
So lautet der Titel einer Gedichtsammlung des französischen Lyrikers Paul Éluard, die 1926 erschienen ist. Seine Gedichte sind geprägt von surrealistischen Bildern, Emotionen und Reflexionen über Liebe und Leiden. Éluard kombiniert persönliche Erfahrungen mit gesellschaftlicher und politischer Kritik.
100 Jahre später veröffentlicht der in den 80er Jahren in Berlin zugereiste Hesse Ottmar Seum unter dem bescheuerten Künstlernamen Otto von Bismarck (genau: der Sozialistenhasser) sein zweites Album mit gleichem Titel wie der Gedichtband von Paul Éluard.
Otto von Bismarck durchstreift Berlin als teilnehmender Beobachter. Er ist kein Tourist, er ist Teil der Stadt. Wenn er durch die Straßen zieht, ob zu Fuß mit dem Rad oder der Bahn, saugt er die Geschichten rund um sich auf wie ein Schwamm.
Sobald ich ’n paar Schritte gehe, sobald ich ’n bisschen mit dem Fahrrad losfahre, in der Bahn sitze, sofort sprudelt die Quelle, ja, sofort kommen die Ideen und so weiter. Dann ist nur das Problem, wie kann ich die festhalten? Deshalb sieht man mich oft in der Stadt, wie ich die ganze Zeit irgendwelche Sätze vor mich hin murmele oder rufe oder singe, damit ich sie nicht vergesse.
Nach seiner Zeit mit der Band Space Cowboys begann er schließlich seinen Blick auf die Stadt auch in Solostücken festzuhalten. Die neue Platte enthält nicht nur aktuelle Stücke. So ist der Song, „Bis wir uns wiedersehen“ bereits fünfzehn Jahre alt. Vor zehn Jahren hat Otto von Bismarck ihn zum ersten Mal mit Freunden aufgenommen. Erst jetzt hat er ihn auf seinem zweiten Soloalbum „Hauptstadt der Schmerzen“ veröffentlicht.
Die Texte stellen gewissermaßen eine Berlin-Chronik aus Sicht eines Flaneurs dar, der sich selbst nicht ausschließt, der aber teilweise das Gesehene zu überspitzten Anekdoten zusammenfasst.
Das kann noch so stark auf mich gewirkt haben und stattgefunden haben. In dem Moment, wo ich irgendwie anfange zu formulieren oder gar zu reimen, ist es schon Fiction. Weil die Wirklichkeit kriegst du nicht zu fassen.
Die nach Pisse stinkende Schönleinstraße an der Grenze zwischen Kreuzberg und Neukölln, keine besonderen Vorkommnisse im Wedding, Party, Schlägereien, die BVG, die geliebte Eckkneipe, Sommer im Grunewald – all das sind Themen in seinen Liedern, die teils im Sprechgesang daherkommen.
Es ist zwar kein politisches Statement, wie es Paul Éluard in seinem Werk abgegeben hat, ein interessantes Album ist es aber allemal.
Zitate stammen aus einem Beitrag in radioeins.