DikoWeb

Beiträge zur Musik und mein Senf zu anderen Dingen

Playlist 08-2026

ArtistSongAlbum
Inga RumpfIndian Rope ManBest Of All My Years (1997)
Pinkie RideauBlues BinFrom The Wreckage (2026)
Lee SmallNeon HeartbeatThe Last Man On Earth (2023)
Damage ControlAliceRaw (2009)
Francis RossiSomething in the Air (Stormy Weather)The Accidental (2026)
The ClockworksWork In ProgressThe Entertainment (2026)
The Rolling StonesIn The StarsForeign Tongues (2026)
Deep PurpleJessica’s BraSplat (2026)
Ludwig HartBoys Gone WildStay Young (2024)
SemisonicClosing TimeThe Millennium Collection (2003)
BlumfeldDie Diktatur der AngepasstenNackter als nackt (Live in Berlin 2007) (2026)
Jupiter JonesPaul McCartney stirbtIch trag den Sarg, Du trägst was Buntes (2026)
Andreas Diehlmann BandCold Wind On A Dark Black NightCold Wind On A Dark Black Night (2026)

wiederHÖREN

GIL SCOTT-HERON
The Revolution Will Not Be Televised (Reissue 1974)

Diese Veröffentlichung aus dem Jahr 1974 enthält Höhepunkte aus Gil’s ersten drei Alben beim Label Flying Dutchman. Tracks aus seinem von den Last Poets inspirierten Debütalbum von 1970 – wie das sarkastische „Whitey On The Moon” und die scharfe Attacke auf Nixons Justizminister John Mitchell, „No Knock“ – sind mit Titeln gemischt, die nur wenige Jahre später aufgenommen wurden und fast von einem völlig anderen Künstler stammen könnten: dem intensiven, gefühlvollen „Get Out Of The Ghetto Blues“ oder den überraschend zarten Balladen „Did You Hear What They Said?“ und „Pieces Of A Man“.

Diese Neuauflage enthält wieder das schöne Cover der Original-LP, aber vor allem auch zwei Säulen von Gil’s Musik – den von Fender Rhodes angeführten Funk von „Lady Day And John Coltrane“ und den wunderbaren Groove des Titelsongs, der immer aufregend zeitgemäß klingen wird.

Unbedingt lesen!

Wolfgang Schorlau, den Namen kannte ich bisher nur durch die Verfilmung von drei seiner Bücher mit der Titelfigur Dengler, einem ehemaligen BKA-Zielfahnder, der jetzt als Privatdetektiv arbeitet. 1

Ich war gespannt, wie sich die literarischen Vorlagen lesen lassen. 2 Und so begann ich mit dem ersten Band „Die blaue Liste“ und arbeitete mich immer weiter vor, bis zum fünften Fall „Das München-Komplott“, ein Buch, das mich „fesselte“ und sprachlos zugleich machte.

Den Hintergrund liefert der verheerende Anschlag auf das Münchner Oktoberfest 1980, bei dem 13 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt wurden. Ich habe mich erst durch dieses Buch näher damit befasst, für mich war das Attentat in Vergessenheit geraten. Für die ermittelnden Behörden war damals schon nach wenigen Tagen klar: Der bei dem Attentat ums Leben gekommene Gundolf Köhler hat die Bombe in einem Papierkorb versteckt und gezündet. Alle Indizien, die einer Einzeltäterthese widersprachen, wurden ignoriert, ebenso wie der neonazistische Hintergrund. Und so ist eine vollständige und umfassende Aufklärung bis heute noch nicht erfolgt.

Man kann es zwar nicht glauben, aber die Basis des Buches ist nicht Fiktion sondern Realität. Das wahre Ausmaß der Verstrickungen von LKA und Geheimdiensten ist wirklich schockierend. Man kann sich nur schwer vorstellen, dass so etwas in unserer Zeit wirklich möglich ist. Nach dieser Lektüre und den zugrundeliegenden Quellen sieht das jedoch anders aus. 3

Wolfgang Schorlau hat einen politischen Krimi geschrieben, der die Machenschaften von Geheimdiensten aufdeckt und uns vor Augen führt, wie wenig wir von unseren und anderen staatlichen „Aktionen“ wirklich wissen.

Sowohl die Verstrickung staatlicher Organe in das Attentat als auch die Verhinderung einer vollständigen Aufklärung der damaligen Geschehnisse scheinen beileibe keine pure Fiktion zu sein. Dieser Eindruck wird durch das im Anhang des Buches abgedruckte „Field Manual 30-31“ des US-amerikanischen Geheimdienstes sowie das ausgesprochen informative Nachwort des Autors noch unterstrichen.

aida-Archiv

Dieses Buch ist gewissermaßen eine Pflichtlektüre (nicht nur) für Fans intelligenter Krimis mit zeitgeschichtlichem Hintergrund.

Wolfgang Schorlau (2009): Das München-Komplott. KiWi Paperback 1114, 336 Seiten, ISBN 978-3-462-04132-3

Anmerkungen:

  1. z.B. Dengler – Die letzte Flucht (in dem es um die Machenschaften der Pharmaindustrie geht) ↩︎
  2. Bisher sind 11 Bände erschienen. Dengler’s 12. Fall „Das kalte Werk“ erscheint im November 2026. ↩︎
  3. z.B. Daniele Ganser: Nato-Geheimarmeen in Europa: Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung, Neuauflage 2022 (Dokumente belegen, dass die von den USA angeführte Militärallianz nach dem Zweiten Weltkrieg in allen Ländern Westeuropas geheime Armeen aufgebaut hat, welche von den Geheimdiensten CIA und MI6 trainiert wurden. Ihr Ziel: im Falle einer sowjetischen Invasion als Guerilla zu kämpfen, um die besetzten Länder wieder zu befreien. Doch dabei ist es nicht geblieben. Gezielt wurden Attentate gegen die eigene Bevölkerung ausgeführt, um Unsicherheit zu erzeugen und den Ruf nach einem starken Staat zu unterstützen. ↩︎

Sinclair Lewis: Das ist bei uns nicht möglich (Roman)

1935 in den USA ein aufsehenerregender Bestseller, heute wieder eine Sensation und aktuell wie selten zuvor. Es ist eine mahnende Geschichte über den Aufstieg des Faschismus in den Vereinigten Staaten.

Sinclair Lewis wusste durch seine Frau Dorothy Thompson, Auslandskorrespondentin in Berlin, über den Aufstieg der Nazis Bescheid. In den USA beobachtete er, wie die Populisten nach Wirtschaftskrise und Sozialreformen des New Deal immer weiter an Einfluss gewannen. Der radikale Senator Huey Long versuchte Präsident Roosevelt aus dem Amt zu drängen, bevor Long 1935 einem Attentat zum Opfer fiel. Lewis diente er als Vorbild für den fanatischen Verführer Buzz Windrip in seinem Roman.

Buzz Windrip, für seine Gegner ein „ungebildeter Lügner mit idiotischer Weltanschauung“ und ein gefährlicher Populist, will Präsidentschaftskandidat werden. Er gibt vor, sich für die kleinen Leute einzusetzen, und verspricht, „aus Amerika wieder ein stolzes Land zu machen“. Trotz völlig unglaubwürdiger Versprechen laufen ihm die Wähler zu, und er zieht ins Weiße Haus ein. Sogleich regiert er wie ein absolutistischer Herrscher, beschneidet die Freiheiten der Minderheiten, legt sich mit Mexiko an und lässt seine Kritiker rabiat verfolgen. Einer davon ist der liberale Zeitungsherausgeber Doremus Jessup, der sich nicht mundtot machen lassen will.

Sinclair Lewis’ Roman aus dem Jahr 1935 führt einen Antihelden vor, der mit seinen Hetzreden die Begeisterung unzufriedener Wähler entfacht. Durch seine Lügen und eine Rhetorik des Populismus und der Ressentiments wird er Präsident der Vereinigten Staaten. Das klingt vertraut, oder?

Lewis‘ Roman bekommt „eine neue Aktualität, weil es so prophetisch wirkt: der Gauner mit dem aufwendigen Namen Berzelius Windrip, der seinen Wählern Lohn und Brot verspricht, Einkommensbeschränkungen für Reiche, aber eine Prämie von fünftausend Dollar für jeden Mitmacher, dieser politische Gauner liest sich heute wie eine Vorahnung des gnadenlosen Populisten Donald Trump. […] So schlecht Vorhersagen von Journalisten und Schriftstellern sonst sind, hier ist dem kleinen Meister Lewis ein großes visionäres Irrsinnsgemälde voller Wahrhaftigkeit gelungen. (Willi Winkler in der SZ)

„Eine unheimliche Vorwegnahme der aktuellen Ereignisse.“ The Guardian
„Ein Populist im Weißen Haus? Literaturnobelpreisträger Sinclair Lewis hat es vor 80 Jahren durchgespielt.“ DIE ZEIT
„Sinclair Lewis ist wieder aktuell.“ der Freitag
„Ein Meister des absoluten Realismus.“ Bob Dylan

422 Seiten, Aufbau Taschenbuch Verlag, Berlin
in der Übersetzung von Hans Meisel, mit einem Nachwort von Jan Brandt.

Kennt Ihr (noch)… Brand X?

Brand X war eine britische Jazz-Fusion-Band, die 1974 in London gegründet wurde. Sie waren bis 1980 aktiv, gefolgt von einer Reformation zwischen 1992 und 1999, und waren nach einer Reunion 2016 bis 2021 aktiv. Zu den Mitgliedern gehörten John Goodsall (Gitarre), Percy Jones (Bass), Robin Lumley (Keyboards) und Phil Collins [genau der!] (Schlagzeug). Jones war das einzige konstante Mitglied während des gesamten Bestehens der Band bis Oktober 2020, als er die Band verließ.

Das Debütalbum Unorthodox Behaviour wurde zwischen September und Oktober 1975 aufgenommen. Ende 1975 gaben Brand X ihr Debüt bei mehreren Konzerten in und um London. Für die Auftritte holten sie sich den ehemaligen Yes- und King Crimson-Schlagzeuger Bill Bruford als zusätzlichen Perkussionisten ins Boot.

Nach den Aufnahmen für das zweite Album Moroccan Roll nahm Collins eine Auszeit von Brand X für die Wind & Wuthering Tour von Genesis. Im April 1978 war Lumley nach Collins das zweite Kernmitglied von Brand X, das sich aus der Band zurückzog, um sich stattdessen mehr auf seine Arbeit als Plattenproduzent zu konzentrieren.

Brand X – Sun In The Night

Im April 1979 nahmen Brand X in zwei Besetzungen auf – die erste mit Goodsall, Jones, Robinson und Clark; die zweite mit Goodsall, dem Bassisten John Giblin, Lumley und Collins. Das Material wurde 1979 als Product, 1980 als Do They Hurt? und 1982 als Is There Anything About? veröffentlicht.

Nach den Aufnahmen der drei Alben ging Brand X in der Besetzung Goodsall, Jones, Lumley, Robinson und Collins auf Tournee. Nach diesen Terminen hörte die Gruppe auf, zusammenzuarbeiten und begann, sich auf andere Projekte zu konzentrieren, obwohl sie sich nie offiziell auflöste.

1992 reformierten Goodsall und Jones Brand X mit dem neuen Schlagzeuger Frank Katz, veröffentlichten das Album X-Communication und kehrten im Dezember zu Live-Auftritten zurück. Sie blieben bis Februar 1996 ein Trio, als sie Manifest Destiny mit dem neuen Keyboarder Marc Wagnon und anderen Mitwirkenden aufnahmen. Für die anschließende Tournee wurde Katz aufgrund von Problemen mit seinem Reisepass durch Pierre Moerlen ersetzt, während Kris Sjobring Wagnon ablöste. Nach einer letzten Tournee im Jahr 1999 löste sich die Band ein zweites Mal auf.

Siebzehn Jahre später, im Sommer 2016, reformierten Goodsall und Jones Brand X ein drittes Mal. Gründungsmitglied John Goodsall starb am 11. November 2021. Nach Goodsalls Tod bestätigten die beiden Gründungsmitglieder Lumley und Jones am 14. November 2021 die Auflösung von Brand X. Robin Lumley starb am 9. März 2023.

Was macht eigentlich…Phil Collins?

Am 26. März 2022 erlebten die Fans in der Londoner O2-Arena das letzte Konzert von Genesis – und einen ziemlich angeschlagenen Phil Collins, der das Konzert nur noch auf einem Stuhl sitzend über die Zeit brachte. Ein trauriger Anblick, der fast einem körperlichen Zerfall gleichkam.

Schlagzeug spielen war schon eine ganze Zeit nicht mehr möglich, dafür nahm sein Sohn Nick den Platz des Vaters in der Band ein. Nach dem Eindruck, den ein kranker Phil Collins hinterließ, war man als Fan schon auf einiges gefasst, was eventuell kommen könnte.

Phil Collins im Januar 2026 (Quelle: PROG 172)

Doch jetzt, nach über 4 Jahren, stellt sich ein erholter Collins der Zeitschrift PROG zum Interview, der in diesem Jahr in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen werden soll, 16 Jahre nach der Aufnahme von Genesis selbst. Phil Collins ist einer von nur drei Künstlern in der Musikgeschichte, die sowohl als Solokünstler als auch als Bandmitglied 100 Millionen Alben verkauft haben (Paul McCartney und Michael Jackson sind die anderen).

Zwar ist er physisch noch eingeschränkt, nachdem er in den letzten Jahren eine harte Zeit durchgemacht hat, doch mit 75 Jahren, strahlt er Positivität aus. Im Interview äußert er sich zu seiner bisherigen Karriere, seinen liebsten Genesis-Momenten und gibt auch bereitwillig Auskunft zu seinen gesundheitlichen Problemen.

Oh ja, es geht mir besser. Ich habe einige ziemlich dunkle Zeiten durchgemacht. Das Thema Alkohol ist in diesem Interview ein paar Mal zur Sprache gekommen, aber ich war nie so betrunken, dass ich „umgefallen“ wäre. Das war es nicht. Ich habe einfach „normal“ getrunken, so wie man Wasser trinkt. Ich wachte auf, trank ein Glas Wein. Ich sah fern, las ein Buch, trank ein Glas Wein.

Und plötzlich hielten es manche Menschen innerlich nicht mehr aus. Bei mir brach alles zusammen. Mein Manager, Tony, rief alle Jungs in die Schweiz, um ein Treffen über mich und meine Zukunft abzuhalten. Denn irgendwann war es so etwas wie Lebenserhaltung. Nieren und Leber schwenkten die weiße Flagge. Ich stand kurz vor dem Tod, und ich hatte es nicht bemerkt. Ich dachte einfach nur, ich sei krank. Tja, das waren wirklich dunkle Zeiten. Ich habe viel Zeit im Krankenhaus verbracht. Nachdem ich das überstanden hatte, musste ich mich fünf Operationen am Knie unterziehen. Und ich habe ein Fallfußsyndrom. Deshalb habe ich die Krücken, nur zur Sicherheit – ich will ja nicht umfallen.

Aber körperlich bin ich jetzt, glaube ich, in Topform, 100 %. Ich habe hart daran gearbeitet. Ich trinke seit drei Jahren keinen Alkohol mehr. Ich mache dreimal pro Woche Physiotherapie, um wieder auf Vordermann zu kommen. Alles ist gut!

Übersetzung aus PROG ISSue 172

Neben dem PROG-Interview, gabe es auch noch weitere Interviews, in denen er weitere Details offenbarte. Demnach ist doch nicht alles so gut. So leidet er an Typ-2-Diabetes und Nervenschäden in den Händen. Auch die Wirbelsäule und die Knie bereiten ihm dauerhaft Probleme. Er ist auf Gehstützen angewiesen. «Das hört nicht auf», sagte er Anfang des Jahres im BBC-Podcast «Eras» von Zoe Ball. «Ich habe eine Pflegekraft, die rund um die Uhr bei mir wohnt und aufpasst, dass ich meine Medikamente richtig nehme. Alles, was bei mir schiefgehen konnte, ist auch schiefgegangen.».

Auf die Frage, ob er wohl noch neue Musik machen würde, antwortete Phil dem PROG-Interviewer Chris Roberts:

Ähm, ich werde jetzt auf keinen Fall „nein“ sagen. Ich habe immer noch mein kleines Studio, und ich würde gerne mal da runtergehen und einfach ein bisschen herumprobieren und sehen, was passiert. Es gibt ein paar Sachen, die ich fertigstellen könnte. Und andere Sachen, die schon fertig sind. Es ist also nicht völlig ausgeschlossen.

Übersetzung aus PROG ISSue 172

Im September erscheint die 45th Anniversary Variante des 1981er Albums Face Value auf Vinyl und Blu-ray. Das Album wurde in den USA und Großbritannien allein aufgrund der tatsächlichen physischen Verkäufe offiziell mit 5-fach Platin ausgezeichnet. Allein im Streaming-Zeitalter hat „Face Value“ bis heute über 2,4 Milliarden Streams gesammelt, wobei die Zahl der monatlichen Hörer weiterhin rasant wächst und zwischen Juli 2025 und Juli 2026 um 17 % auf über 42 Millionen gestiegen ist. Im April 2026 erreichte In The Air Tonight offiziell 1 Milliarde Streams auf Spotify und wurde damit in den „Billions Club“ aufgenommen. [Quelle]

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