoegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dikoweb.de\/?p=3022","title":{"rendered":"Studie zu deutschen Milliardenverm\u00f6gen"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Superreiche besitzen mindestens 1,4 Billionen Euro, Steuers\u00e4tze seit Mitte der 1990er drastisch reduziert<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"382\" height=\"600\" src=\"https:\/\/dikoweb.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Studie-HBS-2023.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3589\" srcset=\"https:\/\/dikoweb.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Studie-HBS-2023.jpg 382w, https:\/\/dikoweb.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Studie-HBS-2023-191x300.jpg 191w\" sizes=\"auto, (max-width: 382px) 100vw, 382px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verm\u00f6gen superreicher Haushalte in Deutschland d\u00fcrften weitaus gr\u00f6\u00dfer sein als in Forschung, Medien und \u00d6ffentlichkeit angenommen. Allein die mehr als 200 Milliardenverm\u00f6gen im Land k\u00f6nnten zusammengerechnet statt rund 900 Milliarden Euro mindestens 1400 Milliarden Euro umfassen, m\u00f6glicherweise sogar noch deutlich mehr. Das entspricht gut einem Drittel bis der H\u00e4lfte des j\u00e4hrlichen deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) und verteilt sich auf lediglich rund 4300 sehr reiche Haushalte. Gr\u00fcnde f\u00fcr die deutliche Untersch\u00e4tzung der Milliardenverm\u00f6gen sind, dass es mehr davon geben d\u00fcrfte als bislang angenommen. Zudem sind die bekannten Superverm\u00f6gen in bisherigen Analysen teilweise unterbewertet, etwa weil Gewinnaussch\u00fcttungen nicht voll erfasst sind oder Unternehmensanteile oder Immobilien in ihrem Wert untersch\u00e4tzt werden. Das ergibt eine neue, von der Hans-B\u00f6ckler-Stiftung gef\u00f6rderte Studie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Untersuchung zeigt auch: Wichtige Steuers\u00e4tze zur Besteuerung der Ertr\u00e4ge aus Milliardenverm\u00f6gen sind seit 1996 deutlich gesenkt worden. Neben der Aussetzung der Verm\u00f6gensteuer hat sich beispielsweise der Steuersatz auf nicht ausgesch\u00fcttete Gewinne seit 1996 in etwa halbiert.&nbsp; Ein weiteres Ergebnis: Die meisten der \u00fcber 200 Milliardenverm\u00f6gen in Deutschland stehen zwar mit gro\u00dfen Unternehmen in Zusammenhang und entfallen meist auf Mitglieder der (ehemaligen) Eigent\u00fcmerfamilien. In knapp jedem f\u00fcnften Fall beruht das aktuelle Verm\u00f6gen aber im Wesentlichen schlicht auf dem Verkauf der Firma. Und auch, wenn Familien noch wirtschaftlich mit einem Unternehmen verbunden sind, wird dieses nur in gut der H\u00e4lfte dieser F\u00e4lle durch Familienmitglieder gemanaged. Bei der anderen H\u00e4lfte beschr\u00e4nkt sich die Rolle der Familie auf eine Mitgliedschaft in den Kontrollgremien oder eine stille Teilhaberschaft. Bei der Mehrzahl der Milliardenverm\u00f6gen kann daher nicht von \u201eUnternehmertum\u201c als direkter Quelle des Reichtums die Rede sein, konstatieren die Studienautor*innen Julia Jirmann und Christoph Trautvetter von der Nichtregierungsorganisation Netzwerk Steuergerechtigkeit \u2013 anders als es Interessengruppen Verm\u00f6gender oft darstellten.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie viel besitzen die Superreichen in Deutschland? Einigerma\u00dfen genau wei\u00df es bislang niemand. Die Datenlage zu sehr gro\u00dfen Verm\u00f6gen ist sehr l\u00fcckenhaft. Seit in den 1990er Jahren die Verm\u00f6gensteuer ausgesetzt wurde, haben die Steuerbeh\u00f6rden keinen systematischen \u00dcberblick. Auch Datenquellen wie der Mikrozensus oder das sozio-oekonomische Panel (SOEP) enthalten kaum verwertbare Zahlen zu Superreichen und ihrem Besitz. Denn deren Zahl ist so klein, dass sie selbst von gro\u00dfen Stichproben kaum erfasst werden. Zudem sind viele Befragungen freiwillig. Um sich der Realit\u00e4t wenigstens anzun\u00e4hern, nutzen verschiedene Forscher erg\u00e4nzend so genannte \u201eReichenlisten\u201c, die von Wirtschaftsmedien recherchiert werden. Auch der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung beruft sich auf diese Listen und verzichtet bisher auf eigene Analysen zu den Milliardenverm\u00f6gen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei sei es politisch besonders relevant und wissenschaftlich machbar, beim Thema Milliardenverm\u00f6gen die Datenl\u00fccken zu verkleinern, betonen Jirmann und Trautvetter. \u201eGeeignete Ma\u00dfnahmen gegen die zunehmende Ungleichheit scheitern an politischem Widerstand und an weitverbreiteten Mythen und Fehleinsch\u00e4tzungen der \u00d6ffentlichkeit zu Verm\u00f6gensverteilung und&nbsp; -besteuerung.\u201c Wo Informationen fehlen, habe Lobbyismus leichtes Spiel, mehr unabh\u00e4ngige Reichtumsforschung sei dringend n\u00f6tig. Die B\u00f6ckler-gef\u00f6rderte Studie leistet dazu einen Beitrag, ihr Datensatz ist \u00f6ffentlich abrufbar \u2013 anders als bei anderen Untersuchungen zu Hochverm\u00f6genden, wie sie beispielsweise die Stiftung Familienunternehmen in Auftrag gibt, so die Forschenden. Jirmann und Trautvetter haben die Datenrecherche und -analyse in ihrer Studie deutlich verfeinert. Dabei gehen sie aus von den \u201eMilliard\u00e4rslisten\u201c, die die Wirtschaftzeitschriften \u201eForbes\u201c und \u201eManager-Magazin\u201c j\u00e4hrlich ver\u00f6ffentlichen. Beide Listen werden detailliert abgeglichen, zus\u00e4tzlich integrieren die Expert*innen Informationen aus zahlreichen weiteren \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Quellen wie Unternehmensdatenbanken. Damit lassen sich die Milliardenverm\u00f6gen in Deutschland, auf die sich die Studie konzentriert, besser als bisher absch\u00e4tzen. Das f\u00fchrt unter anderem dazu, dass die Forschenden zum jetzigen Stand 11 zus\u00e4tzliche Milliardenverm\u00f6gen identifizieren, die bislang nicht auf den Listen waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Systematik orientieren sich die Forschenden am Vorgehen des \u201eManager-Magazins\u201c und nehmen als Ausgangspunkt f\u00fcr die Abgrenzung&nbsp;&nbsp;&nbsp; nicht das individuelle Eigentum einzelner Personen, sondern Verm\u00f6gen, die in einem engen Bezug zueinander stehen und insgesamt mindestens eine Milliarde Euro umfassen \u2013 h\u00e4ufig ein Mehrfaches davon. Diese Bez\u00fcge ergeben sich meist durch famili\u00e4re Bande und\/oder Verbindungen zu Unternehmen, die nach Sch\u00e4tzung der Fachleute bei rund 90 Prozent der Milliardenverm\u00f6gen urspr\u00fcngliche Quelle des Reichtums waren oder sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.boeckler.de\/de\/pressemitteilungen-2675-deutsche-milliardenvermogen-superreiche-54381.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.boeckler.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Julia Jirmann, Christoph Trautvetter:<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/p_fofoe_WP_316_2023.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Milliardenverm\u00f6gen in Deutschland. L\u00fccken der Reichtumserfassung und -besteuerung \u2013 Vorschlag f\u00fcr einen alternativen Reichtumsbericht<\/a>. Working Paper der Forschungsf\u00f6rderung der Hans-B\u00f6ckler-Stiftung Nummer 316, Dezember 2023<br><br>Datensatz zur Studie auf der <a href=\"https:\/\/www.netzwerk-steuergerechtigkeit.de\/milliardenvermoegen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Website des Netzwerk f\u00fcr Steuer Gerechtigkeit<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Superreiche besitzen mindestens 1,4 Billionen Euro, Steuers\u00e4tze seit Mitte der 1990er drastisch reduziert Die Verm\u00f6gen superreicher Haushalte in Deutschland d\u00fcrften weitaus gr\u00f6\u00dfer sein als in Forschung, Medien und \u00d6ffentlichkeit angenommen. Allein die mehr als 200 Milliardenverm\u00f6gen im Land k\u00f6nnten zusammengerechnet statt rund 900 Milliarden Euro mindestens 1400 Milliarden Euro umfassen, m\u00f6glicherweise sogar noch deutlich mehr. 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