Beiträge zur Musik und mein Senf zu anderen Dingen

Kategorie: Politik Seite 1 von 15

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Unbedingt lesen!

Wolfgang Schorlau, den Namen kannte ich bisher nur durch die Verfilmung von drei seiner Bücher mit der Titelfigur Dengler, einem ehemaligen BKA-Zielfahnder, der jetzt als Privatdetektiv arbeitet. 1

Ich war gespannt, wie sich die literarischen Vorlagen lesen lassen. 2 Und so begann ich mit dem ersten Band „Die blaue Liste“ und arbeitete mich immer weiter vor, bis zum fünften Fall „Das München-Komplott“, ein Buch, das mich „fesselte“ und sprachlos zugleich machte.

Den Hintergrund liefert der verheerende Anschlag auf das Münchner Oktoberfest 1980, bei dem 13 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt wurden. Ich habe mich erst durch dieses Buch näher damit befasst, für mich war das Attentat in Vergessenheit geraten. Für die ermittelnden Behörden war damals schon nach wenigen Tagen klar: Der bei dem Attentat ums Leben gekommene Gundolf Köhler hat die Bombe in einem Papierkorb versteckt und gezündet. Alle Indizien, die einer Einzeltäterthese widersprachen, wurden ignoriert, ebenso wie der neonazistische Hintergrund. Und so ist eine vollständige und umfassende Aufklärung bis heute noch nicht erfolgt.

Man kann es zwar nicht glauben, aber die Basis des Buches ist nicht Fiktion sondern Realität. Das wahre Ausmaß der Verstrickungen von LKA und Geheimdiensten ist wirklich schockierend. Man kann sich nur schwer vorstellen, dass so etwas in unserer Zeit wirklich möglich ist. Nach dieser Lektüre und den zugrundeliegenden Quellen sieht das jedoch anders aus. 3

Wolfgang Schorlau hat einen politischen Krimi geschrieben, der die Machenschaften von Geheimdiensten aufdeckt und uns vor Augen führt, wie wenig wir von unseren und anderen staatlichen „Aktionen“ wirklich wissen.

Sowohl die Verstrickung staatlicher Organe in das Attentat als auch die Verhinderung einer vollständigen Aufklärung der damaligen Geschehnisse scheinen beileibe keine pure Fiktion zu sein. Dieser Eindruck wird durch das im Anhang des Buches abgedruckte „Field Manual 30-31“ des US-amerikanischen Geheimdienstes sowie das ausgesprochen informative Nachwort des Autors noch unterstrichen.

aida-Archiv

Dieses Buch ist gewissermaßen eine Pflichtlektüre (nicht nur) für Fans intelligenter Krimis mit zeitgeschichtlichem Hintergrund.

Wolfgang Schorlau (2009): Das München-Komplott. KiWi Paperback 1114, 336 Seiten, ISBN 978-3-462-04132-3

Anmerkungen:

  1. z.B. Dengler – Die letzte Flucht (in dem es um die Machenschaften der Pharmaindustrie geht) ↩︎
  2. Bisher sind 11 Bände erschienen. Dengler’s 12. Fall „Das kalte Werk“ erscheint im November 2026. ↩︎
  3. z.B. Daniele Ganser: Nato-Geheimarmeen in Europa: Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung, Neuauflage 2022 (Dokumente belegen, dass die von den USA angeführte Militärallianz nach dem Zweiten Weltkrieg in allen Ländern Westeuropas geheime Armeen aufgebaut hat, welche von den Geheimdiensten CIA und MI6 trainiert wurden. Ihr Ziel: im Falle einer sowjetischen Invasion als Guerilla zu kämpfen, um die besetzten Länder wieder zu befreien. Doch dabei ist es nicht geblieben. Gezielt wurden Attentate gegen die eigene Bevölkerung ausgeführt, um Unsicherheit zu erzeugen und den Ruf nach einem starken Staat zu unterstützen. ↩︎

Sinclair Lewis: Das ist bei uns nicht möglich (Roman)

1935 in den USA ein aufsehenerregender Bestseller, heute wieder eine Sensation und aktuell wie selten zuvor. Es ist eine mahnende Geschichte über den Aufstieg des Faschismus in den Vereinigten Staaten.

Sinclair Lewis wusste durch seine Frau Dorothy Thompson, Auslandskorrespondentin in Berlin, über den Aufstieg der Nazis Bescheid. In den USA beobachtete er, wie die Populisten nach Wirtschaftskrise und Sozialreformen des New Deal immer weiter an Einfluss gewannen. Der radikale Senator Huey Long versuchte Präsident Roosevelt aus dem Amt zu drängen, bevor Long 1935 einem Attentat zum Opfer fiel. Lewis diente er als Vorbild für den fanatischen Verführer Buzz Windrip in seinem Roman.

Buzz Windrip, für seine Gegner ein „ungebildeter Lügner mit idiotischer Weltanschauung“ und ein gefährlicher Populist, will Präsidentschaftskandidat werden. Er gibt vor, sich für die kleinen Leute einzusetzen, und verspricht, „aus Amerika wieder ein stolzes Land zu machen“. Trotz völlig unglaubwürdiger Versprechen laufen ihm die Wähler zu, und er zieht ins Weiße Haus ein. Sogleich regiert er wie ein absolutistischer Herrscher, beschneidet die Freiheiten der Minderheiten, legt sich mit Mexiko an und lässt seine Kritiker rabiat verfolgen. Einer davon ist der liberale Zeitungsherausgeber Doremus Jessup, der sich nicht mundtot machen lassen will.

Sinclair Lewis’ Roman aus dem Jahr 1935 führt einen Antihelden vor, der mit seinen Hetzreden die Begeisterung unzufriedener Wähler entfacht. Durch seine Lügen und eine Rhetorik des Populismus und der Ressentiments wird er Präsident der Vereinigten Staaten. Das klingt vertraut, oder?

Lewis‘ Roman bekommt „eine neue Aktualität, weil es so prophetisch wirkt: der Gauner mit dem aufwendigen Namen Berzelius Windrip, der seinen Wählern Lohn und Brot verspricht, Einkommensbeschränkungen für Reiche, aber eine Prämie von fünftausend Dollar für jeden Mitmacher, dieser politische Gauner liest sich heute wie eine Vorahnung des gnadenlosen Populisten Donald Trump. […] So schlecht Vorhersagen von Journalisten und Schriftstellern sonst sind, hier ist dem kleinen Meister Lewis ein großes visionäres Irrsinnsgemälde voller Wahrhaftigkeit gelungen. (Willi Winkler in der SZ)

„Eine unheimliche Vorwegnahme der aktuellen Ereignisse.“ The Guardian
„Ein Populist im Weißen Haus? Literaturnobelpreisträger Sinclair Lewis hat es vor 80 Jahren durchgespielt.“ DIE ZEIT
„Sinclair Lewis ist wieder aktuell.“ der Freitag
„Ein Meister des absoluten Realismus.“ Bob Dylan

422 Seiten, Aufbau Taschenbuch Verlag, Berlin
in der Übersetzung von Hans Meisel, mit einem Nachwort von Jan Brandt.

Anti-AfD Bier

Nachdem ich das Anti-Fascist IPA einer Brauerei aus Brooklyn gefunden hatte, fragte ich mich, ob es ein deutsches Pendant gibt: ein Anti-AfD Bier.

Und siehe da: fündig geworden! Es gab die Bierboutique Ölwechsel in Frankfurt am Main, die ein Anti-AfD Bier gebraut hat (diese Brauerei ist nicht mehr in Betrieb)

und es existiert noch eine Brauerei in Mannheim, die das Bier „KONTER – Bier gegen Nazis“ braut.

Es reicht natürlich nicht aus, nur KONTER zu trinken, um etwas gegen Nazis zu unternehmen. Aber:

Parteien wie die AFD geben oft vor, für die einfachen Leute einzutreten. Das Gegenteil ist der Fall: Die Partei wird vor allem durch Supperreiche wie Henning Conle, Folkard Edler und August von Finck finanziert – und vertritt folgerichtig die Interessen dieser Multimillionäre und Milliardäre.

Antifaschistischen Initiativen fehlen solche Finanzierungsquellen. Deshalb fließen mit jeder verkauften Flasche KONTER 10 Cent an „Kein Bock auf Nazis“, eine überparteiliche, bunte und undogmatische Initiative, die seit 2006 über Faschismus, Rassismus und die Neonaziszene aufklärt und Menschen in Ihrem Engagement gegen Nazis unterstützt.

KONTER positioniert sich nicht nur klar gegen Nazis, sondern auch für internationale Solidarität und für die Rechte von Geflüchteten.

Quelle: konter.beer

Eine Brauerei gegen Trump

Participation Trophy Brewing Company ist stolz darauf, unsere neueste Veröffentlichung bekanntgeben zu können, ein kühnes Anti-Faschistisches IPA, das darauf ausgelegt ist, unsere Haltung kristallklar zu machen. Denn wenn du dich wie ein Nazi verhalten willst, werden wir nicht über das Wort schweigen, was du tatsächlich bist.
Quelle: threads.com

Ein kühnes Statement im Glas. Gebraut in der Überzeugung, dass manche Dinge es wert sind, laut ausgesprochen zu werden. Mit ausgeprägten Zitrusnoten, trocken gehopft und ganz und gar kompromisslos. Demokratie hat noch nie so gut geschmeckt. (Beschreibung des Bieres)

Quelle: ptbrewco.com

AfD endlich verbieten!

Quelle: AfD-Gutachten

Seit Jahren wird ein Parteiverbot der AfD diskutiert. Jetzt gibt es ein neues Gutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte. Ein wissenschatliches Team
aus Juristinnen, Rechtsextremismus-Forscherinnen und Verfassungsrecht-lerinnen hat penibel geprüft, ob die AfD verboten werden kann.

Zwar gibt es auch ein Gutachten des Verfassungsschutzes, das neue Gutachten ist jedoch viel aussagekräftiger, da es nicht nur Aussagen der Bundes-AfD, sondern darüber hinaus auch die der Landesverbände, Programme, 7.700 Parlamentsdokumente, Reden, 2,9 Millionen Social-Media-Beiträge und rund 55.000 Pressemitteilungen ausgewertet hat.

Laut Bundesverfassungsgericht reicht es, wenn EINE der drei Säulen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung verletzt wird.

“Der Begriff der „freiheitlichen demokratischen Grundordnung“ umfasst laut Bundesverfassungsgericht „die Grundprinzipien, die für den freiheitlichen Verfassungsstaat schlechthin unentbehrlich sind“. Das sind etwa die Menschenwürde, das Demokratieprinzip und das Rechtsstaatsprinzip. Dass eine Partei die Beseitigung oder die Beeinträchtigung wenigstens eines dieser Kernelemente anstrebt, muss sich aus ihren Zielen, etwa wie sie im Parteiprogramm stehen, oder aus dem Verhalten ihrer Anhänger ergeben.”

Die Anstalt – der Faktencheck (18.07.2026)

Das Ergbnis der Studie ist eindeutig:

Die AfD ist von einem rassistischen Weltbild geprägt und arbeitet planmäßig auf eine Beeinträchtigung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung hin. Das Gutachten stellt fest, dass die AfD politische Gegnerinnen strafrechtlich verfolgen will und jetzt schon einschüchtert. Das verletzt das Demokratieprinzip. Wir identifizieren außerdem vier Gruppen, deren Menschenwürde durch Ziele und Verhalten der Partei verletzt würden, käme sie an die Macht: Deutsche mit Migrationsgeschichte, Musliminnen, Schutzsuchende sowie trans- und nicht-binäre Personen. Für ein Parteiverbot auch notwendig: Die Partei verfügt nachweislich über das strategische Konzept und die Mittel, um ihre Ziele potenziell umzusetzen.

Quelle: freiheitsrechte.org

Das AfD-Gutachten wurde ergebnisoffen erstellt und ist komplett unabhängig: Ermöglicht wurde es durch Privatspenden von rund 20.000 Menschen, die es ermöglichten 13 Monate daran zu arbeiten.

“Mit diesem Gutachten müssen sich Politik und Gesellschaft jetzt auseinandersetzen. Denn, egal auf welcher Seite der Verbotsdebatte man steht: Das Argument, ein Verbotsantrag werde wahrscheinlich scheitern, ist nach unserer Einschätzung nicht mehr haltbar,” unterstrich GFF-Vorstandsmitglied Prof. Dr. Dana-Sophia Valentiner vor den Journalist*innen der Bundespresse.

Also, Bundestag, Bundesrat und Bundesregierung: Ihr seid die Antragsberechtigten. Redet nicht immer nur davon Demokratie zu bewahren und gegen Faschismus zu sein – kriegt endlich den Arsch hoch und stellt den Verbotsantrag! Die Grundlagen dafür wurden Euch auf dem Präsentierteller serviert!

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