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Kategorie: Literatur

Wahrheit ist nicht seins – ein Milliardär übernimmt die Staatsführung der USA

Nun ist es also soweit. Ein Milliardär übernimmt am 20. Januar 2017 zusammen mit politischen Hardlinern aus einem Militaristen- und Manager-Clan die amerikanischen Staatsgeschäfte. Ein Mann, dessen Sprachniveau dem eines Viertklässlers entspricht und dem politisch korrekt zu sein, zu viel Zeit kostet; „ein Dummschwätzer, für den die Wahrheit mehr oder weniger unerheblich ist“ (Aaron James, Assholes. Zum Beispiel Donald Trump, München 2016, S. 85). Bravo, Amerika!

Ein Mann wird Präsident der USA, für den Wissenschaft nicht zählt, der vor populistischen und rassistischen Äußerungen nicht zurückschreckt und dessen öffentlich gemachte Aussagen zu überwiegenden Teilen falsch sind. Ein Mann, der offenkundig Folter zu einem Mittel seiner Politik machen will, in dem er Waterboarding zurückbringen und noch weit Schlimmeres machen würde:

Folter funktioniert, okay, Leute? Glaubt mir, es funktioniert. Waterboarding ist nur der Anfang. Manche denken, das sei keine richtige Form der Folter. Aber nehmen wir mal an, es wäre eine und ich werde gefragt: Was halten Sie von Waterboarding? Ich finde es total in Ordnung. Aber wir sollten noch viel härter werden als Waterboarding, wenn es nach mir geht.»
“TORTURE WORKS, OKAY FOLKS? BELIEVE ME, IT WORKS. WATERBOARDING IS YOUR MINOR FORM. SOME PEOPLE SAY IT’S NOT ACTUALLY TORTURE. LET’S ASSUME IT IS. BUT THEY ASKED ME THE QUESTION. WHAT DO YOU THINK OF WATERBOARDING? ABSOLUTELY FINE. BUT WE SHOULD GO MUCH STRONGER THAN WATERBOARDING. THAT’S THE WAY I FEEL.”
CBS News, Bluffton, South Carolina, Februar 2016

Dieser Mann soll Präsident einer Supermacht werden, der nicht zögert, seine Anhänger zur Gewalt aufzurufen?

«Wenn ihr jemanden seht, der eine Tomate werfen will, seid so nett und prügelt auf ihn ein. Ich verspreche, dass ich die Anwaltskosten übernehme.» 1
“IF YOU SEE SOMEBODY GETTING READY TO THROW A TOMATO, KNOCK THE CRAP OUT OF HIM, WOULD YOU? I PROMISE YOU I WILL PAY FOR THE LEGAL FEES.”
Las Vegas, Nevada, Februar 2016

Ein Mann, der das Internet ständig für seine geistig dünnen Ergüsse nutzt, will dieses in einigen Bereichen beschneiden.

«Wir müssen mit Bill Gates reden und vielen verschiedenen Leuten, die eine Ahnung davon haben, was passiert. Wir müssen mit ihnen besprechen, wie wir das Internet schließen können in einigen Bereichen. Dann sagt wieder jemand: ‹Oh, Meinungsfreiheit, Meinungsfreiheit.› Das sind Hohlköpfe. Es gibt hier viele Hohlköpfe.»
“WE HAVE TO GO SEE BILL GATES AND A LOT OF DIFFERENT PEOPLE THAT REALLY UNDERSTAND WHAT’S HAPPENING. WE HAVE TO TALK TO THEM, MAYBE IN CERTAIN AREAS, CLOSING THAT INTERNET UP IN SOME WAY. SOMEBODY WILL SAY, ‘OH, FREEDOM OF SPEECH, FREEDOM OF SPEECH.’ THESE ARE FOOLISH PEOPLE. WE HAVE A LOT OF FOOLISH PEOPLE.”
Mount Pleasant, South Carolina, Dezember 2015

Trotz seiner vielen falschen Statements – mit der folgenden Aussage könnte er aber leider Recht behalten:

«Ich könnte in der Mitte der 5th Avenue stehen und jemanden erschießen, und ich würde keine Stimmen verlieren.»
“I COULD STAND IN THE MIDDLE OF 5TH AVENUE AND SHOOT SOMEBODY AND I WOULDN’T LOSE VOTERS.”
Sioux Center, Iowa, Januar 2016

Wir haben einen amerikanischen Präsidenten zu erwarten, der sich für unwiderstehlich hält, dem Fehler völlig fremd sind. So einer muss sich auch für falsche oder beleidigende Äußerungen gegenüber mexikanischen Immigranten und Muslimen nicht entschuldigen.

«Ich finde es großartig, wenn man sich entschuldigt, aber dafür muss man einen Fehler gemacht haben. Ich werde mich natürlich sofort entschuldigen, sollte ich irgendwann in ferner Zukunft jemals einen Fehler machen.»
“I THINK APOLOGIZING’S A GREAT THING, BUT YOU HAVE TO BE WRONG. I WILL ABSOLUTELY APOLOGIZE, SOMETIME IN THE HOPEFULLY DISTANT FUTURE, IF I’M EVER WRONG.”
The Tonight Show, September 2015

Den größten Fehler aber, den hat der überwiegende Teil des amerikanischen Wahlvolks gemacht und damit der westlichen Demokratie einen Bock als Gärtner beschert.

«Wir haben bei den Ungebildeten gewonnen. Ich liebe ungebildete Menschen.»
“We won with poorly educated. I love the poorly educated.”
Las Vegas, Nevada, Februar 2016

Doch nicht nur ungebildete Menschen haben ihn gewählt. „Mr. Trumps Getue, seine Grobheit, seine Pöbelei, seine simplifizierenden Beschreibungen internationaler Fragen, sein Verhalten – ja, wir sehen das alles. Und doch haben wir uns entschlossen, für ihn zu stimmen.“ [Mr. Trump’s posturing, his crassness, his rudeness, his simplistic descriptions of international issues, his demeanor — we see it all. And yet we have decided to vote for him.]

Mit dieser Wahl wird ein Mann Präsident, der auf dem Niveau eines Third Graders auch nicht davor Halt macht, sich mit dem Pulitzer- und Nobelpreisträger Hemingway zu vergleichen.

«Ich bin der Ernest Hemingway der 140 Zeichen.»
“I’m the Ernest Hemingway of 140 characters.”
Washington Times, November 2015

Eine Beleidigung für den großen amerikanischen Schriftsteller, der einmal zu bedenken gab:

Ein intelligenter Mann ist manchmal dazu gezwungen betrunken zu sein, um Zeit mit Idioten zu verbringen. (Hemingway)

Bei dem Präsidenten und seiner Politik steht zu befürchten, dass wir in Zukunft oft betrunken sein werden…


Die angeführten Zitate stammen (wenn nichts anderes angegeben) aus:
Moritz Piehler (Hg.): «Weil ich einfach sehr gut aussehe.» Erschreckend wahre Worte von Donald J. Trump,
Reinbek bei Hamburg, Juli 2016

Shoppen ist der Lieblingssport vieler Frauen..

..meint Anne van Amstel:

„Die These, nach der Frauen gerne shoppen und Männer dann die Krise kriegen, ist nicht nur ausgelutscht, sondern auch Grundlage zahlreicher Ungenauigkeiten, und so wird es Zeit, mal einiges klarzustellen:

  1. Definition: Was heißt das überhaupt „Shopping“? Wer mit Frühstücksfleisch, Vollmilch und Brokkoli an der Supermarktkasse steht, ist jedenfalls nicht beim Shoppen, sondern erledigt nur seinen Wochenendeinkauf. Im engeren Sinne bezieht sich der Begriff „Shopping“ auf den weiblichen Aufenthalt in Kleider- und Schuhboutiquen sowie im Feinkosthandel. Nicht immer werden dabei auch wirklich Käufe getätigt.
  2. Vor- und Nachteile: Für Frauen gibt es nur Vorteile. Für den Mann gilt: Während seine Frau beim Shoppen ist, hat er seinen Frieden – das ist der Vorteil. Sein Kontostand geht jedoch den Bach runter – das ist der Nachteil.
  3. Hintergrund: Für eine Frau ist Shopping nicht einfach nur „Einkaufen gehen“, sondern heißt: sich etwas gönnen, sich treiben lassen, endlich an sich selbst denken, dem Abwasch entfliehen, an neuen Düften schnuppern (Parfümerie), in verschiedene Rollen schlüpfen (Umkleidekabine), träumen (Juwelier) und sparen (Discounter).
  4. Die Beerentheorie: Die Beerentheorie ist Quark. Sie besagt, dass Frauen nur deshalb so gern shoppen, weil sie in der Steinzeit den ganzen Tag beim Beerensammeln waren, bis ihr Körblein (Analogie: Handtasche) voll war. Die Sache ist nur: Frauen gehen heute ja nicht Marmelade, sondern Schuhe kaufen. Außerdem verbrachten sie die meiste Zeit in der Höhle. Warum also sollten eingefleischte Höhlenhockerinnen den ganzen Tag durch Einkaufsmeilen rennen? Und warum sollten Männer, die seit je auf Jäger programmiert sind, plötzlich nicht mehr vor die Haustüre wollen? Es lässt sich eben nicht alles mit Waldbeeren erklären. Manchmal ist auch die Emanzipation schuld. Die hat den Spieß umgedreht und so hütet das Männchen heute die Höhle, während sein Weibchen auf die (Schnäppchen)-Jagd geht.“

aus: Anne und Jan van Amstel, Frauen lieben Schokolade, Männer Wiener Schnitzel. Warum wir uns trotzdem verstehen (Neuausgabe 2012)

 

Walken..

.. ist von einer Randgruppen-Therapie zur Feld-, Wald-und Landplage geworden (Achilles)

Sie sind die Pest. Allein dieses Outfit – ein ästhetischer GAU. Aber es werden immer mehr. Sie sind überall. Der Wald wird zur Kampfzone. Auf ins Gefecht!


Man hört sie schon von Weitem am Schrappen ihrer Stöcke. Sie sind gefährlich, gemein und rücksichtslos. Sie werden immer bedrohlicher, ich verachte sie zutiefst: Walker. Wenn sie zu dritt nebeneinander auf dem Waldweg ihre albernen Aluminiumrohre finnischer Herkunft hinter sich herziehen, muss ich beim Überholen aufpassen, dass ich nicht über einen ihrer Prügel stolpere und mir alle Knochen breche.

Kommen sie mir entgegen, gucken sie so entschlossen und selbstgewiss durch ihre 200 Euro teure Oakley-Colorverglasung, dass mir angst und bange wird. Wir sind die Guten, die Gesunden, sagen ihre stolzen Blicke, wir strapazieren unsere Gelenke nicht, wir gehen sanft und rücksichtsvoll mit unserem Körper um, wir sind keine brachialen Brechmänner, die mit 40 Jahren immer noch so tun, als sprängen sie randvoll mit Testosteron über eine Bullenwiese.


aus: Achim Achilles, Das Walker-Hasser-Manifest, Heyne-Verlag (2007)

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