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Beiträge zur Musik und mein Senf zu anderen Dingen

Sage nein!

Bereits über 30 Jahre alt ist dieses Lied von Konstantin Wecker. Und leider immer noch aktuell.

Sein Text weist Parallelen zu Wolfgang Borcherts Dann gibt es nur eins! auf. Auch dort werden verschiedene Personen angesprochen mit der konkreten Aufforderung, kriegsfördernde Handlungen zu unterlassen. Konstantin Wecker variiert den Text bei Auftritten und Aufnahmen. So passt er auch den Inhalt immer wieder aktuellen Entwicklungen an.

Original Songtext:

Wenn sie jetzt ganz unverhohlen
wieder Nazi-Lieder johlen,
über Juden Witze machen,
über Menschenrechte lachen,
wenn sie dann in lauten Tönen
saufend ihrer Dummheit frönen,
denn am Deutschen hinterm Tresen
muß nun mal die Welt genesen,
dann steh auf und misch dich ein:
Sage nein!

Meistens rückt dann ein Herr Wichtig
die Geschichte wieder richtig,
faselt von der Auschwitzlüge,
leider kennt man´s zur Genüge –
mach dich stark und misch dich ein,
zeig es diesem dummen Schwein:
Sage nein!

Ob als Penner oder Sänger,
Bänker oder Müßiggänger,
ob als Priester oder Lehrer,
Hausfrau oder Straßenkehrer,
ob du sechs bist oder hundert,
sei nicht nur erschreckt, verwundert,
tobe, zürne, misch dich ein:
Sage nein!

Und wenn aufgeblasne Herren
dir galant den Weg versperren,
ihre Blicke unter Lallen
nur in deinen Ausschnitt fallen,
wenn sie prahlen von der Alten,
die sie sich zu Hause halten,
denn das Weib ist nur was wert
wie dereinst – an Heim und Herd,
tritt nicht ein in den Verein:
Sage nein!

Und wenn sie in deiner Schule
plötzlich lästern über Schwule,
schwarze Kinder spüren lassen,
wie sie andre Rassen hassen,
Lehrer, anstatt auszusterben,
Deutschland wieder braun verfärben,
hab dann keine Angst zu schrein:
Sage nein!

Ob als Penner oder Sänger,
Bänker oder Müßiggänger,
ob als Priester oder Lehrer,
Hausfrau oder Straßenkehrer,
ob du sechs bist oder hundert,
sei nicht nur erschreckt, verwundert,
tobe, zürne, misch dich ein:
Sage nein!

Ob als Penner oder Sänger…

Sag nein!
Sag nein!
Sag nein!

Refrain 2020:

Ob als Cellistin oder Sänger
als Sozialhilfeempfänger
ob als Dragqueen, Ärztin, Lehrer
Hausmann oder Straßenkehrer,
ob du sechs bist oder hundert,
sei nicht nur erschreckt, verwundert,
tobe, zürne, misch dich ein:
Sage nein!

Ob Psychologin oder Sänger
ob Sozialhilfeempfänger
ob als Dragqueen, Ärztin, Lehrer
Hausmann oder Straßenkehrer,
ob du sechs bist oder hundert,
sei nicht nur erschreckt, verwundert,
tobe, zürne, misch dich ein:
Sage nein!

(Textmitarbeit: Sarah Straub und Tamara Banez)

Hörtipp: Sound On Purpose – Voyage (2024)

Sound On Purpose ist ein Projekt des Musikers Frank Tischer aus dem hessischen Fulda. Dieser hat in der Vergangenheit bereits vorwiegend unter eigenem Namen Musik veröffentlicht, die vorwiegend dem Elektronik-Bereich zuzuordnen ist.

Seit einigen Jahren kooperiert Tischer auch mit mehreren anderen Projekten und Musikstilen, z.B. als Teil der Miller Anderson Band, genauso wie seine beiden Kollegen. Das Debütalbum von Sound On Purpose „Cosmic Tales“ erschien 2023, der Nachfolger „Voyage“ ein Jahr darauf.

Frank Tischer – Keyboard und Elektronik
Tommy Fischer – Schlagzeug
Klaus Marquardt – E-Geige

Tracks:

1 – SOP Overture
2 – Still is it not too late
3 – Miss Butterfly
4 – Orient Express
5 – Moonlanding: a) Opening b) Moonlanding
6 – Comet Song
7 – Panta Rhei
8 – Lugaus

Frank Zappa: Konzertfilm „Cheaper Than Cheep“ erscheint

In den frühen 70er Jahren war das Fernsehen ein wichtiges Instrument, um Musikkünstler in den Haushalten zu präsentieren. Frank Zappa, der mit seiner Lichtshow und seinem Bühnenaufbau auf Tournee war, versuchte, Videomaterial für seine eigene Fernsehproduktion aufzunehmen, um es den großen Sendern zu verkaufen. Genau wie bei den Roxy Performances, die Monate zuvor gedreht wurden, gab es technische Probleme, die letztendlich dazu führten, dass das Filmmaterial in den Tresorraum gelegt wurde und dort lagerte.

50 Jahre später, mit den Fortschritten bei den Postproduktionswerkzeugen, erscheint „Cheaper Than Cheep“. Dieses (neue) zweistündige Konzert enthält klassische Auftritte der Mothers-Besetzung von 1974, direkt von den neu restaurierten Original-Ton- und Videobandmastern aus dem Tresor.

Die offizielle Zappa-Veröffentlichung #130 erscheint mit 2CDs plus Blu-Ray, begleitet von einem ausführlichen Booklet mit seltenen, ungesehenen Bildern und Anmerkungen von Ruth Underwood und Joe Travers.

Songtitel:

CD1
1. Cheaper Than Cheep (0:31)
2. Cosmik Debris (9:22)
3. Band Introductions (1:33)
4. RDNZL (6:31)
5. Village Of The Sun (4:35)
6. Montana (6:29)
7. Duke Goes Out (3:53)
8. Inca Roads (10:04)
9. „Get Down Simmons“ (3:15)
10. Penguin In Bondage (6:45)
11. T’Mershi Duween (1:49)
12. The Dog Breath Variations (1:41)
13. Uncle Meat (2:19)

CD2
1. How Could I Be Such A Fool (4:02)
2. I’m Not Satisfied (2:17)
3. Wowie Zowie (2:27)
4. I Don’t Even Care (1:19)
5. Let’s Make The Water Turn Black (4:33)
6. Dupree’s Paradise Introduction (1:05)
7. Dupree’s Paradise (9:19)
8. Oh No (1:36)
9. Son Of Orange County (5:34)
10. More Trouble Every Day (11:02)
11. Apostrophe‘ (6:54)
12. Camarillo Brillo (5:53)

Lesetipp: Pierre Martin

Der erste Fall für Isabelle Bonnet

Wer Frankreich und die Provence, leichte und unterhaltsame Krimis mag, der ist bei Pierre Martin bestens aufgehoben. Wer sich hinter diesem Pseudonym verbirgt ist bislang noch ein unentdecktes Geheimnis.

Der Autor hat seit 2014 bisher 12 Bücher seiner „Madame le Commissaire“-Serie veröffentlicht. Mit insgesamt über einer Million verkaufter Exemplare erreichen sie regelmäßig Top-Ten-Platzierungen auf der Spiegel-Bestseller-Liste. Daneben gibt es noch zwei Bücher aus der „Monsieur-le-Comte“-Reihe, mit einem Auftragsmörder wider Willen.

Die Madame le Commissaire-Reihe lebt von ihren Charakteren, deren Entwicklung sich im Lauf der Bücher gut verfolgen lässt. Neben der Kommissarin Isabelle Bonnet ist vor allem ihr etwas chaotischer Assistent Jacobert Apollinaire Eustache zu nennen, der es u.a. mit seinen wild wechselnden Sockenfarben und einer lebensrettenden Tat schnell in das Herz der Kommissarin geschafft hat. Wiederkehrende Figuren sind ein weiterer Reiz der Krimis von Pierre Martin, obgleich sich der Autor nicht scheut, auch einmal einen bekannten Charakter zu „verabschieden“.

Die Serie ist leichte und unterhaltsame Lektüre für Krimifans der sanften Töne, dabei aber flott und gut geschrieben. Sie erschließt sich am besten, wenn sie in der richtigen Reihenfolge gelesen wird, da die einzelnen Fälle zum Teil aufeinander aufbauen.

Zitat für die Ewigkeit

Buchtipp: Zappa und Jazz

Obwohl Frank Zappa vor mehr als 30 Jahren starb, gilt er nach wie vor als eine Ikone der Kultur des 20. Jahrhunderts.

1973 sagte er bekanntlich: „Jazz ist nicht tot… er riecht nur komisch“, und in seinem Buch „Zappa and Jazz“ wirft Geoff Wills einen Blick auf Zappas weithin angenommene Abneigung gegen das Jazz-Genre.

Die Musik von Frank Zappa enthielt eine breite, ja verwirrende Palette musikalischer und kultureller Einflüsse, darunter auch Jazz. Aber Zappa wurde oft zitiert, dass er diese Musik und ihre Interpreten ablehnt, obwohl es zahlreiche Beweise dafür gibt, dass viele der Musiker, die er beschäftigte, stark mit dem Jazz verbunden waren. Das hielt ihn nicht davon ab zu sagen: „Jazz ist nicht tot…..er riecht nur komisch“ und „Ich hatte nie etwas mit Jazz zu tun. Da ist keine Leidenschaft drin. Es ist ein Haufen Leute, die versuchen, cool zu sein, und die nach einer Bestätigung für eine intellektuelle Gemeinschaft suchen“. Und das unverblümte „Ich mag keinen Jazz“.

Warum also dieses Beharren auf dem Misstrauen gegenüber dem Jazz? Geoff Wills deutet in seiner detaillierten Betrachtung der Jazz-Aspekte von Zappas Musik an, dass die Wurzeln seiner Abneigung gegenüber vielen Dingen neben dem Jazz in seinen Erfahrungen in den 1940er und 1950er Jahren zu suchen sind. Zappa war immer so etwas wie ein Außenseiter. Als italienisch-amerikanischer Schüler wurde er von seinen Mitschülern angefeindet, weil Italien während des Zweiten Weltkriegs ein Feind war. Und Wills weist darauf hin, dass Jazz nicht das einzige war, was Zappa zu stören schien. Er hegte eine Abneigung gegen Schulen, Lehrer, Politiker, Musiker und Menschen im Allgemeinen.

Wills ist der Meinung, dass Zappa, als er behauptete, Jazz nicht zu mögen, in Wirklichkeit seinen Gefühlen über das Jazz-Establishment und den Snobismus Ausdruck verlieh, den viele Jazz-Fans oft an den Tag legten, wenn sie anderen Formen der populären Musik begegneten. Wie sehr Zappa trotz aller gegenteiligen Behauptungen vom Jazz beeinflusst war und Musiker mit tadellosen Jazz-Qualitäten beschäftigte, lässt sich natürlich am besten anhand der vielen Platten, die er aufgenommen hat, nachweisen.

Wills stößt dabei auf einige sehr interessante Fakten. Frank Zappas Musik hat eine einzigartige und leicht wiedererkennbare Qualität, und sie synthetisiert auf brillante Weise ein breites Spektrum kultureller Einflüsse. Das Buch konzentriert sich auf den Einfluss des Jazz auf Zappa und versucht, die oft verwirrende Beziehung zwischen ihm und dem Jazz zu klären. Zappas frühe Jahre werden untersucht, von seinem ersten Ausflug in ein Aufnahmestudio bis zur Gründung und Entwicklung seiner Band „The Mothers of Invention“.

Es gibt ausführliche Kritiken der wichtigsten Jazz-Alben „Hot Rats“, King Kong, „The Grand Wazoo“ und „Waka/Jawaka“. Nebenbei analysiert Wills Zappas Musik und die weiteren Einflüsse, die für seine Einstellung nicht nur zum Jazz, sondern zur Gesellschaft im Allgemeinen entscheidend waren.

Das Buch schließt mit einer Diskussion über Zappas Ähnlichkeit mit orthodoxeren Jazzern, sein Vermächtnis und den Einfluss auf jazzbezogene Musik. Dieses Buch spricht alle Zappa-Fans an, die neue Einblicke in seine Musik suchen, sowie aufgeschlossene Jazz-Hörer und alle, die sich für den Schmelztiegel der Musik des 20. Jahrhunderts interessieren.

Geoff Wills, Zappa and Jazz: Did it really smell funny, Frank? Verlag Matador 2015 - ISBN 13: 9781784623913

Quellen: abebooks.de | Penniless Press On-Line

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