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Beiträge zur Musik und mein Senf zu anderen Dingen

„Stimmt es, dass…?“

MIT VIERTAGEWOCHE UND WORK-LIFE-BALANCE WERDEN WIR DEN WOHLSTAND DIESES LANDES NICHT ERHALTEN KÖNNEN.
Friedrich Merz

Im neuen ARTE-Webmagazin „Stimmt es, dass …?“ werden Woche für Woche verbreitete Annahmen hinterfragt – mit überraschenden Thesen, fundierten Erklärungen und neuen Perspektiven. Die Folge zur Frage „Stimmt es, dass wir früher alle mehr geschuftet haben?“ zeigt: Entscheidend sind nicht die reine Arbeitszeit oder körperliche Anstrengung, sondern die Art und Weise, wie wir heute arbeiten – und was wir dabei von uns selbst erwarten.

Sendung zum Thema am 18. Juni 1025 auf arte.tv

„Das ist das Paradox der Beschleunigung“, sagt Anna Schaffner, Schriftstellerin, Burn-out-Coach und ehemalige Professorin für Kulturgeschichte, im Gespräch mit dem ARTE Magazin. „Das Freizeitversprechen der Technologisierung wurde nie eingelöst – stattdessen füllen wir eingesparte Zeit mit neuen Aufgaben.“ Während früher Muskelkraft gefragt war, ist heute das Denken selbst zu einer der wichtigsten Ressourcen geworden – oft unter Dauererreichbarkeit, Multitasking und steigendem Effienzdruck.

„Im Gegensatz zur körperlichen Arbeit respektieren wir bei geistiger Arbeit keine Grenzen“, betont Schaffner. „Wir denken, wir können einfach so ohne Pause zehn, zwölf Stunden arbeiten.“ Dabei werde vergessen, dass auch unser Gehirn und die Psyche dringend Erholungsphasen benötigen. Die Folge ist oftmals eine stille, schleichende Erschöpfung, die schwerer zu erkennen ist als körperliche Überlastung – und gesellschaftlich lange verharmlost wurde. „Zu einem gewissen Grad ist Burn-out tatsächlich gesellschaftlich validiert“, sagt Schaffner. „Wir haben der Arbeit alles und mehr gegeben, und das ist heldenhaft.“

Hinzu kommt: Arbeit ist heute nicht mehr nur Broterwerb, sondern für viele Menschen eine Quelle für Identität, Sinn und gesellschaftliche Wertschätzung. Schaffner spricht von einer Verschiebung unseres Selbstverständnisses: „Wir erwarten von unserer Arbeit, dass sie uns Sinn und Bedeutung vermittelt. Eine Existenzlegitimierung.“ Und noch etwas hat sich verändert: Während der Feierabend früher eine klare Grenze zog – das Fabriktor schloss sich, der Arbeitstag war beendet –, verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit zunehmend.

Smartphones, E-Mails und andere Kommunikationsplattformen machen es
möglich, dass Arbeit immer und überall stattfinden kann – das ist praktisch, aber eben auch belastend. Arbeit werde heutzutage oft überbewertet, findet Schaffner. Unsere Zeit sei gekennzeichnet von einem „enormen Suchtpotenzial unserer Informations- und Kommunikationstechnologien und dem nie nachlassenden psychosozialen Druck, den uns die neoliberale Wettbewerbsgesellschaft aufbürdet“. Wie aber können wir dem ständigen Selbstoptimierungszwang entfliehen – oder zumindest rechtzeitig erkennen, dass unsere Kräfte erschöpft sind?

AUSGEBRANNT – UND JETZT?
Erschöpft zu sein, bedeutet nicht gleich, kurz vor dem Burnout zu stehen. Es hat „immer innere und äußere Ursachen“, erklärt Schaffner. Zu den äußeren Hauptursachen für einen Burn-out zählen eine unfaire Behandlung am Arbeitsplatz, ein nicht zu bewältigendes Arbeitspensum, fehlende Rollenklarheit, Kommunikationsdefizite sowie unangemessener Zeitdruck. Aber auch fehlende Kontrolle oder Wertekonflikte können eine Rolle spielen. Nicht selten, so Schaffner, erschöpfen wir uns zusätzlich durch eigene psychologische Kämpfe: einen lauten inneren Kritiker, lähmenden Perfektionismus oder überhöhte Erwartungen an uns selbst.

Wenn selbst die Beziehungen zur Partnerin oder zum Partner und zu Freunden zur Belastung werden, die Sorge um das eigene körperliche Wohl schwindet, Gereiztheit den Alltag bestimmt und sich ein sozialer Rückzug bemerkbar macht, wird es Zeit, genauer hinzusehen. Weitere Burn-out-Anzeichen können Durchschlafstörungen, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Tinnitus und nächtliches Zähneknirschen sein, wie der Facharzt für psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Till Bugaj, in der Süddeutschen Zeitung erklärt: „Betroffene fühlen sich emotional erschöpft und ausgelaugt, sind oft chronisch müde, fahrig, unkonzentriert und vergesslich.“ Was hilft, ist das kritische Hinterfragen unseres Arbeitsverständnisses und unserer Beziehung zur Arbeit, sagt Anna Schaffner. Doch sie ist optimistisch, dass eine gesunde Work-Life-Balance „zum neuen Statussymbol wird“.

Quelle: ARTE Magazin 06/25, Seite 18 - Bildquelle: Pixabay

Zum Thema:
STERN Nr. 23 vom 28.5.2025 – Merz macht Druck. Sind wir wirklich zu faul?

Lust auf ein Quiz?

Genesis haben 15 Studioalben veröffentlicht. Von einem Teil der Alben siehst du hier die Cover.

Violine in der Rockmusik

Foto: Ylanite Koppens

Einige Highlights:

Dixie Dregs – Take It Off The Top (What If, 1978)
The Flock – Tired Of Waiting (The Flock, 1969)
Frank Zappa – Directly From My Heart To You (Weasels Ripped My Flesh, 1970)
It’s a Beautiful Day – Bombay Calling (It’s a Beautiful Day, 1969)
Kansas – Desperate Times (Freaks Of Nature, 1995)
Jefferson Starship – Git Fiddler (Red Octopus, 1975)
Curved Air – Vivaldi (Air Conditioning, 1970)
City – Am Fenster (Am Fenster, 1978)
Subway To Sally – Ohne Liebe (Nackt, 2006)
Dexy’s Midnight Runners – Come On Eileen (Too-Rye-Ay, 1982)
Immaculate Fools – Sad (Another’s Man‘ World, 1990)
Levellers – Hope St (Zeitgeist, 1995)

Toller Bluesrock aus der Schweiz

Fünf Alben haben sie seit 2019 veröffentlicht, ihr Bekanntheitsgrad hält sich jedoch (noch) in Grenzen. Leider muss ich sagen. Denn die Schweizer Ellis Mano Band spielt auf ihren Alben eine tolle Mischung aus Rock, Blues und Soul.

Die Ellis Mano Band wurde 2017 von Chris Ellis (Gesang) und Edis Mano (Gitarre) gegründet wurde; außerdem gehören aktuell Severin Graf (Bass), Nico Looser (Schlagzeug) und Lukas Bosshardt (Keyboard) dazu.

Es ist eine sehr eingespielte und erfahrene Band, wie ihre früheren Arbeiten und ihr neuestes Projekt „Morph“ beweisen. Die ersten öffentlichen Auftritte von „Morph“ fanden 2024 im Vorprogramm der Deutschlandtournee von Deep Purple statt, was die Bedeutung der Band unterstreicht.

Ihre Alben sind gekennzeichnet durch wuchtige und rockige Songs, die von der kräftigen Stimme von Chris Ellis ebenso getragen werden wie die Balladen, seien sie leicht und flockig oder schwer und bluesgetränkt. Den Style der Ellis Mano Band bezeichnet Gitarrist Chris Mano als „Rock’n’Soul, tief verwurzelt im Blues”. Mano ist ein „technisch tadellos, geschmackvoll und stilistisch überaus einfallsreich spielender Musiker“ (so das Fachmagazin „Gitarre & Bass“), der auch die Alben seiner Band produziert.

Sie touren hauptsächlich durch die Schweiz und Deutschland. Wer die Gelegenheit bekommt sie zu sehen, sollte es unbedingt tun.

Sage nein!

Bereits über 30 Jahre alt ist dieses Lied von Konstantin Wecker. Und leider immer noch aktuell.

Sein Text weist Parallelen zu Wolfgang Borcherts Dann gibt es nur eins! auf. Auch dort werden verschiedene Personen angesprochen mit der konkreten Aufforderung, kriegsfördernde Handlungen zu unterlassen. Konstantin Wecker variiert den Text bei Auftritten und Aufnahmen. So passt er auch den Inhalt immer wieder aktuellen Entwicklungen an.

Original Songtext:

Wenn sie jetzt ganz unverhohlen
wieder Nazi-Lieder johlen,
über Juden Witze machen,
über Menschenrechte lachen,
wenn sie dann in lauten Tönen
saufend ihrer Dummheit frönen,
denn am Deutschen hinterm Tresen
muß nun mal die Welt genesen,
dann steh auf und misch dich ein:
Sage nein!

Meistens rückt dann ein Herr Wichtig
die Geschichte wieder richtig,
faselt von der Auschwitzlüge,
leider kennt man´s zur Genüge –
mach dich stark und misch dich ein,
zeig es diesem dummen Schwein:
Sage nein!

Ob als Penner oder Sänger,
Bänker oder Müßiggänger,
ob als Priester oder Lehrer,
Hausfrau oder Straßenkehrer,
ob du sechs bist oder hundert,
sei nicht nur erschreckt, verwundert,
tobe, zürne, misch dich ein:
Sage nein!

Und wenn aufgeblasne Herren
dir galant den Weg versperren,
ihre Blicke unter Lallen
nur in deinen Ausschnitt fallen,
wenn sie prahlen von der Alten,
die sie sich zu Hause halten,
denn das Weib ist nur was wert
wie dereinst – an Heim und Herd,
tritt nicht ein in den Verein:
Sage nein!

Und wenn sie in deiner Schule
plötzlich lästern über Schwule,
schwarze Kinder spüren lassen,
wie sie andre Rassen hassen,
Lehrer, anstatt auszusterben,
Deutschland wieder braun verfärben,
hab dann keine Angst zu schrein:
Sage nein!

Ob als Penner oder Sänger,
Bänker oder Müßiggänger,
ob als Priester oder Lehrer,
Hausfrau oder Straßenkehrer,
ob du sechs bist oder hundert,
sei nicht nur erschreckt, verwundert,
tobe, zürne, misch dich ein:
Sage nein!

Ob als Penner oder Sänger…

Sag nein!
Sag nein!
Sag nein!

Refrain 2020:

Ob als Cellistin oder Sänger
als Sozialhilfeempfänger
ob als Dragqueen, Ärztin, Lehrer
Hausmann oder Straßenkehrer,
ob du sechs bist oder hundert,
sei nicht nur erschreckt, verwundert,
tobe, zürne, misch dich ein:
Sage nein!

Ob Psychologin oder Sänger
ob Sozialhilfeempfänger
ob als Dragqueen, Ärztin, Lehrer
Hausmann oder Straßenkehrer,
ob du sechs bist oder hundert,
sei nicht nur erschreckt, verwundert,
tobe, zürne, misch dich ein:
Sage nein!

(Textmitarbeit: Sarah Straub und Tamara Banez)

Hörtipp: Sound On Purpose – Voyage (2024)

Sound On Purpose ist ein Projekt des Musikers Frank Tischer aus dem hessischen Fulda. Dieser hat in der Vergangenheit bereits vorwiegend unter eigenem Namen Musik veröffentlicht, die vorwiegend dem Elektronik-Bereich zuzuordnen ist.

Seit einigen Jahren kooperiert Tischer auch mit mehreren anderen Projekten und Musikstilen, z.B. als Teil der Miller Anderson Band, genauso wie seine beiden Kollegen. Das Debütalbum von Sound On Purpose „Cosmic Tales“ erschien 2023, der Nachfolger „Voyage“ ein Jahr darauf.

Frank Tischer – Keyboard und Elektronik
Tommy Fischer – Schlagzeug
Klaus Marquardt – E-Geige

Tracks:

1 – SOP Overture
2 – Still is it not too late
3 – Miss Butterfly
4 – Orient Express
5 – Moonlanding: a) Opening b) Moonlanding
6 – Comet Song
7 – Panta Rhei
8 – Lugaus

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