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Beiträge zur Musik und mein Senf zu anderen Dingen

Jethro Tull – Too Old To Rock…

Der alte Rocker trug sein Haar zu lang
Trug seine Hosenbeine zu eng
Bis zum Schluss unmodern
Trank sein Bier zu hell
Totenkopf-Gürtel-Schnallen
Die Träume von gestern
Der Transportcafé-Unheilsprophet
Klingelt kein Kleingeld in seinen doppelt genähten Nähten
In seiner Nachkriegs-Baby-Melancholie

Jetzt ist er zu alt für Rock ’n’ Roll
Aber er ist zu jung, um zu sterben
Ja, er ist zu alt für Rock ’n’ Rol
Aber er ist zu jung, um zu sterben

Vor 50 Jahren ist das neunte Studioalbum von Jethro Tull „Too Old to Rock ‚n‘ Roll: Too Young to Die!“ im April 1976 veröffentlicht. Es ist das erste Album, auf dem der Bassist John Glascock zu hören ist, der auch als Backgroundsänger mitwirkte. „Too Old to Rock ‚n‘ Roll: Too Young to Die!“ ist das letzte Konzeptalbum von Jethro Tull, das die Geschichte von Ray Lomas erzählt, einem alternden Rocker, der mit den Veränderungen der Musiktrends zu Ruhm gelangt. lm Umfeld von Glam Rock, Plateau-Schuhen und Disco existieren die guten alten Zeiten des Rock’n’Roll nur noch in seiner Erinnerung. Ganz ähnlich verhalt es sich mit der Sehnsucht nach Girls, blauen Wildlederschuhen und der Begeisterung für Motorräder.

Vieles von dieser Geschichte wird jedoch nur in einem dem Album beiliegenden Cartoon erklärt. Die eigentliche Story des Albums folgt dem Cartoon nicht genau, lässt Details aus oder ändert in einigen Fällen sogar die Handlung.

Es war das einzige Album von Jethro Tull in den 1970er Jahren, welches keine Goldauszeichnung erhielt. Eingespielt wurden die Kompositionen von Ian Anderson zwischen November 1975 und Januar 1976 bei Radio Monte Carlo. Den Mitschnitt besorgte Tontechniker Robin Black im Maison Rouge Mobile Studio, das in einem roten Mercedes-Benz-Lkw eingerichtet war und Anderson gehörte, der überdies als Produzent wirkte.

Die Musik aus Folk-, wenig Rock- und einigen Jazz-Elementen ergab den typischen Tull-Sound, der eine leicht melancholische, nostalgische Stimmung hat. Nur ”Quizz Kid” und ”Taxi Grab” haben eine Spur von Blues-Rock aufzuweisen.

David McGee bemängelte im Rolling Stone die „verwirrende Handlung“ des Albums und meinte, „Ian Anderson sollte sich lieber auf die Musik beschränken, denn er ist ganz sicher kein Geschichtenerzähler“. Dennoch lobte er Andersons kompositorisches Können sowie die Gitarrensoli von Martin Barre.

Anderson erklärte, das Konzept sei aus den Turbulenzen des Aufkommens der Punk-Bewegung entstanden und sei nicht als autobiografische Darstellung seiner selbst als alternder Songwriter gedacht gewesen, obwohl „einige Pressevertreter das Album als unseren Versuch auffassten, bei den Punks ‚mitzumachen‘“. Anderson erklärte außerdem, dass die Grundlage des Konzepts darin bestehe, „darauf hinzuweisen, dass dieses Geschäft zyklisch ist und dass man, wenn man lange genug dabei bleibt, wieder in Mode kommt.

„Perhaps understandably, some members of the press took the album as our attempt to ‚get with‘ the punks. But in fact we were really trying to point out that this business is cyclic, and that if you stick around long enough, you do come into fashion again.“
Ian Anderson

Songs

1. Quizz Kid (5:10)
2. Crazed Institution (4:48)
3. Salamander (2:52)
4. Taxi Grab (3:56)
5. From A Dead Beat To An Old Greaser (4:08)
6. Bad-Eyed and Loveless (2:12)
7. Big Dipper (3:38)
8. Too Old To Rock ’n‘ Roll: Too Young To Die (5:42)
9. Pied Piper (4:35)
10. The Chequered Flag (Dead or Alive) (5:24)

Bonus Tracks auf dem Chrysalis Remaster Album von 2002:
11. A Small Cigar (3:39)
12. Strip Cartoon (3:17)

Besetzung:

  • Ian Anderson – Leadgesang, Akustikgitarre, Flöte, Mundharmonika, zusätzliche E-Gitarre und Percussion
  • Martin Barre – E-Gitarre
  • John Evan – Klavier, Keyboards
  • John Glascock – Hintergrundgesang, Bassgitarre
  • Barriemore Barlow – Schlagzeug, Percussion

Weitere Musiker*innen:

  • Dee Palmer – Saxophon (auf Track 5), Vako Orchestron, Klavier (auf Track 11)
  • Maddy Prior – Hintergrundgesang (auf Track 8)
  • Angela Allen – Hintergrundgesang (auf den Tracks 2 & 7)
  • Orchestrierung: Dee Palmer
Quellen: Wikipedia | GoodTimes | Jethro Tull

Kennst du Genesis?

Na klar? Dann solltest du keine Probleme mit dem Artwork von Genesis haben:

Dangerous American Idiot

„Er ist ein Idiot. Es ist sinnlos zu versuchen, ihn von irgendetwas zu überzeugen. Er ist entgleist.“

John Kelly (Trumps ehemaliger Stabschef)

„Hope and Fury” von Joe Jackson erschienen

Joe Jackson, der oft als musikalisches Chamäleon bezeichnet wird, betont, dass der Großteil seines Schaffens seinem ganz eigenen „Mainstream“ angehört – raffinierte Popsongs mit ständig wechselnden Rhythmen und Klangtexturen.

Die letzte Veröffentlichung von Joe Jackson erschien im November 2023 „Mr. Joe Jackson Presents ‚What A Racket‘: The Music Of Max Champion“, eine Sammlung von Songs, die von dem längst vergessenen Music-Hall-Künstler Max Champion geschrieben wurden. War das tatsächlich so? Doch es ist niemand anderes als Joe Jackson selbst, der hier seiner Liebe zum Music Hall frönte.

Dazu hat er sich nicht nur ein Alter Ego ausgedacht, sondern auch einen Bart angeklebt und einen falschen Cockney-Akzent eingeübt. Für eingefleischte Fans dürfte das keine große Überraschung sein, immerhin hat sich Jackson, der eigentlich auch nicht Joe heißt, sondern David Ian, schon mehrmals neu erfunden.

Joe Jackson über sein neues Album „Hope and Fury“

„Hope and Fury“, heißt das neue Album, das Jackson, der im August 72 Jahre alt wird, mit einer strapaziösen Tournee durch 14 Länder mit 80 Terminen bewirbt. „Es ist verrückt“, sagt er achselzuckend. „Aber ich habe bereits mit einer Diät und einem Trainingsprogramm begonnen. Von denen, die noch am Leben sind, haben so viele meiner Kollegen schon vor langer Zeit aufgegeben, sie haben das Interesse verloren, sie können nicht mehr singen. Ich bin so gut wie früher. Ich werde so lange weitermachen, wie ich kann.“

Ich mache heute bessere Platten, und da ich keine falsche Bescheidenheit kenne, ist die neue verdammt großartig“, so Joe Jackson in einem Interview mit der Musikzeitschrift Mojo. Im Rolling Stone Interview ergänzt er: „Das hat nichts mit Großspurigkeit zu tun. Aber was soll ich anderes sagen? Wie konnte ich von jemandem erwarten, das Album zu mögen, wenn ich es selbst nicht mag?“

Nun kehrt der Brite zu einigen seiner musikalischen Wurzeln zurück: anspruchsvolle Popsongs, die Einflüsse aus Rock, Jazz, Funk und Latin miteinander verbinden – oder, wie er es selbst beschreibt, »Bicoastal LatinJazzFunkRock«.

,,In dem Album stecken viele Gefiihle, die ich für England hege. Dinge, die ich liebe, und Dinge, die schiefgelaufen sind. Der amerikanische Einfluss, der Verfall.“

Er ist stolz auf „Hope and Fury“. Der verblüffende Opener „Welcome To Burning-By-Sea“ in der Jackson das Bild einer Provinzstadt entwirft, die von Shoppingmalls und Fast-Food-Ketten verschlungen wird. „See You In September“ ist dagegen eine Ballade mit emotionaler Energie.

Ich habe zwar eine romantische Ader, aber eigentlich geht es darum, dass ich im August Geburtstag habe, wenn sich alle frei nehmen“, sagt Jackson über den letztgenannten Song. „Ich fand den Titel großartig, bis mir jemand erzählte, dass eine amerikanische Band, von der ich noch nie gehört hatte, ihn bereits verwendet hatte. Ich war entsetzt!“ [1]

„Made God Laugh“ und „Do Do Do“ sind schon nach dem ersten Hören herausragende Songs. Und dann ist da noch „Fabulous People“, in dem der Mann, von dem Wikipedia behauptet, er lebe mit einem anderen Mann in Berlin („beides stimmt nicht“), sich mit der Schwulenkultur auseinandersetzt, wie er es gelegentlich seit „Real Men“ von 1982 tut, das später von Tori Amos gecovert wurde („In diesem Song gibt es keine Antworten; sie hat eine Zeile geändert, ich bin mir nicht sicher, warum“). Auf die Frage, ob „Fabulous People“ nicht in gewisser Weise eine fröhlichere Version von Bronski Beats Queer-Hymne „Smalltown Boy“ sei, antwortet er:

Nee. Das ist nur eine Persiflage auf L-G-B-T-Q-I-R-A-A oder was auch immer“, winkt Jackson ab. „Es wird Zeit, dass sie ein S für ‚straight‘ hinzufügen, nur um inklusiv zu sein. Auch ‚Fairy Dust‘ auf [seinem 2003er Album] ‚Volume 4‘ macht sich über die Schwulenszene lustig. Ich habe nichts Besonderes dagegen, aber wenn Leute sich selbst so ernst nehmen und alle möglichen Dinge fordern, kann ich nicht anders, als die Augen zu verdrehen. Das ist die Pompey-Seite von mir.“

Jackson sagt im Rolling Stone, dass er kein Pessimist sei, sondern jemand, der Ambivalenzen aushalte kann und sie in seinen Songs spiegele. Mit politischen Kategorien wie ,,links“ und ,,rechts“ könne er sich längst nicht mehr identifizieren. Er möchte auch mit keiner Partei in Verbindung gebracht werden.

,,Ich bin kein Experte, ich bin kein Philosoph oder Politiker. Ich denke, das Beste, was ich versuchen kann, ist, kein Teil des Problems zu sein. Mein Job ist es, Spaß und Freude zu verbreiten.“ Vor allem auf der Bühne. ,,Konzerte stiften Gemeinschaft. Man ist in etwas Gemeinsames involviert. Zumindest fiir die Dauer von zwei Stunden. Dafür mache ich das immer noch.“

Joe Jackson im Rolling Stone

„Hope and Fury“ wurde in Michael Tibes’ Fuzz Factory in Berlin-Kreuzberg und den Reservoir Studios in New York mit Co-Produzent Patrick Dillett aufgenommen. Auf dem Album ist Jacksons bewährte Stammbesetzung zu hören: Graham Maby am Bass (seit „Look Sharp!“ an Jacksons Seite), Teddy Kumpel an der Gitarre und Doug Yowell am Schlagzeug (beide seit „Fast Forward“, 2015, Teil des Teams), ergänzt durch den zweifachen Grammy-Gewinner und peruanischen Perkussionisten Paulo Stagnaro.

„Ich bin nicht jeden Tag überglücklich. Niemand kann jedes Mal einen Volltreffer landen, selbst Beethoven hatte ein paar Flops, aber es wäre doch schön, wenn einige meiner Lieder auch noch in vielen Jahren bekannt wären. Ich habe mehr Geld verdient, als ich je gedacht hätte, und wenn man mit dem, was man tut, zufrieden ist und genug Geld hat, um recht komfortabel zu leben, was gibt es Besseres als das? Wie viele Menschen haben etwas Besseres als das? Was gibt es sonst noch?“

Joe Jackson

Quelle: MOJO May 2026 | kulturnews.de | Rolling Stone Germany April 2026


[1] Die bekannteste Version von „See You In September“ stammt von den „Happenings“ aus dem Jahr 1966 und erreichte Platz 3.

April Songs

Wir sind schon mittenmang im April. Ein Monat, der wettertechnisch oft eine sehr wechselhafte Gemengelage bietet. Wer musikalisch dem April begegnen will, kann das mit meiner folgenden Playlist tun:

Kapelle Petra – Lübbe

30 Jahre gibt es die Band aus Hamm bereits. Gegründet wurde die Band im Jahr 1996 in Münster.  Erst 2021 bin ich auf sie aufmerksam geworden. Da hatten sie bereits ihr 8. Album Die vier Jahreszeiten, ein Konzeptalbum aus vier EPs, veröffentlicht. Auf ihr neues Album war ich schon ein wenig gespannt, da mir der Vorgänger „Hamm“ schon gut gefallen hatte.

“Für viele die kleine, graue Maus am Rande des Ruhrgebiets, in der man höchstens mal am Bahnhof umsteigt. Für uns ist Hamm der Mittelpunkt der Welt – Hier sind wir alle groß geworden und hier sind die HAMM-Songs entstanden. Hier hat alles angefangen und geht hoffentlich noch ganz lange weiter.”

Jetzt haben sie einen Rückblick auf die vergangenen Jahre und Alben als eine Art Best Of voller „Lübbe“ veröffentlicht. Neben 16 ausgewählten Lieblings-Songs quer durch die Bandgeschichte finden sich auf „Lübbe“ auch zwei neue Titel. Einer der beiden neuen Songs ist ein absoluter Ohrwurm geworden: „Nr. 1 Hit“.

Aber auch der Klassiker „Ameland“, den ich wie viele andere Titel zum ersten Mal gehört habe, besitzt ein gewisses Suchtpotenzial:

Wer die Band in ihrem Jubiläumsjahr live sehen möchte, findet die Termine auf ihrer Website.

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