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Beiträge zur Musik und mein Senf zu anderen Dingen

Shoppen ist der Lieblingssport vieler Frauen..

..meint Anne van Amstel:

„Die These, nach der Frauen gerne shoppen und Männer dann die Krise kriegen, ist nicht nur ausgelutscht, sondern auch Grundlage zahlreicher Ungenauigkeiten, und so wird es Zeit, mal einiges klarzustellen:


  1. Definition: Was heißt das überhaupt „Shopping“? Wer mit Frühstücksfleisch, Vollmilch und Brokkoli an der Supermarktkasse steht, ist jedenfalls nicht beim Shoppen, sondern erledigt nur seinen Wochenendeinkauf. Im engeren Sinne bezieht sich der Begriff „Shopping“ auf den weiblichen Aufenthalt in Kleider- und Schuhboutiquen sowie im Feinkosthandel. Nicht immer werden dabei auch wirklich Käufe getätigt.



  2. Vor- und Nachteile: Für Frauen gibt es nur Vorteile. Für den Mann gilt: Während seine Frau beim Shoppen ist, hat er seinen Frieden – das ist der Vorteil. Sein Kontostand geht jedoch den Bach runter – das ist der Nachteil.



  3. Hintergrund: Für eine Frau ist Shopping nicht einfach nur „Einkaufen gehen“, sondern heißt: sich etwas gönnen, sich treiben lassen, endlich an sich selbst denken, dem Abwasch entfliehen, an neuen Düften schnuppern (Parfümerie), in verschiedene Rollen schlüpfen (Umkleidekabine), träumen (Juwelier) und sparen (Discounter).



  4. Die Beerentheorie: Die Beerentheorie ist Quark. Sie besagt, dass Frauen nur deshalb so gern shoppen, weil sie in der Steinzeit den ganzen Tag beim Beerensammeln waren, bis ihr Körblein (Analogie: Handtasche) voll war. Die Sache ist nur: Frauen gehen heute ja nicht Marmelade, sondern Schuhe kaufen. Außerdem verbrachten sie die meiste Zeit in der Höhle. Warum also sollten eingefleischte Höhlenhockerinnen den ganzen Tag durch Einkaufsmeilen rennen? Und warum sollten Männer, die seit je auf Jäger programmiert sind, plötzlich nicht mehr vor die Haustüre wollen? Es lässt sich eben nicht alles mit Waldbeeren erklären. Manchmal ist auch die Emanzipation schuld. Die hat den Spieß umgedreht und so hütet das Männchen heute die Höhle, während sein Weibchen auf die (Schnäppchen)-Jagd geht.“


aus: Anne und Jan van Amstel, Frauen lieben Schokolade, Männer Wiener Schnitzel. Warum wir uns trotzdem verstehen (Neuausgabe 2012)

Sounds like London

„When the likes of Desmond Dekker, the Upsetters and the Pioneers were making it onto Top of the Pops, so too were the Temptations, the Supremes, Johnny Johnson and the Bandwagon, and Marvin Gaye. Then, once the 1970s rolled around, Shaft ushered in blaxploitation, James Brown’sSex Machine kick-started a funk revolution, and imported TV shows, building on the success of I Spy and Julia, stopped ignoring African-American actors. When it came to images of cool black people – most of whom weren’t Caribbean, let alone Jamaican – this generation of British youth were spoiled for choice. Visuals played a major role. The attitude in the Jamaican music industry that photography was an unnecessary expense meant that few Londoners had any idea what reggae stars looked like, whereas black American music stars always put effort into presenting an image.

For boys and girls alike, hair styles and hats assumed holy-grail status. By the time these kids hit the party circuit, many were looking beyond the sound-system dances. Once roots and culture took over, that disconnect increased all the more. With little apparent room for compromise, this new reggae was all about Jamaica, indeed all about one aspect of being Jamaican – sufferation.

So, while there’s no disputing how musically creative and spiritually directional the magical era of roots reggae proved to be, subject-wise reggae was turning in on itself. Faced with a wide array of black cultural templates, London teenagers did not unequivocally embrace it. Yes, of course they liked reggae, but not this reggae, or not to any great extent.“

aus: Lloyd Bradley, Sounds like London.100 Years of Black Music in the Capital (2013).

Übersetzung:

„Als Desmond Dekker, die Upsetters und die Pioneers in den Top of the Pops auftauchten, waren es auch die Temptations, die Supremes, Johnny Johnson and the Bandwagon und Marvin Gaye. In den 1970er Jahren führte Shaft den Blaxploitation ein, James Browns Sex Machine löste eine Funk-Revolution aus, und importierte Fernsehserien, die auf dem Erfolg von I Spy und Julia aufbauten, ignorierten keine afroamerikanischen Schauspieler mehr. Wenn es um Bilder von coolen Schwarzen ging – von denen die meisten nicht aus der Karibik, geschweige denn aus Jamaika stammten – hatte diese Generation der britischen Jugend die Qual der Wahl. Das Visuelle spielte eine große Rolle. Die Einstellung der jamaikanischen Musikindustrie, dass Fotografieren eine unnötige Ausgabe sei, führte dazu, dass nur wenige Londoner eine Vorstellung davon hatten, wie Reggae-Stars aussahen, während schwarze amerikanische Musikstars sich immer Mühe gaben, ein Image zu präsentieren.
Sowohl für Jungen als auch für Mädchen wurden Frisuren und Hüte zum heiligen Gral. Als diese Kids auf den Partys auftauchten, blickten viele nicht mehr nur auf die Tänze des Soundsystems. Als Roots und Kultur die Oberhand gewannen, verstärkte sich diese Trennung noch mehr. Mit wenig Spielraum für Kompromisse drehte sich bei diesem neuen Reggae alles um Jamaika, und zwar um einen einzigen Aspekt des Jamaika-Seins – das Leiden.
Während man also nicht bestreiten kann, wie musikalisch kreativ und spirituell richtungsweisend die magische Ära des Roots Reggae war, drehte sich der Reggae thematisch um sich selbst. Konfrontiert mit einer breiten Palette schwarzer kultureller Vorlagen, nahmen die Londoner Teenager diese nicht eindeutig an. Ja, natürlich mochten sie Reggae, aber nicht diesen Reggae, oder nicht in großem Umfang.“

aus: Lloyd Bradley, Sounds like London.100 Years of Black Music in the Capital (2013).

Gesichts- und körperlose Wesen

In anderen Ländern zieht man Leute so an, um kleine Kinder zu erschrecken, im Königreich Frauen.“ Dreizehn Monate lang hat der deutsche Journalist Peter Boehm an saudischen Universitäten unterrichtet. Das ist sein Bericht. Er erzählt von Kindern, die Auto fahren dürfen, aber Frauen, die das nicht dürfen, von Luxus-Arbeitslosen und Frauen im Darth Vader-Kostüm, von Hausmädchen und ihren Horror-Geschichten, der eigentlichen Bedeutung des Gebets, von der saudischen Autogesellschaft und dem wahnwitzigen Bauboom. Aber vor allem zeichnet Peter Boehm das detailgetreue Porträt einer islamisch-fundamentalistischen Gesellschaft, die auf der Welt ihresgleichen sucht.

„Natürlich wäre es wegen der Geschlechtertrennung eigentlich am besten, wenn die Frauen das Haus nicht verließen, aber das geht wohl selbst im perfekten System nicht. Deshalb müssen sich die Frauen in der Öffentlichkeit unkenntlich machen. Sie werden gesichts- und körperlos, ja, im Grund sind sie nicht voll anwesend.

Außer Haus tragen alle saudischen Frauen die Abaya, eine tiefschwarze weite Robe, die vom Kopf bis zum Boden reicht; sowie den Niqab, einen schwarzen Gesichtsschleier, der nur einen sehr schmalen Schlitz um die Augen frei lässt.

In anderen Ländern zieht man Leute so an, um kleine Kinder zu erschrecken, im Königreich Frauen. Im Vergleich dazu wirken die hellblauen und rehbraunen Burkas der afghanischen Frauen kokett. Manche Frauen im Königreich tragen sogar schwarze Handschuhe und ein schwarzes, leicht transparentes Tuch vor den Augen. Die religiöse Polizei hat auch schon Frauen befohlen, den Augenschlitz zu bedecken, wenn sie „wandernde“, das heißt flirtende, Augen gesehen haben wollte.

Die schwarzen Roben sind ein beliebtes Gesprächsthema unter westlichen Expatriates. Jeder meiner Kollegen hatte so seine eigene Vorstellung, an was ihn die vermummten Frauen erinnerten. Mich mahnte die schwarze Silhouette der saudischen Frauen unheilvoll an die einer Vogelscheuche oder des Schnitter Tod; manche gar, die noch zusätzlich ein schwarzes Tuch über den Kopf nach hinten warfen und ihm so eine breite, trapezförmige Form gaben, an die von Darth Vader, den Erzschurken aus „Star Wars“.

Einer meiner Kollegen aus Neuseeland fühlte sich von den saudischen Frauen an Gespenster erinnert. „Sie schweben so dahin. Du siehst ja ihre Füße nicht. Und du hörst sie nie“, erzählte er mir schon nach seinen ersten paar Wochen im Königreich. Er hatte recht. Das ist auch mir aufgefallen. Wenn ich überhaupt Frauen sah, dann nur unter sich oder mit ihren Kindern verstohlen tuschelnd. Auf den Flughäfen wunderte ich mich manchmal, dass die Kinder nicht ihre Jedi-Mütter verloren.

Sie trotteten neben einem Vader her, aber wer konnte schon sicher sein, dass es der richtige Jedi war, sie sahen sich ja alle so ähnlich. Außerdem hörte ich nur selten Funkkontakt zwischen Kind und Vader. Wie die Kinder am Ende des Fluges noch mit dem richtigen Jedi nach Hause gingen, blieb mir zeitlebens ein Rätsel.“

aus: Peter Böhm, Im Königreich der Frommen (2013)

TAZ-Artikel von Peter Böhm

Buchkritik

Wolfgang Naura

Jazz war früher nicht meine bevorzugte Lieblingsmusik. Aber hin und wieder begegnete mir damals als leidenschaftlicher NDR-Radiohörer der Name Michael Naura als Leiter der Jazz-Redaktion. Die Musik sprach mich nicht an, aber Naura hatte eine sehr angenehme Stimme und die Art seiner „Plauderei“ gefiel mir.

In späteren Jahren, als der Jazz längst mein Herz und Interesse erobert hatte, habe ich mir in Berlin alles angehört was Rang und Namen im Jazz hatte. Dazu gehörte auch eine interessante Kombination von Musik und Lesung, ein Zusammenspiel aus Texten des 2008 verstorbenen Lyrikers Peter Rühmkorff und der Musik von Michael Naura (Piano) und Wolfgang Schlüter (Vibraphon).

Diese Mischung hatte mich damals ziemlich fasziniert und so wurde meine Jazzsammlung mit „Vanessa“ , „Country Children“ und „Kein Apolloprogramm für Lyrik“  erweitert. Michael Naura liebte nicht nur den Jazz:

Naura liebte Auseinandersetzungen. So handelte er sich beim NDR eine Abmahnung ein, weil er die auf Hörerquoten fixierte Programmpolitik seines Arbeitgebers im „Hamburger Abendblatt“ brandmarkte. Einem Kritiker, der eine von Naura geschätzte Band verriss, schickte er per Post einen Schweinefuß: „Das ist die Hand, die den Artikel geschrieben hat.“ Eine Vernissage des malenden Hitler-Tagebuch-Fälschers Konrad Kujau stürmte er mit dem Ruf „Nazis raus“ und warf Hundekot in die Gulaschsuppe für die Gäste. Nauras Buch „Jazz – Toccata“ hat den Untertitel „Ansichten und Attacken“. Aber er „sorgte dafür, dass der Jazz in Deutschland Gehör fand“ („FAZ“).

Die Kehrseite des rauhbeinigen Nauras war hohe Sensibilität. So liebte er Tschechow – und Peter Rühmkorf, den „Dichter, der wie ein Morgenschiff in mein Leben rauschte“. Keinen Menschen hat der Musiker mehr verehrt als den 2008 gestorbenen Lyriker. (Hans Hielscher, Zum Tod von Michael Naura)

Michael Naura starb am 13. Februar 2017 im Alter von 82 Jahren.

Ausschnitt aus einem Konzert in der Kongresshalle, Frankfurt am Main, September 27, 1974

Lernen und Vorurteile

Das Lernen am Modell durch Imitation der Älteren kann aber auch Nachteile haben, indem es durch Nachplappern ohne Reflexion zur Entstehung von Vorurteilen beiträgt. Auch das assoziative Lernen am Einzelfall–in der unreflektierten Abfolge von Reiz, Assoziation, Reaktion und Gedächtnis –kann schnell bleibende Akzente setzen und zur Quelle von Vorurteilen werden. Besonders anfällig in dieser Hinsicht sind kreationistische Erklärungsmuster der Welt in Kombination mit dem Gefühl der subjektiven Wahrheit, das in uns steckt.Aus einer solchen Mischung entstehen dann leicht die Weltbilder, auf deren Basis Ideologien, religiöser Extremismus und Ausgrenzungen in Erscheinung treten können.

Erwachsene glauben von sich oft, dass sie die Vorurteile ihrer Kindheit und Jugend überwunden haben. Bei näherer Betrachtung ist dies aber häufig ein Irrtum. Hier nur einige Beispiele für Vorurteile, die darauf hinauslaufen, dass Menschen verschiedener Herkunft sehr unterschiedlich sind: In Medizinerkreisen ist das Konzept des„Morbus sicilianus“ beliebt, das Südeuropäern (Prototyp: Sizilianer) eine histrionische Persönlichkeit mit erhöhter Schmerzempfindlichkeit bzw. extrovertierter Ausgestaltung des eigenen Leidens zuschreibt. „Preußen“ordnen Bayern einen vom eigenen  deutlich verschiedenen „nationalen Charakter“ zu. Südbadener sehen sich in scharfem Kontrast zu Schwaben, Berliner und Hamburger empfinden sich gegenseitig als sehr verschieden. Kölner und Düsseldorfer, Mainzer und Wiesbadener–häufig wird der Gruppenunterschied betont und nicht nur an Fastnacht oder Karneval gepflegt.

Die Frage, ob es solche Unterschiede in den„nationalen Charakteren“ tatsächlich gibt oder ob es sich dabei um klassische Vorurteile handelt, wurde in 49 verschiedenen Nationen und Kulturkreisen untersucht (Terracciano et al. 2005), und das Ergebnis war verblüffend: Der nationale Charakter in den weltweit untersuchten Nationenen lässt sich nicht mithilfe von Persönlichkeitszügen unterscheiden. Die Idee, dass sich die Persönlichkeit des Hamburgers von derjenigen des Berliners unterscheidet oder diejenige des Indonesiers von derjenigen des Polen, entbehrt jeglicher wissenschaftlicher Evidenz.

aus: Dieter F. Braus, EinBlick ins Gehirn. Eine andere Einführung in die Psychiatrie (2004)

Regionale Ernährung einer Millionenstadt

Wie realistisch ist es, eine Millionenstadt mit regionalen Produkten zu versorgen? Im Rahmen einer Masterarbeit an der HafenCity Universität (HCU) hat das Sarah Joseph am Beispiel der Hansestadt in einer Studie untersucht.

Für ihre Fallstudie im Studiengang Resource Efficiency in Architecture and Planning (REAP) an der HafenCity Universität ermittelte die aus den USA stammende Autorin den „Flächen-Fußabdruck“ verschiedener Ernährungsweisen. Anschließend wandte sie die Ergebnisse  auf die Region Hamburg an.

Ihr Fazit: wenn bestimmte Annahmen erfüllt sind (u.a. sinkender Fleischkonsum), können Bauern aus einem Umkreis von 100 Kilometern die Bewohner*innen Hamburgs und seines Umlands vollständig versorgen. Q

Sarah Joseph sagt: „In regionaler, ökologischer Ernährung liegt ein großes Potential: Eine nachhaltige Landwirtschaft, gesündere Lebensmittel und viel geringere negative Auswirkungen auf Menschen, Tiere und Natur.“

Um das Ziel einer regionalen Versorgung zu erreichen, wurde die Regionalwert AG Hamburg gegründet. Ziel: „Kleine Höfe stärken. Die Ernährungswende selber machen.“

Wie das gehen soll, dazu gibt es einen kurzen Erklärfilm.

 

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