Wissenschaftlichen Unsinn gibt es (nicht nur) in Deutschland zuhauf. Ignoranz, Unkenntnis und Wissenschaftsablehnung durchziehen alle Gesellschaftsschichten und führen zu Falschinformationen bis hin zur gesellschaftlichen Spaltung. Die Aufgabe der Quarks ScienceCops besteht darin, diesen Unsinn aufzudecken und richtigzustellen.
Die Wissenschaftsjournalisten Maximilian Doeckel und Jonathan Focke entlarven schmutzige Tricks und manipulative Techniken, mit denen Geschäftemacher versuchen, Profit aus der Gutgläubigkeit der Menschen zu schlagen. Doeckel und Focke helfen dabei, wissenschaftliche Falschaussagen zu erkennen und zeigen, wie man Pseudoexperten von echten unterscheiden und aufgeklärter durchs Leben gehen kann. Seit 2020 recherchieren die beiden für ihren Podcast «Quarks Science Cops», mit welchen Methoden Influencer, Politiker*innen und Unternehmen unwissenschaftlichen Unfug verbreiten.
Wer ihren Podcast nicht hören kann (oder will), dem sei ihr 2024 erschienenes Buch «Aber meiner Tante hat’s geholfen». Wie wir Scheinargumente, unwissenschaftlichen Unsinn und Pseudoexperten entlarven“ empfohlen.
Erschienen im Verlag Rowohlt Polaris, ISBN: 978-3-499-01538-0
Empfehlenswert sind auch die zahlreichen Fußnoten zu den jeweiligen Fällen. Hinweis der Autoren:
Ihr werdet in diesem Buch vereinzelt Geschichten finden, die aus der Ich-Perspektive geschrieben sind. Es handelt sich hierbei nicht um wahre Geschichten, sondern um eine wilde Mixtur aus persönlichen Erlebnissen, Gesprächen und bekannten Argumentationsmustern, die uns zwar nicht genau so passiert sind. Aber sowohl uns als euch jederzeit passieren könnten.
Die Historikerin Martina Heßler widmet sich in ihrem Buch der Geschichte der Technik und stellt ihre Gedanken über die Entwicklung des Verhältnisses von Mensch und Maschine dar. Es ist eine wissenschaftliche Abhandlung, keine Lektüre, die man mal eben so lesen kann. Aber es lohnt sich in die Materie und Gedanken der Autorin einzutauchen.
Für sie ist Technikgeschichte eine »Geschichte der modernen Ideen einer guten, einer besseren Gesellschaft«. Zur Beschreibung der Beziehung des Menschen zur zeitgenössischen Technik stellt sie das Konzept der »Doppelfigur« vor: auf der einen Seite der fehlerhafte Mensch, auf der anderen Seite die makellos funktionierende Maschine.
Das menschliche Verhältnis zur Technik ist von einer bedenklichen Schieflage geprägt: Menschen erscheinen als Mängelwesen, sie machen Fehler und begehen Dummheiten, während ihre Maschinen und Technologien gerade als Überwindung ihrer Schwächen gelten.
Von Automaten in frühen Industriefabriken und den Ressentiments von Ingenieuren gegenüber Arbeitern über Sicherheitsgurte, Lügendetektoren und nette Roboter bis zur Human-Factor-Forschung und Cyborg-Reparatur: Die Geschichte jenes schrägen Gedankens ist eine Geschichte des Technikchauvinismus, in der wir Menschen mehr und mehr einem modernen Sisyphos ähneln — im selbst gebauten Maschinenraum unentwegt mit der Beseitigung von Fehlern und Defekten beschäftigt.
Derzeit verspricht künstliche Intelligenz, die Welt zu einem besseren Ort zu machen und menschliche Grenzen zu sprengen. Aber bereits seit dem frühen 19. Jahrhundert wird versucht, fehlerhafte Menschen mit überlegenen Maschinen einzuhegen, zu ersetzen und zu übertreffen. Das Bild einer perfekten Maschine, die alle denkbaren Probleme lösen kann, hat seither den gesellschaftlichen Fortschritt maßgeblich geprägt. Es wird Zeit, diese unzeitgemäße Illusion zu verabschieden.
Martina Heßler, Sisyphos im Maschinenraum. Eine Geschichte der Fehlbarkeit von Mensch und Technologie, C.H. Beck Verlag, München 2025 ISBN 9783406823305
John Steinbeck gehört zu den meistgelesenen amerikanischen Autoren des 20. Jahrhunderts innerhalb wie außerhalb der USA. 1962 erhielt er „für seine einmalige realistische und phantasievolle Erzählkunst, gekennzeichnet durch mitfühlenden Humor und sozialen Scharfsinn“ den Nobelpreis für Literatur.
John Steinbeck 1939
Seine Bücher Früchte des Zorns und Von Mäusen und Menschen wurden aufgrund ihres Stils und ihrer Wortwahl in den USA von konservativen Gruppen laut amerikanischem Bibliothekenverband American Library Association (ALA) aus etlichen öffentlichen Bibliotheken entfernt. Die ALA führt sie auf ihrer Liste der in Nordamerika am häufigsten verbotenen Klassiker.
John Steinbeck hat als Recherche für ein Buch einen Schritt getan, den nur wenige Schriftsteller wagen würden [Wem jetzt Günter Wallraff einfällt – der war Journalist]. Er versteckte sich unter falschem Namen in einem Migrantenlager – nur um zu sehen, ob Amerika ihn wie einen der ihren behandeln würde. Das tat es nicht.
Es war 1936, mitten in der Weltwirtschaftskrise. Steinbeck hörte immer wieder Geschichten – von Familien aus Oklahoma und Texas, von Bauern, die durch Staub und Dürre alles verloren hatten und in kaputten Lastwagen nach Kalifornien strömten. Sie kamen, um einen Traum zu verwirklichen, aber was sie fanden, war Hunger, Hass und Felder, die Männern gehörten, die sie als weniger als Menschen betrachteten. Die Zeitungen nannten sie „Okies”. Politiker bezeichneten sie als „Problem”.
Steinbeck konnte nicht einfach aus der Ferne darüber schreiben. „Wenn man den Schmerz eines Menschen verstehen will”, sagte er einmal, „muss man mit ihm durch den Schlamm gehen.” Also lieh er sich ein altes Auto, zog zerrissene Kleidung an und verschwand im San Joaquin Valley. Wochenlang lebte er unter den Wanderarbeitern – schlief unter freiem Himmel, aß Essensreste und tauschte Geschichten am erlöschenden Lagerfeuer aus.
Er sah, wie Mütter versuchten, ihre weinenden Babys mit Liedern statt mit Essen zu beruhigen. Er sah Kinder, die im Müll nach verdorbenen Früchten suchten. „Sie haben keine Ahnung, wie erschreckend Hunger klingt, wenn er schreit“, schrieb er später. „Er verändert die Gesichtszüge eines Menschen.“
Jede Nacht, nachdem die anderen eingeschlafen waren, saß Steinbeck bei einer Laterne und kritzelte – Dialogfetzen, Gesichtszeichnungen, kleine Momente einer Welt, die auf Leid aufgebaut war, in ein Notizbuch. Aus diesen Notizen entstand der Roman „Früchte des Zorns“ (Original „The Grapes of Wrath“).
Als es 1939 veröffentlicht wurde, erschütterte es Amerika bis ins Mark. Landwirte verbrannten das Buch öffentlich. Politiker bezeichneten ihn als Lügner. Kirchen verboten es in ihren Regalen. Aber die Menschen, die dieses Leben gelebt hatten – diejenigen mit blasenbedeckten Händen und Staub in den Lungen – weinten. „Er hat die Wahrheit gesagt“, sagte ein Landwirt. „Endlich hat uns jemand gesehen.“
Das FBI legte eine Akte über ihn an und bezeichnete sein Werk als „gefährlich“ und „unamerikanisch“. Er erhielt Morddrohungen. Bewaffnete Männer der Associated Farmers of California bewachten sein Haus Tag und Nacht. Ein Freund fragte ihn einmal, ob er Angst habe. Steinbeck lächelte nur und sagte: „Nein. Ich schäme mich, dass ich so lange gebraucht habe, um darauf aufmerksam zu werden.“
Er gewann den Pulitzer-Preis und dann den Nobelpreis, aber er vergaß die Lager nie. „Ich bin kein Schriftsteller der Flucht“, sagte er. „Ich bin ein Schriftsteller der Menschen, die nicht fliehen können.“
John Steinbeck schrieb nicht nur über den amerikanischen Traum – er lebte mit den Menschen, denen dieser Traum verwehrt blieb. Und inmitten von Staub und Hunger fand er nicht nur Verzweiflung, sondern auch Würde – die Art von Würde, die sich weigert zu sterben, selbst wenn alles andere verloren ist.
Keith Moon war nicht nur der Schlagzeuger von The Who – er war ihr Chaosmotor, ihr Komiker und ihr unberechenbarster Faktor. Bekannt für explosive Auftritte und noch explosivere Eskapaden hinter der Bühne, war Moons Leben ein Wirbelwind aus Ruhm, Zerstörung, Genialität und Herzschmerz.
„Keith Moon: The Last 24 Hours“: Ein Ghostwriter schildert Keith Moons Leben als Ich-Erzähler aus der Perspektive von Keith Moons Geist. Der Titel des Buches ist insofern irreführend, als „The Last 24 Hours” nicht nur Moons letzten Tag behandelt, sondern einen Großteil seines Lebens auf der Grundlage öffentlich zugänglicher Informationen.
Obwohl der Titel etwas dramatisch klingt, ist „The Last 24 Hours” tatsächlich eine interessante Lektüre, wenn man einiges außer Acht lässt. Wer auch immer das Buch geschrieben hat, die meisten Fakten sind wohl richtig recherchiert, einige davon eher falsch (einschließlich der Schreibweise von Kenney Jones‘ Namen ohne das zusätzliche „e”). Ein*e Lektor*in zu engagieren, wäre darüberhinaus sinnvoll gewesen, um seine oder ihre Neigung zur Wiederholung einzudämmen.
Keith Moon 1975 – Foto: Jim Summaria – CC BY-SA 3.0
Das Buch beschreibt Moon’s letzte Kontakte mit Freunden und Bandkollegen, seine schwierige Beziehung zu seiner Freundin Annette Walter-Lax, seinen unglücklichen Versuch, mit dem Medikament Heminevrin/Distraneurin trocken zu werden, und den Zufall, dass er in derselben Londoner Wohnung von Harry Nilsson starb, in der vier Jahre zuvor Mama Cass verstorben war. Das Buch fängt den Wahnsinn, den schwarzen Humor und die Intensität ein, die Moon’s Leben geprägt haben.
„Keith Moon: The Last 24 Hours“ ist mehr als nur die Biografie eines Rockstars, es ist auch ein psychologisches Porträt eines Mannes, der zwischen seinem öffentlichen Image als „Moon the Loon” und einem privaten Leben voller Unsicherheit, Sucht und der Angst, vergessen zu werden, hin- und hergerissen war. Seine Fans bekommen einen aufschlussreichen Einblick in den gesamten Lebensbogen von Moon – von seiner Kindheit im Nachkriegs-Wembley über die anarchischen Höhen des Rock ’n’ Roll der 1960er und 1970er Jahre bis hin zu seinem gescheiterten Soloalbum, Skandalen in der Boulevardpresse und seinem unvermeidlichen Niedergang.
Buchauszug
Dieses Buch ist für Fans von The Who, klassischer Rockgeschichte und Musikbiografien, die sich nicht vor der dunklen Seite des Ruhms scheuen. Es enthält Einblicke in die Beziehung zwischen Moon und seinen Bandkollegen Pete Townshend, Roger Daltrey und John Entwistle sowie in die berüchtigten Momente, die Moon zur Legende machten – Rolls-Royces in Pools fahren, Hoteltoiletten in die Luft jagen und mitten in einem Konzert in San Francisco ohnmächtig werden. Aber es fängt auch die ruhigeren Momente ein: die gescheiterten Versuche, sich zu erholen, die angespannten Familienbeziehungen und den verzweifelten Wunsch, auch außerhalb der Bühne geliebt zu werden.
Ein Abend mit Gregor Gysi, das wird bestimmt spannend. Vor allem, wenn er mit einem „Blick hinter die Kulissen des Politikbetriebs“ angekündigt ist.
Der Saal im Kulturzentrum Brunsviga in Braunschweig war daher auch bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Erwartung bei mir war entsprechend groß. Schließlich wirbt der ECON Verlag damit, dass Gysi erläutert „wie Kommunikation in der Politik funktioniert, welche Fallstricke es gibt, warum im Bundestag oft nicht einmal die Abgeordneten zuhören, wie unangenehme Botschaften sprachlich verschleiert werden und wie man sich in Talkshows um Kopf und Kragen reden kann.“
Gysi und Moderator (eher Stichwortgeber) Hans-Dieter Schütt liefern eine lockere Plauderrunde ab, die keinem roten Faden folgt und das ausgegebene Thema leider völlig verfehlt. Stattdessen wird Gysi zu seinen Eltern und Vorfahren befragt, wird auf hinlänglich Bekanntes aus seiner Autobiographie Bezug genommen und all das, was hätte spannend werden können, blieb leider auf der Strecke.
Gysi ist zwar ein sehr angenehmer und rhetorisch hervorragender Redner, dem ich gerne zuhöre, aber wo blieb die Analyse des Poltikbetriebs? Die hat Gregor Gysi nicht geliefert. Stattdessen wurden Anekdoten und Erinnerungen aus seinem früheren Politikerleben erzählt. Das ist oft witzig und erheiternd – aber dafür war ich nicht gekommen.
Wäre die Veranstaltung ein Aufsatz, dann würde ich Gregor Gysi so bewerten: „Thema verfehlt – Note 6“.
Gregor Gysi Was Politiker nicht sagen ECON Verlag 2022 ISBN 978-3-430-21043-0 272 Seiten
Wer Frankreich und die Provence, leichte und unterhaltsame Krimis mag, der ist bei Pierre Martin bestens aufgehoben. Wer sich hinter diesem Pseudonym verbirgt ist bislang noch ein unentdecktes Geheimnis.
Der Autor hat seit 2014 bisher 12 Bücher seiner „Madame le Commissaire“-Serie veröffentlicht. Mit insgesamt über einer Million verkaufter Exemplare erreichen sie regelmäßig Top-Ten-Platzierungen auf der Spiegel-Bestseller-Liste. Daneben gibt es noch zwei Bücher aus der „Monsieur-le-Comte“-Reihe, mit einem Auftragsmörder wider Willen.
Die Madame le Commissaire-Reihe lebt von ihren Charakteren, deren Entwicklung sich im Lauf der Bücher gut verfolgen lässt. Neben der Kommissarin Isabelle Bonnet ist vor allem ihr etwas chaotischer Assistent Jacobert Apollinaire Eustache zu nennen, der es u.a. mit seinen wild wechselnden Sockenfarben und einer lebensrettenden Tat schnell in das Herz der Kommissarin geschafft hat. Wiederkehrende Figuren sind ein weiterer Reiz der Krimis von Pierre Martin, obgleich sich der Autor nicht scheut, auch einmal einen bekannten Charakter zu „verabschieden“.
Die Serie ist leichte und unterhaltsame Lektüre für Krimifans der sanften Töne, dabei aber flott und gut geschrieben. Sie erschließt sich am besten, wenn sie in der richtigen Reihenfolge gelesen wird, da die einzelnen Fälle zum Teil aufeinander aufbauen.