Das Album „Southern Return“ des Schweizers Dimitri Howald wird zwar unter dem Label Jazz geführt, es ist aber bei weitem kein reines Jazzalbum – also auch für diejenigen, die der Musikgattung sonst nichts abgewinnen können, ein Grund mal hineinzuhören. Es lohnt sich!
Sein drittes Soloalbum „Southern Return“ kombiniert zeitgenössische Jazzmelodien und -harmonien mit Drum-Machine, sparsam eingesetzten Synthiesounds und Einsprengseln brasilianischer Musik.
Bis auf Sebastian Lötschers Violine im Stück „Serafin“ hat Howald alle anderen Instrumente im Alleingang eingespielt. Die Stücke haben alle eine gewisse Leichtigkeit, sind manchmal melancholisch und einschmeichelnd charmant. Im Vordergrund steht dabei Howalds Gitarrenspiel, überwiegend akustisch, aber auch mal fast rockig, wie im eingängigen „16-8“. Mit „Southern Return“ ist Howald ein sehr abwechslungsreiches Album gelungen, dass auch klanglich eine Empfehlung wert ist.
„Wir waren die beste und schlechteste Band. Wir starben, aber wir starben mit Stil.“ – Speedy Keen (Thunderclap Newman)
Thunderclap Newman verblüfften die Musikwelt im Sommer 1969 mit dem Erfolg ihrer wunderbaren Debütsingle „Something In The Air“, die keinen Geringeren als die Beatles von der Spitze der Charts verdrängte. Es folgte eine LP „Hollywood Dream„, die Nik Cohn als „eines der besten und bizarrsten Alben dieser Zeit“ bezeichnete, bevor sie sich nur wenige Monate nach der Veröffentlichung auflösten.
Thunderclap Newman waren eine der unwahrscheinlichsten Combos in der Geschichte der populären Musik mit vier ungleichen Charakteren, die ihren Kern bildeten: Pete Townshend, Songschreiber und Gitarrist von The Who, der die Fäden im Hintergrund zog; sein bester Freund und Fahrer, der Sänger/Songschreiber/Drummer John ‚Speedy‘ Keen; ein fünfzehnjähriges Gitarristenwunderkind namens Jimmy McCulloch (später bei Paul McCartney & Wings); und schließlich ein Telefontechniker, der zufällig auch ein brillanter improvisierender Jazzpianist war: Andy ‚Thunderclap‘ Newman.
Bis dahin hatte Townshend geplant, an Projekten für jeden der Musiker zu arbeiten, aber Kit Lambert (Produzent und Manager von The Who) drängte Townshend, der gerade an der Rockoper Tommy arbeitete, dazu, Zeit zu sparen und die drei Musiker zu einem gemeinsamen Projekt zu vereinen, das dann zu Thunderclap Newman wurde.
Die Single „Something in the Air“, das Keen geschrieben hatte, stand drei Wochen lang auf Platz eins der britischen Singles-Charts und löste damit ‚Ballad of John and Yoko‘ von den Beatles ab und verdrängte Elvis Presley. Ursprünglich trug der Song den Titel „Revolution“, wurde aber später umbenannt, weil die Beatles bereits 1968 einen Song dieses Namens veröffentlicht hatten, die B-Seite von „Hey Jude“. Im Dezember 1969 wurde die Single mit einer goldenen Schallplatte ausgezeichnet, da sie weltweit mehr als eine Million Mal verkauft wurde.
Thunderclap Newman hatte eigentlich keine Live-Auftritte geplant, aber die Band lenkte ein, als „Something in the Air“ zu ihrer gemeinsamen Überraschung ein Chart-Erfolg wurde. Das Trio, das durch Jim Pitman-Avery (Bass) und McCullochs älteren Bruder Jack (drums) verstärkt wurde, unternahm von Juli 1969 bis August 1969 eine 26-tägige Tournee durch England und Schottland, um Deep Purple zu supporten. Am 8. August gaben Pitman-Avery und McCulloch ihre Absicht bekannt, die Band zu verlassen.
Im Oktober 1970 veröffentlichte Thunderclap Newman das von der Kritik hochgelobte Album Hollywood Dream, das von Townshend produziert wurde und auf Platz 163 der Billboard 200 landete. Von Januar 1971 bis April 1971 gingen sie mit neuen Begleitmusikern ein weiteres Mal mit Deep Purple auf eine 19-tägige Tournee durch England und Schottland.
Die Mitglieder der Band hatten wenig gemeinsam. In einem Interview im New Musical Express von 1972 sagte Andy Newman, dass er zwar mit Keens Musik, nicht aber mit Keen persönlich zurechtkam, während bei McCulloch genau das Gegenteil der Fall war.
Thunderclap Newman löste sich im April 1971 auf, wenige Tage bevor sie eine Tournee durch Schottland beginnen und Wochen bevor sie Teil einer Tournee mit Marsha Hunt während der 12-wöchigen US-Tournee von The Who sein sollten.
Wer den Konzertfilm Baby Snakes von Frank Zappa gesehen hat, dem sind vor allem die verrückten Knetmännchen von Bruce Bickford in Erinnerung geblieben. Es gibt auch einen ausgezeichneten Dokumentarfilm über den Künstler, „Monster Road“ von Brett Ingram, der die wilden, fantastischen Welten des legendären Animationsfilmers erkundet.
Hier eine Reihe von Auszügen aus Bickfords riesigem Werk. Die Komplexität ist wirklich atemberaubend und macht verdammt viel Spaß!
Patto war eine 1970 in England gegründete progressive Jazz-Rock-Band, die von dem Sänger Mike Patto mit einer von Timebox übernommenen Besetzung bestehend aus dem Sänger Patto, dem Schlagzeuger John Halsey, dem Gitarristen und Vibraphonisten Ollie Halsall und dem Bassisten Clive Griffiths gegründet wurde.
Dies ist ein vergessener Klassiker des progressiven Jazz-Rocks von den großen britischen Jazz-Rockern Patto. Die Band entstand aus der Asche von Timebox und wurde nach dem wilden Mann des britischen Rock, dem verstorbenen Mike Patto, benannt (geboren als Michael Thomas McCarthy am 22. September 1942 in Cirencester, Gloucestershire; gestorben am 4. März 1979 an lymphatischer Leukämie). Patto hatte das Glück, bei Vertigo, dem Label vieler Progressive-Rock-Klassiker, unter Vertrag genommen zu werden, und ging mit Muff Winwood als Produzent ins Studio. Winwood hatte 1967 die Spencer Davis Group verlassen, um eine Stelle als A&R-Chef bei Chris Blackwells Island Records anzutreten.
Winwood beschloss, „Patto“ mit einem „Live-in-the-Studio“-Gefühl aufzunehmen. „Patto“ wurde im November 1970 veröffentlicht, und es ist ein brillantes Album. Das Album ist bemerkenswert, nicht nur wegen der außergewöhnlichen Gitarrenarbeit von Ollie Halsall, der sowohl auf der E-Gitarre als auch auf dem Vibraphon zu erstaunlichen, vom Jazz inspirierten Läufen und unvorstellbaren Verzerrungsspitzen fähig war, sondern auch wegen des gekonnten Umgangs der Band mit komplexen Taktarten und Jazzwechseln.
Mike Patto selbst war ein großartiger Sänger, der sowohl mit sanften Balladen als auch mit schreiendem Rock’n’Roll zurechtkam und auch den Mittelweg fand. Das Album wurde sowohl von der Musikpresse als auch von Musikerkollegen hoch gelobt. Aber dieses großartige Album war ein kommerzieller Misserfolg und verkaufte sich angeblich nur etwa 5.000 Mal. Das mag unglaublich klingen, war aber in den frühen siebziger Jahren nicht ungewöhnlich, da es so viele großartige Bands gab und die Konkurrenz groß war.
Da habe ich Silvester mal wieder vor der Glotze gesessen und mir einige Konzerte aus der jährlichen Reihe der „Pop Around the Clock“ Gigs angeschaut. Naja, da waren die fast üblichen, Quote bringenden „Verdächtigen“ dabei, wie die Stones, AC-DC oder auch Knödel-Herbert und Billy Joel – die muss ich nicht (immer) haben. Und dachte mir, da kannste doch mal bei jemanden reinschauen, den du nicht in deinem „Repertoire“ hast – und det war dann der Hübner Thomas aus Erfurt – besser bekannt als Clueso. Den hatte ich mal vor vielen Jahren gehört und konnte seinem Rap, wie dem vieler anderer, nix abgewinnen.
Nun waren einige Jährchen vergangen, immerhin hat auch der Udo mit ihm gesungen – also mal für ein paar Songs reinschauen. Tja und dann ist es das gesamte Konzert geworden. Und ich muss sagen, ein verdammt sympathischer, geerdet wirkender Typ, dem ich die Ergriffenheit und Überraschung ob der schon zu Beginn gezeigten standing ovations des Berliner Waldbühnenpublikums voll abnehme. Wie seine Augen zum Konzertbeginn glänzen und strahlen, das kann man nicht spielen – er war voll gerührt vom Publikum. Und dann seine Band: erste Sahne! Vor allem die Arrangements der Bläsergruppe machen so einige Songs zum Ereignis.
Und Clueso ist ein Bühnenmensch, der sehr nahbar rüberkommt und weiß, sein Publikum anzupieksen, um die Stimmung zu halten. Ich kannte keinen einzigen Song von ihm, aber was da live gespielt wurde, war größtenteils textlich wie musikalisch sehr ansprechend. Rührend auch, wie er auf einen Jungen einging, der ein Plakat mit den Worten „Mein erstes Konzert“ hochhielt.
Insgesamt ein sehr überzeugender Auftritt, mit einem tollen, sehr gemischten Publikum, vor der immer wieder imposanten Kulisse der Berliner Waldbühne an einem herrlichen Sommerabend samt Feuerwerk zum Abschluss, über das sich Clueso total freuen konnte.
Clueso hat mit diesem Konzert einen starken Eindruck bei mir hinterlassen und meine Erwartungen weit übertroffen – und das will was heißen!
Wer das Konzert nicht gesehen hat, kann diesesnoch per Youtube nachholen und sich einen Eindruck verschaffen.