Beiträge zur Musik und mein Senf zu anderen Dingen

Kategorie: Allgemein Seite 27 von 30

Trump – ein Gewinn für die Milliardäre

Trumps Sieg hat die reichsten Menschen der Welt noch viel reicher gemacht. Nach der Wahl von Donald Trump sind die Reichen bereits dabei, ihr Vermögen zu vermehren.

Grafik von Ann Telnaes aus der Washington Post

Laut Bloombergs Milliardärs-Index sind die zehn reichsten Menschen der Welt am Mittwoch noch reicher geworden und haben an dem Tag, an dem Trump zum zweiten Mal die Präsidentschaft errungen hat, zusammen 64 Milliarden Dollar in ihre Kassen gespült. Das ist der größte Zuwachs an einem Tag, seit Bloomberg den Index im Jahr 2012 eingeführt hat.

Der Anstieg ist das Ergebnis eines erfolgreichen Börsentages, der von der Hoffnung getragen wurde, dass Trump Regulierungen abbauen und Steuern senken wird. Der reichste Mann der Welt, der Trump-Befürworter Elon Musk, konnte sein Nettovermögen um satte 26,5 Milliarden Dollar steigern, was auf einen starken Anstieg des Aktienkurses von Tesla zurückzuführen ist.
Hinter Musk stieg das Nettovermögen von Jeff Bezos um 7,14 Milliarden Dollar. Bezos beschloss bekanntermaßen, dass seine Zeitung, die Washington Post, bei dieser Wahl keine Unterstützung für den Präsidenten abgeben sollte, und er gratulierte Trump in einem X-Post kurz nach der Bekanntgabe von Trumps Sieg zu seinem „außergewöhnlichen politischen Comeback und entscheidenden Sieg“.

Die Republikanische Partei hat schon immer Wirtschaftsführer und Führungskräfte zu ihren wichtigsten Unterstützern gezählt, und das hat sich auch mit dem Aufstieg von Trump nicht geändert. Trump, der selbst in der Wirtschaft tätig ist, teilt deren Ziele, nämlich weniger Steuern und Vorschriften. Das bedeutet natürlich, dass diese Führungskräfte und ihre Unternehmen in einer neuen Trump-Administration die Chance auf höhere Gewinne sehen.

Viele dieser Plutokraten haben ihr Geld in Technologieunternehmen und im Silicon Valley verdient, wo Führungskräfte wie Musk sich für außergewöhnlich halten und in Trump jemanden sehen, der ihren Reichtum und Status schützen wird. Sie werden ihre Gewinne des vergangenen Tages als Beweis dafür sehen, dass sie die richtige Entscheidung getroffen haben, selbst wenn sie durch Trumps Agenda eine künftige Finanzkrise vorhersehen.

Trumps fehlerhafte Pläne zur Einführung von Zöllen versprechen auch, die Reichen noch reicher zu machen, obwohl die Preise für viele Waren und Dienstleistungen steigen werden. Wirtschaftliche Kennziffern zeigen jedoch, dass diese Zölle die Wirtschaft zerstören und die Inflation in die Höhe treiben würden. Während also viele Milliardäre heute auf ihre unmittelbaren Gewinne anstoßen, könnten sie morgen beklagen, was Trump getan hat. In der Vergangenheit haben Wirtschaftsführer, die einen faschistischen Autokraten unterstützt haben, immer wieder Rückschläge hinnehmen müssen.

Übersetzter Artikel von Hafiz Rashid vom 7. November 2024 aus: The New Republic

Spät entdeckt

Lloyd Cole ist ein englischer Sänger und Songschreiber, bekannt für seine Rolle als Leadsänger von Lloyd Cole and the Commotions von 1984 bis 1989 und für seine anschließenden Soloarbeiten. Hans-Joachim Roedelius ist eine legendäre Figur des Krautrock und der avantgardistischen elektronischen Musik. Er war Gründungsmitglied der bahnbrechenden Bands Cluster und Harmonia.

Wie merkwürdig, dass diese Zusammenarbeit erst so spät zustande kam und wie wunderbar, dass sie überhaupt zustande kam. Cole und Roedelius trafen sich nicht im Studio, sondern wählten eine zeitgemäße Form des Materialaustauschs, indem sie Dateien über den Äther schickten, die der andere ergänzen sollte.

Wie kam es zu ihrer Zusammenarbeit? Lloyd Cole veröffentlichte 2001 „Plastic Wood“, ein instrumentales, elektronisches Album, das für seine Verhältnisse sehr ungewöhnlich ist. Beim Hören von „Plastic Wood“ wird deutlich, dass das Cluster-Album „Sowieso“ (1976) zu Coles absoluten Lieblingsstücken gehört. Ein Freund von Cole, der auch Roedelius kannte, schickte diesem eine Kopie des Albums des Engländers. Roedelius gefiel es so gut, dass er sich sofort daran machte, die gesamte LP neu zu mischen, oder besser gesagt, er fügte den vorhandenen Stücken Overdubs hinzu – ohne zu fragen und ohne gefragt worden zu sein! Als Cole die Ergebnisse erhielt, war er nicht nur geschmeichelt, sondern auch sehr beeindruckt von den Roedelius-Remixen. „Plastic Wood“ war bereits veröffentlicht worden und Cole war der Meinung, dass das Projekt seinen Lauf genommen hatte, so dass die Roedelius-Remixe in den Archiven verschwanden. Dennoch reizte die Idee einer Zusammenarbeit die beiden, und sie schrieben sich von Zeit zu Zeit. Gut zehn Jahre später trafen sich die beiden schließlich persönlich, als Lloyd Cole auf Tournee in Wien weilte. Nun konnte es richtig losgehen.

Die ersten Ergebnisse ihrer Bemühungen, die 2013 veröffentlicht wurden, tragen den bescheidenen Titel „Selected Studies Vol. 1“. Studien sind streng genommen unvollständige Erkundungen der kompositorischen und klanglichen Möglichkeiten. Und doch offenbart dieses Album eine ausgereifte, sorgfältig komponierte Musik, als ob Cole und Roedelius schon seit Jahren zusammenarbeiten würden. Beide Künstler konzentrieren sich auf elektronische Klänge in einer Auswahl prägnanter, direkter Stücke, die frei von musikalischer Geschwätzigkeit sind. Cole singt weder, noch spielt er Gitarre, und Roedelius rührt selten die Tasten seines Flügels an. Stattdessen haben die beiden Musiker eine subtile Klanglandschaft entwickelt, die nur bei einem Stück, „Wandelbar“, in Richtung reines Geräusch abdriftet. Alle anderen „Studien“ des Albums bewegen sich in einem weiten Spektrum von harmonischen Wundern und rhythmischen Trittsteinen.

So paradox es auch klingen mag, „Selected Studies Vol. 1“ erinnert an die Musik von Claude Debussy, wenn ihm 120 Jahre früher elektronische Instrumente zur Verfügung gestanden hätten. Hochimpressionistische Bilder flimmern um den Hörer herum, luftig, transparent, zeitversunken, jedes ein eigenes Fenster zu einer hellen, aber geheimnisvollen Welt. Weit entfernt von Kitsch, Ambient- und Wohlfühlmusik, verlangt „Selected Studies Vol. 1“ ein aufmerksames Zuhören, um den ernsthaften künstlerischen Ausdruck dieser beiden Musiker/Komponisten voll zu würdigen. Dadurch erschließt sich die Schönheit und Tiefe des Albums.

Cole und Roedelius versuchen, der Tristesse der realen Welt phantastische klangliche Topographien entgegenzusetzen, die uns einladen, ein freundliches Labyrinth ständiger Überraschungen zu betreten, einen Ort, den man jederzeit wieder verlassen kann, ohne Angst zu haben, sich hoffnungslos zu verirren.

Quelle: Bureau B

Mediennutzung von Jugendlichen

Im Jahr 2022 lag die Anzahl der Jugendlichen in Deutschland im Alter zwischen 14 und 24 Jahren bei insgesamt 9,24 Millionen.  Von allen Medien nutzen Jugendliche das Handy bzw. das Smartphone am häufigsten. Laut einer Umfrage zur Mediennutzung von Jugendlichen in Deutschland gaben rund 93 Prozent der Befragten im Alter von 12 bis 19 Jahren an, ihr Smartphone täglich zu verwenden. Beim täglichen Medienkonsum folgen das Internet (88 Prozent) und das Musik hören (66 Prozent). Online-Videos schauen insgesamt 49 Prozent der Jugendlichen täglich. Digitale Spiele nutzen 36 Prozent der Befragten jeden Tag. Gedruckte Bücher lesen immerhin noch zwölf Prozent der Jugendlichen täglich, Tageszeitungen hingegen deutlich weniger.

Wie nutzen Jugendliche das Internet?

Die Internetnutzungsdauer von Jugendlichen lag 2022 bei 224 Minuten pro Tag. Im Jahr 2012 lag dieser Wert noch bei 131 Minuten. Als wichtigstes internetbasiertes Format zur Beschaffung von Informationen über das Weltgeschehen gilt YouTube, gefolgt von TikTok und Instagram. Unter den regelmäßig ausgeführten Aktivitäten im Internet mit dem Schwerpunkt Kommunikation liegt im Jahr 2022 die Nutzung des Messaging-Dienstes WhatsApp mit Abstand vorn (94 Prozent), gefolgt von den Online-Diensten Instagram (62 Prozent) und TikTok (59 Prozent).

Digitale Spiele auf dem Vormarsch – insbesondere bei Mädchen

Nach der täglichen Nutzungsdauer von Games befragt, gaben im Jahr 2023 laut dem Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (mpfs) rund 45 Prozent der Befragten an, täglich eine halbe bis zwei Stunden zu spielen. Der Anteil der Jugendlichen, die vier oder mehr Stunden spielten lag bei acht Prozent. Besonders bei den Jungen sind digitale Spiele sehr beliebt, der Anteil der spielenden Mädchen ist aber in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.

Wie steht es um Fernsehnutzung und Printmedien?

Die tägliche Sehdauer bei der Fernsehnutzung der 14- bis 29-Jährigen in Deutschland lag 2022 mit 50 Minuten unter dem Vorjahreswert.
Gleichzeitig ist der Anteil der Jugendlichen, die regelmäßig Tageszeitungen und Zeitschriften in Form von Printmedien nutzen, in den letzten Jahren zurückgegangen. Das regelmäßige Lesen von Büchern hat im Langzeitvergleich an Beliebtheit verloren, ist in den letzten Jahren jedoch auf einem relativ konstanten Niveau geblieben.

Quelle: de.statista.com

Zum Jahresbeginn… ein Gedicht:

Ein Nagel

Ein Nagel saß in einem Stück Holz.
Der war auf seine Gattin sehr stolz.
Die trug eine goldene Haube
Und war eine Messingschraube.

Sie war etwas locker und etwas verschraubt,
Sowohl in der Liebe, als auch überhaupt.
Sie liebte ein Häkchen und traf sich mit ihm
In einem Astloch. Sie wurden intim.

Kurz, eines Tages entfernten sie sich
und ließen den armen Nagel im Stich.
Der arme Nagel bog sich vor Schmerz.
Noch niemals hatte sein eisernes Herz

So bittere Leiden gekostet.
Bald war er beinah verrostet.
Da aber kehrte sein früheres Glück,
Die alte Schraube, wieder zurück.

Sie glänzte übers ganze Gesicht.
Ja, alte Liebe, die rostet nicht!

aus: Joachim Ringelnatz, Ich bin so knallvergnügt erwacht. Die besten Gedichte, marixverlag GmbH, Wiesbaden 2013

Bildquelle: www.ringelnatz.net

Buchtipp: Ali Hazelwood – Das irrationale Vorkommnis der Liebe

Ali Hazelwood hat eine nüchterne und zugleich witzige Art zu schreiben. Mit Frauenpower, etwas Humor und Wissenschaftlichkeit schreibt sie aus der Sicht der Protagonistin Bee, die es immer wieder schafft, sich Dinge einzureden, sie schlecht- oder auch zu zerreden. Ihre „Heldin“ ist Marie Curie, auf die immer wieder Bezug genommen wird.

Neben Bee ist es vor allem ihre wissenschaftliche Mitarbeiterin Rocio, die leicht makaber, aber umso cooler und auf ihre Art sehr erfrischend für die Geschichte ist. Auch der wissenschaftliche Bezug macht den Roman interessant, geht es unter anderem auch um Themen wie Frauen in MINT Fächern oder problematische Testverfahren, die zu absolvieren sind und die für viele nicht zugänglich sind, weil ihnen die finanziellen Mittel fehlen.

Alles in allem, macht es Spaß, das Buch zu lesen, es gibt humorvolle Dialoge und Begebenheiten, die einen immer wieder mal schmunzeln lassen.

»Übrigens kann man von Gürteltieren Lepra kriegen.« Ich reiße mich vom Flugzeugfenster los und werfe Rocío, meiner wissenschaftlichen Mitarbeiterin, einen skeptischen Blick zu. »Wirklich?« […]

»Würde ich dich je anlügen?« »Letzte Woche hast du mir erzählt, Stephen King würde ein Spin-off von Pu der Bär schreiben.« Und ich habe ihr geglaubt. Ebenso wie ich ihr auch geglaubt habe, dass Lady Gaga eine bekannte Satanistin ist oder dass Badmintonschläger aus menschlichen Knochen und Gedärmen hergestellt werden. Düstere Gothic-Misanthropie und grusliger, todernster Sarkasmus sind ihre Markenzeichen, und ich sollte inzwischen gelernt haben, ihre Behauptungen nicht ernst zu nehmen. […]

»Streichle ruhig die leprakranken Gürteltiere und stirb.« Sie hat so einen Knall. Ich liebe sie. […] Ich verkneife mir ein Lächeln und wende mich wieder zum Fenster. 1905 beschloss Dr. Curie, mithilfe ihres Nobelpreisgelds ihre erste wissenschaftliche Mitarbeiterin einzustellen. Ob sie wohl auch mit einem leicht furchterregenden, Cthulhu anbetenden Emo-Mädchen zusammengearbeitet hat? […]

Eigentlich bin ich kein sonderlich geheimnisvoller Mensch, hauptsächlich aus Faulheit: Es schiene mir Verschwendung kognitiver Energien, den Überblick über all die Lügen und Halbwahrheiten zu behalten. Doch es gibt ein einziges großes Geheimnis, das ich hüte. Eine Information, die ich nie mit jemandem geteilt habe – nicht einmal mit meiner Schwester.

Nur damit ich nicht falsch verstanden werde, ich würde Reike mein Leben anvertrauen, doch zugleich kenne ich sie gut genug, um mir die Szene genau vorstellen zu können: Sie trägt ein leichtes Sommerkleid und flirtet mit einem schottischen Schafhirten, den sie in einer Trattoria an der Amalfiküste kennengelernt hat. Die beiden beschließen, eben jene halluzinogenen Pilze zu nehmen, die sie bei einem belarussischen Bauern gekauft haben, und im Drogenrausch plaudert meine Schwester aus, was ich ihr streng verboten habe, jemals jemandem zu erzählen: Ihre Zwillingsschwester Bee hat einen der bekanntesten, kontroversesten akademischen Twitter-Accounts.

Dummerweise ist der Cousin des schottischen Hirten ein verkappter Aktivist für Männerrechte, der mir ein totes Opossum schickt, mich bei seinen durchgeknallten Freunden verpetzt, worauf ich gefeuert werde. Nein, danke. Dafür liebe ich meinen Job (und Opossums) zu sehr.

Aufbau Verlage 2022, 448 Seiten
ISBN-13: 9783841231024

Berlin besetzt

Hausbesetzungen in Berlin sind seit den 70er Jahren eng verknüpft mit den politischen und sozialen Bewegungen, Strömungen und Ereignissen einer Protest- und Widerstandskultur gegen herrschende Verhältnisse. Sie entstanden im Sog einer breiten 68er-Bewegung und wurden für viele zum Bezugspunkt ihres politischen Alltags und Selbstverständnisses.

Bild: https://berlin-besetzt.de/

Auf dem Höhepunkt der Bewegung waren 165 Häuser in Westberlin besetzt. Fast überall in der Stadt gab und gibt es besetzte Häuser oder zumindest Gebäude, die mal besetzt waren. „Insgesamt sind es 630“, sagt Toni Grabowsky, der Teil des Pappsatt-Medienkollektivs ist und es sich mit einigen Kolleg*innen zur Aufgabe gemacht hat, all diese Orte zusammenzutragen.

Quellen waren das Papiertiger-Archiv und das Umbruch-Bildarchiv, zwei Projekte, die 1980 begonnen hatten, Flugblätter und Zeitschriften beziehungsweise Fotos der Bewegung zu sammeln. Viele dieser Dokumente sind nun auf berlin-besetzt.de gelistet. Es entstand eine interaktive Karte mit vielen Infos sowie einer Chronik und der Geschichte zu den Besetzungen seit 1973. Eine beeindruckende Fleißarbeit !

Bei rund 200 Häusern wird davon ausgegangen, dass sie noch heute genutzt werden. Allerdings könne man da aber nicht sicher sein. Außerdem sei die Liste weder vollständig noch wissenschaftlich, da die Quellenlage zu dürftig sei.

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