
Ein Buch, auf das ich erst jetzt gestoßen bin. Es stammt von Ben Watson, der einen unverzichtbaren Leitfaden geschrieben hat, für Fans der Musik von Frank Zappa, einem der produktivsten und unberechenbarsten Persönlichkeiten der Musik des 20. Jahrhunderts.
Eine gründliche Analyse von Zappas gesamter Diskografie, von den Anfängen mit den Mothers of Invention über seine avantgardistischeren Kompositionen bis hin zu seinen jüngsten posthumen Veröffentlichungen. Das Buch beinhaltet eine Analyse Album für Album, eine vollständige Zappa-Bibliografie, Angaben zu Zeit und Ort der Aufnahmen einschließlich aller mitwirkenden Künstler, einen Sonderteil zu Compilations sowie Archiv- und Bootleg-Veröffentlichungen. Das Buch erschien bereits 1998, wurde 2005 in überarbeiteter Form neu veröffentlicht.
Im Vorwort seines Buches schreibt Watson:
DIE MUSIK VON FRANK ZAPPA IST VOR ALLEM EINE PROVOKATION, EIN SCHLAG INS GESICHT für den Mainstream-Geschmack. Leg eine seiner Platten auf, und schon ist Streit vorprogrammiert. Seine Kritiker sind zahlreich, aber seine Fans sind es ebenso. Dieser Leitfaden erhebt keinen Anspruch auf Unvoreingenommenheit. Für den Verfasser dieses Artikels war Zappa als Rockgitarrist nur Hendrix unterlegen – und als Komponist, Produzent, Bandleader und Interviewpartner war er im Rock überhaupt niemandem unterlegen, vielen Dank auch.
Zu unserem Glück – jetzt, da er nicht mehr unter uns ist – verbrachte Zappa den Großteil seiner Zeit auf diesem Planeten unten in seinem Kellerstudio, wo er diese seltsamen kleinen Artefakte namens „Alben“ schuf: raffinierte Zusammenstellungen aus Klängen, Worten und Bildern. Seine Platten waren so detailreich, kunstvoll und facettenreich, dass Zappologen auf der ganzen Welt sie noch immer entschlüsseln – aber hier sind sie nun, vollständig und korrekt, in einem umfassenden Leitfaden.
aus dem Englischen übersetzt
Das Wesentliche an Zappa ist die Musik. Deshalb war er in Europa so erfolgreich. Seine Texte sind für Fans oft ein völliges Rätsel, das gilt auch für englischsprachige Zuhörer*innen. Gegen Ende seines Lebens wurde Zappa vom „Simpsons“-Schöpfer Matt Groening gebeten, das Konzept der Zeit näher zu erläutern. „Ich glaube, dass alles ständig geschieht“, antwortete er, „und dass der einzige Grund, warum wir Zeit linear begreifen, darin liegt, dass wir dazu konditioniert sind. Das liegt daran, dass die menschliche Vorstellung von Dingen lautet: Sie haben einen Anfang und ein Ende. Ich glaube nicht, dass das unbedingt wahr ist. Ich stelle mir Zeit als eine Konstante vor, als eine sphärische Konstante …“ Zappa war begeistert, als er diese Idee in Stephen Hawkings „Eine kurze Geschichte der Zeit“ wiederfand.
Als Frank Zappa starb, mussten viele Journalisten kurze Würdigungen verfassen. Eine übliche lautete in etwa: „Rockgitarrist und Skatologe [eine Person, die sich auf die wissenschaftliche Erforschung von Exkrementen spezialisiert hat] der Sechziger, der sich zu einem klassischen Komponisten und Mediensprecher entwickelte“. Dabei wurde die Tatsache außer Acht gelassen, dass Zappa bereits Partituren komponierte, bevor er überhaupt die Gitarre in die Hand nahm, und dass alles, was er jemals sagte oder tat, selbst, wenn er Symphonieorchester dirigierte, einen satirischen, medienkritischen Unterton hatte. Wenn er etwas „Neues“ vorstellte, konnte man sicher sein, dass es etwas war, über das er schon seit Jahren, vielleicht sogar schon immer, nachgedacht hatte; und dass die Empörung, die es hervorrufen würde, ebenfalls schon im Voraus angedeutet war.
Zappas raffiniertester Trick, und einer, der unter Zappologen noch immer wilde Spekulationen auslöst, war seine Fähigkeit, Trends und Absurditäten des Musikgeschäfts zu parodieren, noch bevor sie überhaupt auftauchten. Das Nachverfolgen von Zappas Anspielungen kann scheinbar vernünftige Menschen immer noch in Besessene verwandeln, die wilde Theorien entwickeln, um seinen Hintergründen auf die Spur zu kommen.
Zu ihrer Verteidigung lässt sich jedoch sagen, dass sich dieser Wahnsinn lohnt, weil Zappas Musik so unverwechselbar ist, voller wahnsinnig schöner Melodien, unkonventioneller, mitreißender Rhythmen und Harmonien. Ben Watson schreibt dazu:
„Die meiste Musik – die meiste Kultur – wird heutzutage anhand einer Liste „politisch korrekter“ Grundsätze beurteilt, die sowohl spießig als auch zimperlich sind. Zappa sprengt die PC-Moralisten in die Luft und bietet seinen Zuhörern stattdessen ein schillerndes ästhetisches Erlebnis. Wenn die Reaktion lautet: „Ich bin hip, aber natürlich bin ich beleidigt“ (wie Zappa es einmal charakterisierte), umso schlimmer für die konventionellen Sitten und ihre verstopften Ohren!“
aus dem Englischen übersetzt
Am 4. Dezember 1993 war Zappas Tod durch Prostatakrebs ein ziemlich endgültiges „Ende“. Doch sein Werk lebt weiter, vor allem dank der Entscheidung von Rykodisc (und dem Zappa-Clan), den gesamten Katalog im Sortiment zu behalten und ihn durch neue Veröffentlichungen aus dem riesigen Zappa-Fundus zu erweitern.
Ben Watson, Frank Zappa – the Complete Guide to his Music
Omnibus Press, London
2005,
ISBN 1-84449-865-4