Beiträge zur Musik und mein Senf zu anderen Dingen

Kategorie: Musik Seite 30 von 36

R.I.P – David Crosby

David Crosby tritt am 3. Juli 2019 beim Wohltätigkeitskonzert California Saga 2 in Los Angeles, Kalifornien, auf.
Photo by Glenn Francis of www.PacificProDigital.com

David Crosby, ein Gründungsmitglied von THE BYRDS und CROSBY, STILLS & NASH (später CROSBY, STILLS, NASH & YOUNG), ist am 19. Januar 2023 gestorben. Er wurde 81 Jahre alt.

In seiner beispiellosen sechs Jahrzehnte währenden Karriere hat der gebürtige Kalifornier Songs geschaffen, die für mehr als drei Generationen nachhallen – nicht nur als Solokünstler, sondern auch als Gründungsmitglied von THE BYRDS Mitte der 60er Jahre, CROSBY, STILLS & NASH (1969 mit dem Grammy für den besten neuen Künstler ausgezeichnet) und CROSBY, STILLS, NASH & YOUNG. Er hat mit Dutzenden von Künstlern zusammengearbeitet, darunter Joni Mitchell, James Taylor, David Gilmour von PINK FLOYD, Phil Collins, Elton John und Carole King.

Der Folk-Rock-Pionier, der 2009 in die prestigeträchtige Songwriters Hall Of Fame aufgenommen wurde, diente auch als unser soziales Gewissen, indem er in Songs wie Almost Cut My Hair“ und Wooden Ships“ nicht nur wortgewandt über gesellschaftliche Themen schrieb, sondern auch kontinuierlich Konzerterlöse an gleichgesinnte Organisationen spendete. Seine brillante Fähigkeit, den Geist unserer Zeit in seiner Musik einzufangen, sind ungebrochen.

Während seiner gesamten Karriere – von den Anfängen in der aufkeimenden Folkszene Kaliforniens in den frühen 1960er Jahren über seine überraschenden Ansichten zur Waffenkontrolle, seine Genesung von Drogenmissbrauch und einer sich verschlechternden Gesundheit bis hin zu seinem Einfluss auf eine ganze neue Generation von Folk-orientierten Singer/Songwritern – ist er eine Ikone der Gegenkultur, ein Verfechter sozialer Verantwortung und ein Dorn im Auge von Heuchlern aller Couleur geblieben.

Crosby spielte auf einigen der kulturell bedeutendsten Konzerte des Rock, darunter das Monterey Pop Festival, Woodstock und das Altamont Free Concert.

2019 drehte der Filmemacher Cameron Crowe einen Dokumentarfilm über Crosbys Leben und Musik mit dem Titel „David Crosby: Remember My Name“.

Quelle: blabbermouth.net (von mir übersetzte und gekürzte Fassung)

2000 enthüllte die Sängerin und Gitarristin Melissa Etheridge, dass David Crosby der Vater der beiden Kinder war, die sie mit ihrer damaligen Partnerin Julie Cypher hatte. Cypher trug die Kinder aus, die Crosby durch künstliche Befruchtung gezeugt hatte. Ein Sohn, Beckett, starb im Jahr 2020 an den Folgen seiner Drogensucht.

R.I.P. – Jeff Beck

Jeff Beck 2009
Foto: Mandy Hall

Mein erster Song, den ich von Jeff Beck hörte, war die Single „Hi Ho Silver Lining„, ein absoluter Ohrwurm. Mit „Beck’s Bolero“ und „Plynth“ wurde ich dann auf die Jeff Beck Group aufmerksam. Zu ihren Mitgliedern gehörten u.a. Nicky Hopkins, Ron Wood und Rod Stewart. Später tauchte der Stevie Wonder Song „Superstition“ als Coverversion von Beck, Bogart & Appice bei mir auf. Dann verlor ich Jeff Beck aus dem „Hörfeld“, da es für mich spannendere Musik gab.

Erst 2001 hörte ich mit der CD „You Had It Coming“ wieder von ihm. Hier bestimmten Loops und Samples seine Musik, die nichts mehr mit seinen Blues-Wurzeln zu tun hatte und ihn eher auf einen experimentellem Weg brachte. 2022 trat er nochmal mit Johnny Depp und der CD „18“ an, die für mich auch eher unscheinbar geblieben ist. Teilweise nett anzuhören, aber das hier einer der größten Rockgitarristen spielen soll? Seine Verdienste liegen für mich eher in der Vergangenheit.

Nach einer Tour mit Johnny Depp soll sich Beck mit einer bakteriellen Hirnhautentzündung infiziert haben, an der er jetzt mit 78 Jahren am 11. Januar 2023 gestorben ist.

Meine Alben 2022

Meine Lieblingsalben aus 2022 auszuwählen war nicht leicht. Am Ende ist das hier herausgekommen (Reihenfolge ist keine Wertung!):

Rock / Pop

  • Death Cab For Cutie – Asphalt Meadows
  • Umphrey’s McGee – Asking For A Friend
  • Fickle Friends – Are We Gonna Be Alright
  • Alvvays – Blue Rev
  • Eddie Vedder – Earthling
  • The Wombats – Fix Yourself, Not The World
  • The Belligerents – Another Way Of Living
  • Pale – The Night, The Dawn and What Remains
  • Guster – Going Up On The Sun (Reissue – Expanded Editon)
  • Planet – Information Overload
  • Thees Uhlmann & Band – 100 000 Songs – Live in Hamburg
  • Ezra Furman – All Of Us Flames

 

Blues

  • Eliza Neals – Badder To The Bone
  • Lauren Glick – Lush
  • Armin Sabol – Ready To Roll (Live at Gitarrenfestival Schorndorf)
  • Richard Bargel – Dead Slow Stampede
  • Bad Temper Joe – Glitter & Blues

 

Jazz

  • Friedrich Liechtenstein – Good Gastein
  • Helge Lien Trio – Revisited
  • Kjetil Mulelid Trio – Who Do You Love The Most
  • Glass Museum – Reflet
  • Julian & Roman Wasserfuhr – Mosaic

Die Überraschungs-CD des Jahres 2022

Sie kommt für mich vom mittlerweile 83jährigen Pianisten und Keyboarder Bob James.

„2080“ ist eine ungewöhnliche Zusammenarbeit zwischen Sam Franz, einem etwa 20-jährigen Produzenten und DJ, und Bob James, der als Crossover-Jazz-Keyboarder, Komponist, Produzent und Arrangeur bekannt ist und seit den 70er Jahren großes Ansehen in der Jazzszene genießt.

James‘ Interesse an Electronica reicht weit zurück, denn er war einer der Begründer des elektroakustischen Jazz in der Mitte der 60er Jahre. Und auch der elektronische Jazz ist ihm nicht fremd, er hat ihn bereits in den frühen 80er Jahren erforscht. Insofern ist „2080“ gewissermaßen eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. Vor ein paar Jahren hat James Hip-Hop-Elemente in „Submarine“ eingebaut, eine Neufassung seines Funk-Jazz-Klassikers „Nautilus„.

Wie bei „Submarine“ bleibt der Musikveteran auch bei „2080“ an den Tasten. Man merkt, dass es sich um einen versierten Pianisten/Keyboarder handelt, der seine Parts über Franz‘ programmiertes Material legt, wie z.B. die Piano-Wendung auf dem eingängigen „See Ya“ und das charakteristische Rhodes Piano auf „Atsuko’s Arcade„.

James und Franz vermeiden es, bei jedem Stück die gleiche Formel zu verwenden. In „Starless Vault of Heaven“ und „Brew This Again and Again“ wagen sich die beiden in avantgardistische Gefilde vor.

„2080“ ist eine sehr interessante und hörenswerte Mischung geworden.

R.I.P – Kim Simmonds

Kim Simmonds war und ist ein wichtiger Teil der britischen Bluesszene Mitte der 60er Jahre und trug maßgeblich zum britischen Bluesboom bei, der Amerika überrollte und die Karrieren vieler amerikanischer Blueskünstler wiederbelebte, die zuvor weitgehend übersehen worden waren.

Der 1947 in Newbridge, Caerphilly, Wales, geborene Kim Simmonds wurde Gründungsmitglied, Gitarrist und Songschreiber der Band Savoy Brown. Unter dem Namen The Savoy Brown Blues Band begannen sie ihre Karriere mit Auftritten im Nags Head in London.

In dieser frühen Phase spielten sie an der Seite von Cream im Klook Kleeks und traten auch ein paar Mal mit der Blueslegende John Lee Hooker auf, als dieser durch Großbritannien und Europa tourte. Nachdem sie bei Decca unterschrieben hatten, dauerte es bis 1969, bis Savoy Brown von einem breiteren Publikum wahrgenommen wurde. Nach personellen Veränderungen wurde der Rhythmusgitarrist Lonesome Dave Peverett neben dem Sänger Chris Youlden, der ein Monokel trug und einen Bowlerhut mit sich führte, in die Band aufgenommen.

Im selben Jahr veröffentlichte die Band zwei bahnbrechende Alben, „Blue Matter“ und „A Step Further“. Nach einer Tournee durch Amerika, bei der sie von Rod Stewart & The Faces unterstützt wurden, erschien die erste große Single, „I’m Tired“. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten wechselte die Band einige Male das Personal, blieb aber immer ihren Blues-Wurzeln treu.

Er starb am 13. Dezember 2022 im Alter von 75 Jahren an den Folgen einer Darmkrebserkankung.

Quellen:
Blues Matters
Wikipedia

DiKo’s Playlist der Woche

Guster – Dear Valentine | Ganging Up on the Sun (Deluxe Edition 2021)

Alvvays – After The Earthquake | Blue Rev (2022)

Pale – Wherever You Will Go | The Night, The Dawn and What Remains (2022)

Ray Davies & Billy Corgan – All Day And All Of The Night / Destroyer | See My Friends (2010)

Van Wolfen – Ich hab‘ Roy Black geseh’n | Wolfsmusik (2014)

Aynsley Lister – Everything I Need | Everything I Need (2006)

Helge Lien Trio – Grandfather’s Waltz | To The Little Radio (2006)

Jazzstudie 2022

Am 1. Dezember wurde die Jazzstudie 2022 im Rahmen einer digitalen Veranstaltung im Gespräch mit Politik und Presse vorgestellt. Die Studie gibt einen tiefen Einblick in die Arbeits- und Lebensrealitäten in der deutschen Jazzszene, die von einer überwiegend prekären Einkommenssituation und den existenzbedrohenden Auswirkungen der Coronapandemie stark gezeichnet ist.

Als deutlich erweiterte Anschlussstudie an die Jazzstudie 2016 zeichnet die Jazzstudie 2022 ein differenziertes Bild der aktuellen Lage. Einige leicht positive Entwicklungen gibt es etwa hinsichtlich der Einkommenssituation im unteren Bereich oder einer Zunahme des Anteils von Frauen unter den Befragten zu verzeichnen. Die seit 2016 erwirkten Verbesserungen bei spezifischen Förderinstrumenten zeigen Wirkung, und die staatlichen Coronahilfen konnten viele Jazzmusiker*innen vor dem wirtschaftlichen Aus bewahren.

Insgesamt hat sich die Einkommenssituation jedoch – in Relation zur Gesamtbevölkerung – weiter verschlechtert, und der Abstand zum Bundesdurchschnittseinkommen ist größer geworden. Die Einschränkungen während der Coronapandemie haben für einen drastischen Einbruch der Konzerttätigkeit gesorgt. Fehlende Betätigungsmöglichkeiten resultieren in Unzufriedenheit und verursachen mentale Belastungen, die sich negativ auf das persönliche Wohlbefinden auswirken. Viele Befragte haben Angst vor Altersarmut – und das nicht ohne Grund, denn der Durchschnitt der erwarteten monatlichen Bezüge im Rentenalter der überwiegend akademisch ausgebildeten Jazzmusiker*innen liegt unter der Hälfte des Bundesdurchschnitts.

Download der Jazzstudie 2022

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