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Beiträge zur Musik und mein Senf zu anderen Dingen

Peter Gabriel und der Vollmond

Wie schon bei seinem letzten Album „i/o“ von 2023, gibt es seit Januar zu jedem Vollmond des Jahres einen neuen Track bei Bandcamp – wieder im „Bright-Side Mix“ oder im „Dark-Side Mix“. Es wird wieder zum Neumond den jeweils anderen Mix geben. Und es wird auch wieder jedem Song ein Kunstwerk zugeordnet.

Das neue Album hat 12 Tracks, auch wenn das Jahr 13 Vollmonde hat. Und es wird zum Jahresende ein Erscheinen des kompletten Albums auf Tonträger geben.

One By One-Cover: Pieces by David Altmejd. www.davidaltmejd.net

Im Juli erschien der Song „One by One“ und darin ist Mozo wieder auferstanden. Mozo ist ein Außenseiter, der namentlich im Song On The Air auf seinem zweiten Soloalbum Peter Gabriel (Scratch) auftauchte und dort mit seinen rebellischen Radioausstrahlungen ein Held zu sein versuchte.

I got power, I'm proud to be loud; my signal goes out clear
I want everybody to know that Mozo is here

Gabriel schrieb noch weitere Songs rundum die Lebensumstände dieser Figur und verteilte sie auf mehrere Alben. Ursprünglich war gedacht, daraus ein größeres Ganzes entstehen zu lassen, aber das Projekt wurde nach dem Album „So“ nicht mehr weitergeführt. „One by One“ ist ein neunminütiges Epos, dessen tiefgründiger Text sich langsam zur Musik aufbaut.

Mozo war ein gebrochener Mann / er lag auf seinem Land / jedes Haus, das er entworfen hatte / versank im Sand / und die Einheit stachelte ihn an / wegen seines zerbrochenen Herzens / erinnerte ihn daran, wie es war / so felsenfest am Anfang

„Ich wollte schon immer ein bisschen mehr mit Mozo machen, … und ich dachte: ‚Na gut, dann geben wir ihm hier noch eine Chance‘“, sagte Gabriel zu dem Song. „Er wurde von den Toten zurückgebracht.“

Im August ist nun „Looking for the Happy“ erschienen, es ist der neunte Song, der aus dem kommenden Peter-Gabriel-Album „o\i“ veröffentlicht wurde. Gabriel dazu:

Das Cover von „Looking for the Happy“ trägt den Titel „Closed Circuit II“ von Tishan Hsu.

„Ich fand es schon immer viel einfacher, traurige Lieder zu schreiben als fröhliche, und ich dachte mir: Okay, hier werde ich mich selbst herausfordern. Ich wollte den Song auf einem Groove aufbauen, der zum Tanzen verleitet – es fühlte sich an, als würde dadurch eine gewisse Freude freigesetzt. Obwohl es hier um die Suche nach Glück geht, musste der Refrain sich wie ein Fest anfühlen.

Wenn man herausfinden kann, was einen heute, im Hier und Jetzt, glücklich macht und wofür man dankbar ist, ist das meiner Meinung nach eine viel schönere Reise – ein besseres Fahrzeug, um damit zu fahren – und je älter ich werde, desto weniger versuche ich, zu meckern. In dem Song spreche ich davon, zu versuchen, mit Tieren zu kommunizieren oder eine Verbindung zur Natur herzustellen, oder unter der alten Eiche mit einer Tasse Tee zu sitzen und das zu genießen. Die einfachen Dinge – sich dem Guten zu öffnen, während wir damit beschäftigt sind, über das Schlechte zu jammern.

„Der Versuch, herauszufinden, wo man im Leben hingehört – darüber schreibe ich sehr oft. Auch sich mit zwei widersprüchlichen Gedanken gleichzeitig anzufreunden, gehört zum Älterwerden dazu – so wie Teil von allem und gleichzeitig Teil von nichts zu sein.“

„Das war einer dieser Songs, die mit einem Groove begannen, ursprünglich einem Groove mit lateinamerikanischem Flair. Der Groove ist mir immer so wichtig; wenn ich ihn nicht in meinem Körper spüre, ist alles viel schwieriger. Natürlich gibt es auch Songs, die ich schreibe, die nicht auf einem Groove basieren, aber bei diesem hat er eindeutig dazu beigetragen, den Song zu formen. Ich bin immer glücklich, wenn der Groove erst einmal in Schwung kommt – er gibt mir eine Richtung vor und macht es einfach, den Song durchzuspielen und verschiedene Ideen auszuprobieren. Dann kann ich mich jederzeit im Studio umsehen und überall glückliche Gesichter sehen, und ich denke: „Deshalb mache ich Musik.“

Ende September kommt dann der nächste Song.

Die Musik von Frank Zappa

Ein Buch, auf das ich erst jetzt gestoßen bin. Es stammt von Ben Watson, der einen unverzichtbaren Leitfaden geschrieben hat, für Fans der Musik von Frank Zappa, einem der produktivsten und unberechenbarsten Persönlichkeiten der Musik des 20. Jahrhunderts.

Eine gründliche Analyse von Zappas gesamter Diskografie, von den Anfängen mit den Mothers of Invention über seine avantgardistischeren Kompositionen bis hin zu seinen jüngsten posthumen Veröffentlichungen. Das Buch beinhaltet eine Analyse Album für Album, eine vollständige Zappa-Bibliografie, Angaben zu Zeit und Ort der Aufnahmen einschließlich aller mitwirkenden Künstler, einen Sonderteil zu Compilations sowie Archiv- und Bootleg-Veröffentlichungen. Das Buch erschien bereits 1998, wurde 2005 in überarbeiteter Form neu veröffentlicht.

Im Vorwort seines Buches schreibt Watson:

DIE MUSIK VON FRANK ZAPPA IST VOR ALLEM EINE PROVOKATION, EIN SCHLAG INS GESICHT für den Mainstream-Geschmack. Leg eine seiner Platten auf, und schon ist Streit vorprogrammiert. Seine Kritiker sind zahlreich, aber seine Fans sind es ebenso. Dieser Leitfaden erhebt keinen Anspruch auf Unvoreingenommenheit. Für den Verfasser dieses Artikels war Zappa als Rockgitarrist nur Hendrix unterlegen – und als Komponist, Produzent, Bandleader und Interviewpartner war er im Rock überhaupt niemandem unterlegen, vielen Dank auch.

Zu unserem Glück – jetzt, da er nicht mehr unter uns ist – verbrachte Zappa den Großteil seiner Zeit auf diesem Planeten unten in seinem Kellerstudio, wo er diese seltsamen kleinen Artefakte namens „Alben“ schuf: raffinierte Zusammenstellungen aus Klängen, Worten und Bildern. Seine Platten waren so detailreich, kunstvoll und facettenreich, dass Zappologen auf der ganzen Welt sie noch immer entschlüsseln – aber hier sind sie nun, vollständig und korrekt, in einem umfassenden Leitfaden.

aus dem Englischen übersetzt

Das Wesentliche an Zappa ist die Musik. Deshalb war er in Europa so erfolgreich. Seine Texte sind für Fans oft ein völliges Rätsel, das gilt auch für englischsprachige Zuhörer*innen. Gegen Ende seines Lebens wurde Zappa vom „Simpsons“-Schöpfer Matt Groening gebeten, das Konzept der Zeit näher zu erläutern. „Ich glaube, dass alles ständig geschieht“, antwortete er, „und dass der einzige Grund, warum wir Zeit linear begreifen, darin liegt, dass wir dazu konditioniert sind. Das liegt daran, dass die menschliche Vorstellung von Dingen lautet: Sie haben einen Anfang und ein Ende. Ich glaube nicht, dass das unbedingt wahr ist. Ich stelle mir Zeit als eine Konstante vor, als eine sphärische Konstante …“ Zappa war begeistert, als er diese Idee in Stephen Hawkings „Eine kurze Geschichte der Zeit“ wiederfand.

Als Frank Zappa starb, mussten viele Journalisten kurze Würdigungen verfassen. Eine übliche lautete in etwa: „Rockgitarrist und Skatologe [eine Person, die sich auf die wissenschaftliche Erforschung von Exkrementen spezialisiert hat] der Sechziger, der sich zu einem klassischen Komponisten und Mediensprecher entwickelte“. Dabei wurde die Tatsache außer Acht gelassen, dass Zappa bereits Partituren komponierte, bevor er überhaupt die Gitarre in die Hand nahm, und dass alles, was er jemals sagte oder tat, selbst, wenn er Symphonieorchester dirigierte, einen satirischen, medienkritischen Unterton hatte. Wenn er etwas „Neues“ vorstellte, konnte man sicher sein, dass es etwas war, über das er schon seit Jahren, vielleicht sogar schon immer, nachgedacht hatte; und dass die Empörung, die es hervorrufen würde, ebenfalls schon im Voraus angedeutet war.

Zappas raffiniertester Trick, und einer, der unter Zappologen noch immer wilde Spekulationen auslöst, war seine Fähigkeit, Trends und Absurditäten des Musikgeschäfts zu parodieren, noch bevor sie überhaupt auftauchten. Das Nachverfolgen von Zappas Anspielungen kann scheinbar vernünftige Menschen immer noch in Besessene verwandeln, die wilde Theorien entwickeln, um seinen Hintergründen auf die Spur zu kommen.

Zu ihrer Verteidigung lässt sich jedoch sagen, dass sich dieser Wahnsinn lohnt, weil Zappas Musik so unverwechselbar ist, voller wahnsinnig schöner Melodien, unkonventioneller, mitreißender Rhythmen und Harmonien. Ben Watson schreibt dazu:

„Die meiste Musik – die meiste Kultur – wird heutzutage anhand einer Liste „politisch korrekter“ Grundsätze beurteilt, die sowohl spießig als auch zimperlich sind. Zappa sprengt die PC-Moralisten in die Luft und bietet seinen Zuhörern stattdessen ein schillerndes ästhetisches Erlebnis. Wenn die Reaktion lautet: „Ich bin hip, aber natürlich bin ich beleidigt“ (wie Zappa es einmal charakterisierte), umso schlimmer für die konventionellen Sitten und ihre verstopften Ohren!“

aus dem Englischen übersetzt

Am 4. Dezember 1993 war Zappas Tod durch Prostatakrebs ein ziemlich endgültiges „Ende“. Doch sein Werk lebt weiter, vor allem dank der Entscheidung von Rykodisc (und dem Zappa-Clan), den gesamten Katalog im Sortiment zu behalten und ihn durch neue Veröffentlichungen aus dem riesigen Zappa-Fundus zu erweitern.

Ben Watson, Frank Zappa – the Complete Guide to his Music
Omnibus Press, London  2005,
ISBN 1-84449-865-4

Blues, Schmus, Apfelmus

nein, kein Scherzspruch! So heißt ein Bluesfestival, das vom 21. – 23.08.26 bereits zum 31. Mal im Schloßpark Laubach stattfand.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich jetzt das erste Mal dabei war. Und es war großartig! Tolles Ambiente, super Organisation und wundervolle Blueskünstler*innen – mit einigen (unerwarteten) Höhepunkten. Dazu zählten für mich:

Highlight am Samstag war für mich die Band Evil MaMa aus Krumbach mit der umwerfenden Sängerin Alexandra Jörg, dem Supergitarristen „Konsti“ Konstantin Saloustros, Drummer Seren und Bassist Christoph. Unglaublich was der Konsti aus seinen 5 Gitarren alles herausgezaubert hat, dabei ist er gerade 17 Jahre (Jahrgang 2009) und bereits 2-facher Landes- und Bundespreisträger bei Jugend Musiziert.

Ein Blues-Festival, das absolut zu empfehlen ist – nicht nur wegen der super Eintrittspreise.

Hier gibt es einige akustische Impressionen vom Festival:

Muddy What?

Dede Priest & Johnny Clark’s Outlaws

Elise Frank Band

Jim Kahr & Band

Leider kein Video vom Laubach Festival, dafür aber eines aus Augsburg vom Mai 2026, weniger Konsti, mehr Alexandra Jörg:

Evil Mama – I‘d rather go blind – Live at Bombig, Augsburg

The 32/20 Blues Band

Playlist 08-2026

ArtistSongAlbum
Inga RumpfIndian Rope ManBest Of All My Years (1997)
Pinkie RideauBlues BinFrom The Wreckage (2026)
Lee SmallNeon HeartbeatThe Last Man On Earth (2023)
Damage ControlAliceRaw (2009)
Francis RossiSomething in the Air (Stormy Weather)The Accidental (2026)
The ClockworksWork In ProgressThe Entertainment (2026)
The Rolling StonesIn The StarsForeign Tongues (2026)
Deep PurpleJessica’s BraSplat (2026)
Ludwig HartBoys Gone WildStay Young (2024)
SemisonicClosing TimeThe Millennium Collection (2003)
BlumfeldDie Diktatur der AngepasstenNackter als nackt (Live in Berlin 2007) (2026)
Jupiter JonesPaul McCartney stirbtIch trag den Sarg, Du trägst was Buntes (2026)
Andreas Diehlmann BandCold Wind On A Dark Black NightCold Wind On A Dark Black Night (2026)

wiederHÖREN

GIL SCOTT-HERON
The Revolution Will Not Be Televised (Reissue 1974)

Diese Veröffentlichung aus dem Jahr 1974 enthält Höhepunkte aus Gil’s ersten drei Alben beim Label Flying Dutchman. Tracks aus seinem von den Last Poets inspirierten Debütalbum von 1970 – wie das sarkastische „Whitey On The Moon” und die scharfe Attacke auf Nixons Justizminister John Mitchell, „No Knock“ – sind mit Titeln gemischt, die nur wenige Jahre später aufgenommen wurden und fast von einem völlig anderen Künstler stammen könnten: dem intensiven, gefühlvollen „Get Out Of The Ghetto Blues“ oder den überraschend zarten Balladen „Did You Hear What They Said?“ und „Pieces Of A Man“.

Diese Neuauflage enthält wieder das schöne Cover der Original-LP, aber vor allem auch zwei Säulen von Gil’s Musik – den von Fender Rhodes angeführten Funk von „Lady Day And John Coltrane“ und den wunderbaren Groove des Titelsongs, der immer aufregend zeitgemäß klingen wird.

Unbedingt lesen!

Wolfgang Schorlau, den Namen kannte ich bisher nur durch die Verfilmung von drei seiner Bücher mit der Titelfigur Dengler, einem ehemaligen BKA-Zielfahnder, der jetzt als Privatdetektiv arbeitet. 1

Ich war gespannt, wie sich die literarischen Vorlagen lesen lassen. 2 Und so begann ich mit dem ersten Band „Die blaue Liste“ und arbeitete mich immer weiter vor, bis zum fünften Fall „Das München-Komplott“, ein Buch, das mich „fesselte“ und sprachlos zugleich machte.

Den Hintergrund liefert der verheerende Anschlag auf das Münchner Oktoberfest 1980, bei dem 13 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt wurden. Ich habe mich erst durch dieses Buch näher damit befasst, für mich war das Attentat in Vergessenheit geraten. Für die ermittelnden Behörden war damals schon nach wenigen Tagen klar: Der bei dem Attentat ums Leben gekommene Gundolf Köhler hat die Bombe in einem Papierkorb versteckt und gezündet. Alle Indizien, die einer Einzeltäterthese widersprachen, wurden ignoriert, ebenso wie der neonazistische Hintergrund. Und so ist eine vollständige und umfassende Aufklärung bis heute noch nicht erfolgt.

Man kann es zwar nicht glauben, aber die Basis des Buches ist nicht Fiktion sondern Realität. Das wahre Ausmaß der Verstrickungen von LKA und Geheimdiensten ist wirklich schockierend. Man kann sich nur schwer vorstellen, dass so etwas in unserer Zeit wirklich möglich ist. Nach dieser Lektüre und den zugrundeliegenden Quellen sieht das jedoch anders aus. 3

Wolfgang Schorlau hat einen politischen Krimi geschrieben, der die Machenschaften von Geheimdiensten aufdeckt und uns vor Augen führt, wie wenig wir von unseren und anderen staatlichen „Aktionen“ wirklich wissen.

Sowohl die Verstrickung staatlicher Organe in das Attentat als auch die Verhinderung einer vollständigen Aufklärung der damaligen Geschehnisse scheinen beileibe keine pure Fiktion zu sein. Dieser Eindruck wird durch das im Anhang des Buches abgedruckte „Field Manual 30-31“ des US-amerikanischen Geheimdienstes sowie das ausgesprochen informative Nachwort des Autors noch unterstrichen.

aida-Archiv

Dieses Buch ist gewissermaßen eine Pflichtlektüre (nicht nur) für Fans intelligenter Krimis mit zeitgeschichtlichem Hintergrund.

Wolfgang Schorlau (2009): Das München-Komplott. KiWi Paperback 1114, 336 Seiten, ISBN 978-3-462-04132-3

Anmerkungen:

  1. z.B. Dengler – Die letzte Flucht (in dem es um die Machenschaften der Pharmaindustrie geht) ↩︎
  2. Bisher sind 11 Bände erschienen. Dengler’s 12. Fall „Das kalte Werk“ erscheint im November 2026. ↩︎
  3. z.B. Daniele Ganser: Nato-Geheimarmeen in Europa: Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung, Neuauflage 2022 (Dokumente belegen, dass die von den USA angeführte Militärallianz nach dem Zweiten Weltkrieg in allen Ländern Westeuropas geheime Armeen aufgebaut hat, welche von den Geheimdiensten CIA und MI6 trainiert wurden. Ihr Ziel: im Falle einer sowjetischen Invasion als Guerilla zu kämpfen, um die besetzten Länder wieder zu befreien. Doch dabei ist es nicht geblieben. Gezielt wurden Attentate gegen die eigene Bevölkerung ausgeführt, um Unsicherheit zu erzeugen und den Ruf nach einem starken Staat zu unterstützen. ↩︎

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