Beiträge zur Musik und mein Senf zu anderen Dingen

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Ist Walken Sport?

 

Walken ist kein Sport!

Mit Walking lässt sich kein signifikanter Gesundheitsnutzen erzielen. So lautet das Urteil eines Forscherteams der University of Alberta. Die Wissenschaftler verglichen ein 10 000-Schritt-Übungsprogramm mit einem moderaten Fitnesstraining.

128 Personen nahmen an dem sechsmonatigen Training teil. Am Ende stand fest: Das Fitnesslevel verbesserte sich in der zweiten Gruppe deutlich mehr. Die Sauerstoffaufnahme der Walker erhöhte sich in dieser Zeit nur um vier Prozent, bei den anderen Teilnehmern um zehn. Andere Gesundheitsindikatoren, wie Glukosewert und Blutfett, veränderten sich gar nicht.

Sanftes Training wie das Walken, bilanzierten die kanadischen Forscher, reiche nicht aus, um fit zu werden. Es könne allenfalls als Einstieg in die Welt des Sports dienen.

Aus: Achim Achilles, Das Walker-Hasser-Manifest. Warum muss ein ganzes Land am Stock gehen? Heyne Verlag 2007

Gesichts- und körperlose Wesen

In anderen Ländern zieht man Leute so an, um kleine Kinder zu erschrecken, im Königreich Frauen.“ Dreizehn Monate lang hat der deutsche Journalist Peter Boehm an saudischen Universitäten unterrichtet. Das ist sein Bericht. Er erzählt von Kindern, die Auto fahren dürfen, aber Frauen, die das nicht dürfen, von Luxus-Arbeitslosen und Frauen im Darth Vader-Kostüm, von Hausmädchen und ihren Horror-Geschichten, der eigentlichen Bedeutung des Gebets, von der saudischen Autogesellschaft und dem wahnwitzigen Bauboom. Aber vor allem zeichnet Peter Boehm das detailgetreue Porträt einer islamisch-fundamentalistischen Gesellschaft, die auf der Welt ihresgleichen sucht.

„Natürlich wäre es wegen der Geschlechtertrennung eigentlich am besten, wenn die Frauen das Haus nicht verließen, aber das geht wohl selbst im perfekten System nicht. Deshalb müssen sich die Frauen in der Öffentlichkeit unkenntlich machen. Sie werden gesichts- und körperlos, ja, im Grund sind sie nicht voll anwesend.

Außer Haus tragen alle saudischen Frauen die Abaya, eine tiefschwarze weite Robe, die vom Kopf bis zum Boden reicht; sowie den Niqab, einen schwarzen Gesichtsschleier, der nur einen sehr schmalen Schlitz um die Augen frei lässt.

In anderen Ländern zieht man Leute so an, um kleine Kinder zu erschrecken, im Königreich Frauen. Im Vergleich dazu wirken die hellblauen und rehbraunen Burkas der afghanischen Frauen kokett. Manche Frauen im Königreich tragen sogar schwarze Handschuhe und ein schwarzes, leicht transparentes Tuch vor den Augen. Die religiöse Polizei hat auch schon Frauen befohlen, den Augenschlitz zu bedecken, wenn sie „wandernde“, das heißt flirtende, Augen gesehen haben wollte.

Die schwarzen Roben sind ein beliebtes Gesprächsthema unter westlichen Expatriates. Jeder meiner Kollegen hatte so seine eigene Vorstellung, an was ihn die vermummten Frauen erinnerten. Mich mahnte die schwarze Silhouette der saudischen Frauen unheilvoll an die einer Vogelscheuche oder des Schnitter Tod; manche gar, die noch zusätzlich ein schwarzes Tuch über den Kopf nach hinten warfen und ihm so eine breite, trapezförmige Form gaben, an die von Darth Vader, den Erzschurken aus „Star Wars“.

Einer meiner Kollegen aus Neuseeland fühlte sich von den saudischen Frauen an Gespenster erinnert. „Sie schweben so dahin. Du siehst ja ihre Füße nicht. Und du hörst sie nie“, erzählte er mir schon nach seinen ersten paar Wochen im Königreich. Er hatte recht. Das ist auch mir aufgefallen. Wenn ich überhaupt Frauen sah, dann nur unter sich oder mit ihren Kindern verstohlen tuschelnd. Auf den Flughäfen wunderte ich mich manchmal, dass die Kinder nicht ihre Jedi-Mütter verloren.

Sie trotteten neben einem Vader her, aber wer konnte schon sicher sein, dass es der richtige Jedi war, sie sahen sich ja alle so ähnlich. Außerdem hörte ich nur selten Funkkontakt zwischen Kind und Vader. Wie die Kinder am Ende des Fluges noch mit dem richtigen Jedi nach Hause gingen, blieb mir zeitlebens ein Rätsel.“

aus: Peter Böhm, Im Königreich der Frommen (2013)

TAZ-Artikel von Peter Böhm

Buchkritik

Lernen und Vorurteile

Das Lernen am Modell durch Imitation der Älteren kann aber auch Nachteile haben, indem es durch Nachplappern ohne Reflexion zur Entstehung von Vorurteilen beiträgt. Auch das assoziative Lernen am Einzelfall–in der unreflektierten Abfolge von Reiz, Assoziation, Reaktion und Gedächtnis –kann schnell bleibende Akzente setzen und zur Quelle von Vorurteilen werden. Besonders anfällig in dieser Hinsicht sind kreationistische Erklärungsmuster der Welt in Kombination mit dem Gefühl der subjektiven Wahrheit, das in uns steckt.Aus einer solchen Mischung entstehen dann leicht die Weltbilder, auf deren Basis Ideologien, religiöser Extremismus und Ausgrenzungen in Erscheinung treten können.

Erwachsene glauben von sich oft, dass sie die Vorurteile ihrer Kindheit und Jugend überwunden haben. Bei näherer Betrachtung ist dies aber häufig ein Irrtum. Hier nur einige Beispiele für Vorurteile, die darauf hinauslaufen, dass Menschen verschiedener Herkunft sehr unterschiedlich sind: In Medizinerkreisen ist das Konzept des„Morbus sicilianus“ beliebt, das Südeuropäern (Prototyp: Sizilianer) eine histrionische Persönlichkeit mit erhöhter Schmerzempfindlichkeit bzw. extrovertierter Ausgestaltung des eigenen Leidens zuschreibt. „Preußen“ordnen Bayern einen vom eigenen  deutlich verschiedenen „nationalen Charakter“ zu. Südbadener sehen sich in scharfem Kontrast zu Schwaben, Berliner und Hamburger empfinden sich gegenseitig als sehr verschieden. Kölner und Düsseldorfer, Mainzer und Wiesbadener–häufig wird der Gruppenunterschied betont und nicht nur an Fastnacht oder Karneval gepflegt.

Die Frage, ob es solche Unterschiede in den„nationalen Charakteren“ tatsächlich gibt oder ob es sich dabei um klassische Vorurteile handelt, wurde in 49 verschiedenen Nationen und Kulturkreisen untersucht (Terracciano et al. 2005), und das Ergebnis war verblüffend: Der nationale Charakter in den weltweit untersuchten Nationenen lässt sich nicht mithilfe von Persönlichkeitszügen unterscheiden. Die Idee, dass sich die Persönlichkeit des Hamburgers von derjenigen des Berliners unterscheidet oder diejenige des Indonesiers von derjenigen des Polen, entbehrt jeglicher wissenschaftlicher Evidenz.

aus: Dieter F. Braus, EinBlick ins Gehirn. Eine andere Einführung in die Psychiatrie (2004)

Why do bubbles in Guinness sink?

Bierblasen steigen von unten nach oben. Nicht immer! Wenn ihr Liebhaber des Guiness Bieres seid, habt ihr das „Phänomen“ sicher schon mal gesehen.

Doch wie kommt das Verhalten zustande? Eine Forschergruppe (Eugene Benilov, William Lee und Cathal Cummins) hat dies nun untersucht und auf eine ungleichmäßige Form des Glases zurückgeführt.

Nachzulesen in ihrer Studie unter arvix.org

In this paper, we demonstrate using simulations and experiment that the flow in a glass of stout depends on the shape of the glass. If it narrows downwards (as the traditional stout glass, the pint, does), the flow is directed downwards near the wall and upwards in the interior and sinking bubbles will be observed. If the container widens downwards, the flow is opposite to that described above and only rising bubbles will be seen.

Ergänzend gibt es ein kurzes Video dazu.

Website besucht am 2017-01-03.

Lerntechnik

Der Lernforscher Glenn Wilson von der University of London ließ 2005 für eine Studie zwei Kandidatengruppen Konzentrationstests bearbeiten. Die eine Testgruppe bekam dabei ständig neue E-Mails auf den Bildschirm geschickt. Die andere Gruppe war bekifft, wurde aber nicht weiter gestört.

Ergebnis: Die Kandidaten, die vorher Marihuana geraucht hatten, schnitten deutlich besser ab als jene, die permanent von neu eintreffenden Nachrichten abgelenkt wurden. Die Leistung der mit Mails bombardierten Kandidaten sank um mindestens 10 IQ-Punkte.

Das soll kein Plädoyer fürs Kiffen sein, sondern heißen: Wer lernt, sollte sein E-Mail-Programm so lange abschalten. Und auch das Handy hat einen Aus-Knopf – so gerätst du nicht in Versuchung, dich von Anrufen, What’s App, Facebook und Co. ablenken zu lassen.

Quelle: www.e-fellows.net

Schimpansen haben es gut..

“ Denn ihnen bleibt erspart, worunter allein in Deutschland mehr als 1,3 Millionen Menschen – und im Jahr 2050 vermutlich sogar doppelt so viele – leiden: die Demenz. Sieht man von einigen hochbetagten Zooexemplaren ab, gibt es kaum einen Affen, der nicht mehr weiß, wo er seine Apfelsinen gehortet hat, oder der seinen Wohnort, seine Verwandten und am Ende auch sich selbst nicht mehr wiedererkennt. Schimpansen-Senioren sterben fast immer im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte, ihr Gehirn hat noch annähernd das gleiche Volumen wie zu der Zeit, als sie mitten im Leben standen und im Paarungsgeschehen mitmischten. Sie mögen zwar grantig, arthritisch, schwerhörig und fast blind sein, aber geistig sind sie voll da. Beneidenswert.

Bleibt die Frage, warum Schimpansen nicht dement werden. Denn sie sind uns zoologisch sehr ähnlich, und auch ihr Gehirn tickt in vielerlei Hinsicht wie unseres: Sie denken intensiv nach, wenn sie ein Problem lösen wollen; sie verstehen sich im Werkzeuggebrauch; und sie morden, lügen und betrügen, um sich persönliche Vorteile zu verschaffen. Am Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie entdeckte man, dass bei den beiden Primatenarten nirgendwo größere genetische Gemeinsamkeiten bestehen als unter der Schädeldecke: Nur acht Prozent der Gene in Schimpansengehirnen unterscheiden sich von den unseren (wohingegen beispielsweise in den Hoden ganze 32 Prozent unterschiedlich aktiv sind). Trotzdem bekommen nur wir Alzheimer und andere Demenzen, der Affe hingegen nicht. Warum?“

Die triviale Antwort fanden kürzlich US-amerikanische Anthropologen [Sherwood, Chet C. u. a., »Aging of the cerebral cortex differs between humans and chimpanzees«, Proceedings of the National Academy of Sciences, Juli 2011, doi: 10.1073/pnas. 1016709108]. Demnach haben die Affen einfach eine kürzere Lebenserwartung als wir – und das reicht als Demenzschutz offenbar völlig aus.

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