Beiträge zur Musik und mein Senf zu anderen Dingen

Kategorie: Musik Seite 23 von 33

Song-Geschichten

Viele große Rock- und Popsongs haben eine Hintergrundgeschichte. So auch „Light My Fire“ von den Doors.

Anfang 1966 waren erfahrene Rockbands, die regelmäßig in Clubs und Theatern in New York, Los Angeles und San Francisco auftraten, zunehmend frustriert von ihren Plattenfirmen. Unter dem Druck der kurzen Dauer von 45er Schallplatten und dem ständigen Druck, Hit-Singles zu liefern, wollten viele dieser Künstler längere Konzertversionen ihrer Songs auf Alben aufnehmen. Doch die Plattenfirmen und Produzenten zögerten. Studiozeit war teuer, und Alben, die mit ausgedehnten Soli und Jams vollgestopft waren, liefen Gefahr, langatmig und langweilig zu sein. Das Ergebnis waren schlechte Verkaufszahlen in den Läden und eine Schädigung des Rufs der Band. Ein weiteres Problem war, dass zu wenige junge Plattenkäufer*innen eine eigene Stereoanlage besaßen. Die meisten spielten die Singles auf tragbaren Plattenspielern ab, während die Alben mit ins Wohnzimmer genommen und auf den größeren Plattenspielern der Eltern abgespielt wurden. Zudem mussten Jugendliche damit rechnen, dass die Eltern verlangten, die Musik leiser zu stellen bzw. auszuschalten.

Die Doors gehörten zu den Bands, die die Single als erdrückend und das Album als die große Leinwand der Zukunft des Rocks betrachteten. Im Jahr 1966 unterschrieb die Band bei Elektra, einem damals unabhängigen Plattenlabel in Los Angeles. Die Doors traten häufig in Clubs auf dem Sunset Strip in Los Angeles auf, wo sie herausgefunden hatten, wie man Songs verlängern konnte, um die LSD-getränkte Menge auf den Tanzflächen zufrieden zu stellen. Das Ergebnis war eine psychedelische Rockmusik, die die bewusstseinsverändernde Wirkung von LSD-Trips nachahmte und verstärkte.

Im August 1966 nahmen die Doors eine 7:06 Minuten-Version von „Light My Fire“ für ihr gleichnamiges Debütalbum auf. Nachdem das Album im Januar 1967 erschienen war, erreichte es Platz 2 der Billboard-Charts. Ein paar Monate nachdem das Doors-Album im Januar 1967 erschienen war, rief Elektra-Gründer Jac Holzman an und sagte, das Label wolle eine Single von „Light My Fire“ für das Radio. Dave Diamond, ein UKW-Discjockey im San Fernando Valley, hatte die Albumversion gespielt und bekam eine Menge Anfragen.

Aber eine Single bedeutete, dass die lange Albumversion auf knapp drei Minuten gekürzt werden musste, damit die DJs sie spielen würden. Als die Gruppe das Ergebnis hörte, waren die Orgel- und Gitarrensoli weg. Produzent Paul Rothschild erklärte der Band: „Stellt euch vor, ihr seid siebzehn Jahre alt in Minneapolis. Du hast noch nie etwas von den Doors gehört, und das ist die Version, die du im Radio hörst. Hättest du ein Problem damit?“ Jim Morrison sagte: „Eigentlich gefällt sie mir ganz gut.“ Robbie Krieger: “Ich war nie verrückt nach der Albumversion. Sie war sehr leise abgemischt worden, um alles einzufangen. Im Radio war sie nicht sehr laut oder aufregend. Aber die Single hat mich umgehauen. Das Geheimnis war, dass Paul [Rothschild] Tesafilm um die Spindel der Tonabnehmerspule gewickelt hatte, damit sich das Band ein wenig schneller drehte. Dadurch wurde die Tonhöhe ein wenig höher und heller, und der Song wurde dringlicher“.

Im Mai 1967 wurde eine 2:52 Minuten-Single-Version von „Light My Fire“ veröffentlicht, sie kletterte auf Platz 1. 1998 wurde sie in die Grammy Hall of Fame aufgenommen.

Zitate wurden übersetzt und stammen aus dem Buch von Marc Myers „Anatomy of a Song. The Oral History of 45 Iconic Hits That Changed Rock, R&B and Pop“, Grove Press, New York, 2016.

DiKo’s Playlist – KW 35

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Frank Zappa – Funky Nothingness

1970 arbeitete Zappa an dem Album „Chunga’s Revenge“. Wie so oft haben es viele Stücke, aus unterschiedlichen Gründen, nicht geschafft auf der Platte zu erscheinen.

Mit der Veröffentlichung der 3 CDs von „Funky Nothingness“ Ende Juni 2023, bekommen wir einen Einblick in diese Zeit und die verschiedenen Aufnahmen. Zwar sind diese nicht so aufschlussreich wie die „Hot Rats Session Box„, stattdessen geben sie Einblicke in die Studioarbeit und in Zappas Musik in der Übergangsphase, die sich langsam vom Jazz-Rock auf „Hot Rats“ zu den härteren Jams seiner Platten Mitte der 70er Jahre entwickelt. Das ist eine Menge Stoff für Neulinge, aber auch erfahrene Zappa-Fans werden hier einiges finden, das sie überraschen könnte.

Funky Nothingness“ beginnt mit dem Titeltrack, einem langsamen Gitarrenblues ( „Motorhead’s Boogie“ unter einem anderen Namen), bei dem Zappa, Roy Estrada und Jim „Motorhead“ Sherwood über eine einfache Tonfolge jammen. Von dort aus leitet es geschickt über in „Tommy/Vincent Duo I“, ein Schnipsel von Zappa, der mit dem Schlagzeuger Anysley Dunbar jammt, um dann mit der bluesigen Nummer „Love Will Make Your Mind Go Wild“ einen Einstieg für Sugarcane Harris‘ Gesang zu bieten, der sonst eher als Violinist hervor tritt.

Nach einer langen Workout-Version von „I’m A Rollin‘ Stone“, einem alten Lightnin‘ Slim Song von 1957, geht es in den Keller (basement) zu einer frühen Version von „Chunga’s Revenge“ und dem „Basement Jam“. Beeindruckend finde ich hier das Schlagzeugspiel von Aynsley Dunbar, der eine treibende Kraft in den Stücken ist.

„Sharleena“ dürfte den Fans vertraut sein, die The Lost Episodes von 1996 besitzen, aber hier ist es etwas länger geschnitten und anders abgemischt. Der Song steigert sich in seiner Intensität bis hin zu einem schönen Zappa-Solo.

Daneben sind zwei Stücke zu finden, die Zappa zu seinen Lebzeiten nie auf Alben veröffentlicht hat: „Khaki Sack“ und „Twinkle Tits“. Beide waren durch Bootlegs bekannt, sie aber in sauberem HiFi-Sound zu hören, ist schon etwas Besonderes.

Der letztgenannte Titel war offensichtlich der Song aus diesen Sessions, der Zappa am meisten bedeutete: Er wurde in neun Takes aufgenommen und wird hier in einer im Grunde finalen Version mit einem separaten Intro präsentiert. Nicht lange nach den Sessions hat er ihn sogar live gespielt. Aber wie viele andere Titel, ist er ohne große Erklärung im riesigen Zappa-Tresor verschwunden. Das ist ein bisschen schade: Zappas Gitarre „knurrt“ bei seinem Solo und Don Harris steigert sich mit einem Blues-Riff in einen Rausch. Es ist mit Sicherheit der Höhepunkt dieses Sets.

Alle drei Discs enthalten Aufnahmen von „Chunga’s Revenge“, dem Titeltrack von Zappas eigentlichem Nachfolger von Hot Rats, der im Oktober 1970 erschien. Die „Basement Version“, die sich auf dem Hauptalbum befindet, wurde in Zappas Keller zu Hause in Laurel Canyon mit einem 4-Kanal-Quadrophonie-Setup aufgenommen, fast drei Jahre bevor das Format für Verbraucher verfügbar wurde. Zappa erstellte dann eine Stereomischung der Quad-Spur, die hier enthalten ist.

„Die Sessions, die hauptsächlich im Februar und März 1970 in der neu eröffneten Record Plant in Los Angeles stattfanden, umfassten die fünfköpfige Band des Mothers-Mitglieds Ian Underwood (Keyboard, Saxophon, Rhythmusgitarre) sowie den Geiger und Sänger Don „Sugarcane“ Harris, dem Wrecking-Crew-Bassisten Max Bennett, dem Schlagzeuger Aynsley Dunbar, der gerade nach Los Angeles umgezogen war und bei Zappa einzog, nachdem er ihn auf einem Festival in Belgien Schlagzeug spielen gesehen hatte, und Zappa (Gitarre, Gesang, Drums und Produktion). Gemeinsam nahm die Gruppe sehr lange Originalkompositionen, inspirierte Covers und ausgedehnte Improvisationen auf, die auf Zappas R&B-Wurzeln zurückgingen und gleichzeitig Einflüsse der aufkommenden Jazz-Fusion-Szene vermischten. Die größtenteils instrumentalen Aufnahmen zeigen die Virtuosität des Gitarristen und hätten ohne weiteres die Fortsetzung von Hot Rats werden können, wenn es denn jemals veröffentlicht worden wäre.“

www.zappa.com – Übersetzt von Zappa:lott mit Hilfe von DeepL

Funky Nothingness“ ist eine großartige Veröffentlichung und für Zappa-Fans ein Muss. Wer mehr über dieses Album erfahren möchte, dafür hat Zappa’s „Tresor-Meister“ Joe Travers eine Reihe von Videos produziert (siehe die unten eingebetteten YouTube-Videos in englischer Sprache), darunter Interviews mit Chris Bellman von Bernie Grundman Mastering und dem Originalmitglied der Mothers of Invention, Ian Underwood.

The Making Of… – Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Teil 5

R.I.P. – Robbie Robertson

Der kanadische Gitarrist, Sänger und Komponist, bekannt vor allem als Mitglied der Gruppe The Band, starb am 09. August 2023 im Alter von 80 Jahren in San Francisco.

Der von Robertson geschriebene Titel The Night They Drove Old Dixie Down zählt zu den bekanntesten von The Band, wurde aber nie als Single veröffentlicht. Joan Baez erreichte 1971 mit einer Cover-Version ihren einzigen US-Top-Ten-Hit. Im deutschsprachigen Raum wurde der Song hauptsächlich durch „Am Tag, als Conny Kramer starb“ von Juliane Werding aus dem Jahr 1972 bekannt.

Als Sohn einer Mohawk ist Robertson in einem Six-Nations-Reservat in der Nähe von Toronto aufgewachsen. Als einer der ersten machte er Musik auch für die Native Americans. Obwohl er diese Herkunft lange nicht öffentlich machte. Kanadas Premierminister Justin Trudeau würdigte den Musiker mit den Worten „Gitarist, Songschreiber, Storyteller – Robbie Robertson hatte einen großen Anteil an Kanadas überragendem Beitrag zur Kunst.

Robbie Robertson Showdown At Big Sky (1987)

DiKo’s Playlist – KW 31

Betontod – Nie mehr St. Pauli ohne dich | Zeig dich (2023)

Bully – Days Move Slow | Lucky For You (2023)

All The Young – Forever | Tales Of Grandeur (2022)

Drive-By Truckers – Where The Devil Don’t Stay | The Complete Dirty South [Disc 1] (2023)

Mia Maria Johansson – Hello Emo, I Love You | Luft (2023)

The Royston Club – The Deep End | Shaking Hips and Crashing Cars (2023)

Women Tied To Railroad Tracks – Huckleberry Finn | Holiday In, Holiday Out (2023)

Zappa in München 1978

„We Don’t Mess Around“: Frank Zappa 1978 live im deutschen Fernsehen mit einer seiner besten Bands überhaupt

„We Don’t Mess Around“ war eine Bandprobe – es gibt kein Publikum – für eine Show im Zirkus Krone in München, die ein deutscher Fernsehsender am 8. September 1978 aufzeichnete. Zu dieser Zeit tourte Zappa mit einer der besten Bands, die er je zusammengestellt hatte – Ike Willis, Denny Walley, Arthur Barrow, Tommy Mars, Peter Wolf, Ed Mann, Vinnie Colaiuta – und man kann Frank sogar beim Akkordeonspielen beobachten…

Mit einigen dokumentarischen Elementen, darunter ein Einkaufsbummel und ein Interview mit Zappas Leibwächter. Einiges von diesem Material überschneidet sich mit Zappas eigenem Feature Baby Snakes bzw. war darin enthalten.

Die Songs sind „Pound for a Brown on a Bus“, „Baby Snakes“, „The Deathless Horsie“, „Dancin‘ Fool“, „Easy Meat“, „Honey Don’t You Want a Man Like Me?“ „Keep It Greasy“, „Why Does It Hurt When I Pee?“ „Sofa #2“, „Seal Call Fusion Music“, „Bobby Brown“, „Conehead“, „Dead Air“, „I’m On Duty“, „St. Alphonzo’s Pancake Breakfast“, „Rollo“.

Zappas Gitarrensolo bei „Easy Meat“ ist atemberaubend und die Kamera bleibt direkt auf seinen Händen, die eine ephemere Skulptur in der Luft bilden. Das Interview mit seinem Limousinen-fahrer/Leibwächter ist zum Totlachen komisch.

Quelle: Dangerous Minds (Übersetzung zappa:lott)

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