DikoWeb

Beiträge zur Musik und mein Senf zu anderen Dingen

JIM-Studie 2023

Seit 1998 wird mit der JIM-Studie (Jugend, Information, Medien) im jährlichen Turnus eine Basisstudie zum Medienumgang der Zwölf- bis 19-Jährigen durchgeführt. Neben einer aktuellen Standortbestimmung sollen die Daten zur Erarbeitung von Strategien und Ansatzpunkten für neue Konzepte in den Bereichen Bildung, Kultur und Arbeit dienen.

Die JIM-Studie ist als Langzeitprojekt angelegt. So werden einerseits allgemeine Entwicklungen und Trends kontinuierlich abgebildet und dokumentiert, gleichzeitig werden in den einzelnen Untersuchungen spezifische Fragestellungen realisiert, um aktuelle Medienentwicklungen aufzugreifen.

Musik ist ein zentrales Element, das zur Identitätsfindung Jugendlicher dazugehört. Wie vor 25 Jahren gehört das Hören von Musik auch heute zu den häufigsten Medienaktivitäten. Die Zugangswege haben sich jedoch stark erweitert. Heute ist der Zugang zu Musik über verschiedenste Wege möglich. 79 Prozent der in der JIM-Studie 2023 Befragten haben zu Hause Zugriff auf einen Musikstreaming-Dienst wie Spotify, Apple music, Amazon Prime music oder YouTube music. Die große Bedeutung von Musikstreaming-Diensten im Alltag wird auch mit Blick auf die Nutzungsdauer deutlich.

An einem durchschnittlichen Tag hören Jugendliche nach eigener Einschätzung 115 Minuten Musik über Spotify & Co., wobei Mädchen (124 Min.) eine höhere Nutzung aufweisen als Jungen (106 Min.). Im Altersverlauf werden Musikstreaming-Dienste tendenziell immer beliebter (12-13 Jahre: 72 Min., 14-15 Jahre: 111 Min., 16-17 Jahre: 146 Min., 18-19 Jahre: 130 Min.). Der Rückgang im Alter von 18-19 Jahren könnte auf die mangelnde Zeit durch Abitur oder Ausbildung/Arbeit zurückzuführen sein. Im Vergleich zu 2022 ist die durchschnittliche Nutzung insgesamt um 17 Minuten angestiegen.

Radio als weiterer Zugangsweg zu Musik, Nachrichten und weiteren Inhalten wird von 58 Prozent der Jugendlichen regelmäßig gehört und ist damit in den letzten Jahren stabil geblieben (2022: 57 %, 2021: 58 %, 2020: 58 %). Weitere 15 Prozent hören einmal pro Woche Radio, 13 Prozent einmal pro Monat oder seltener, 13 Prozent hören nie Radio. Mädchen weisen eine etwas höhere regelmäßige Radionutzung auf (Mädchen: 62 %, Jungen: 55 %). Mit zunehmendem Alter geht die regelmäßige Nutzung etwas zurück.

Ein weiteres Element der Audionutzung stellen Podcasts dar. Zwei Drittel der Jugendlichen hören Podcasts, 22 Prozent nutzen sie regelmäßig. Dabei bestehen zwischen den Geschlechtern keine großen Unterschiede.

Ausführlich hier nachzulesen.

Mein Album der Woche

Anna Erhard – Botanical Garden (2024)

Es kann schwierig sein, die großen Themen des Lebens zu verarbeiten – von Beziehungsproblemen und Arbeitslosigkeit bis hin zu Krieg und politischen Unruhen – sowie die kleinen Frustrationen, die jeden Tag auftreten. Viele von uns lassen sich ihren Tag leicht durch etwas ruinieren, das im Großen und Ganzen keine Rolle spielt. Doch Anna Erhard liefert auf ihrem dritten Album „Botanical Garden“ ein Gegenmittel – manchmal brauchen wir einfach nur ein bisschen Spaß.

Vorweg – das einzig Negative an diesem Album für mich: es ist mit seinen 9 Songs zu kurz!

Mit jedem Song fügt Erhard einem Problem, mit dem sie konfrontiert ist, einen komödiantischen/ironischen Dreh hinzu. Sei es eine scheinbar unbedeutende Debatte darüber, ob sie oder ihr Freund größer ist. In dem Song „B.M.G Academy“ drückt sie zum Beispiel ihr Desinteresse daran aus, die „Blue Man Group“ live zu sehen, nachdem ihr Freund der Gruppe beigetreten ist, und erklärt, dass er mehr verdient als jeder andere Musiker, den sie kennt – und das, obwohl die Band auf einem Trick beruht. „Die Songs, die ich anfangs schrieb, waren wirklich groß und universell“, bemerkt sie. „Jetzt habe ich das Gefühl, dass ich mein Schreiben auf das Kleinstmögliche reduziere, fast.“

Anna Erhard ließ sich für den Song „Botanical Garden“ von einer scherzhaften Google-Bewertung inspirieren, in der es hieß, dass man in der Mitte des Atlantiks schlecht parken könne.

Ich habe diese Google-Bewertung von einem Mann gelesen, der sich über die schlechte Parkplatzsituation mitten im Atlantik beschwerte. Ich glaube, so habe ich angefangen, das Lied zu schreiben, und schließlich wurde diese Person, die unglaublich voreingenommen ist und sich über nichts freuen kann, nicht einmal über die Blumen im Botanischen Garten, zum Leben erweckt. Es macht mir auf jeden Fall Spaß, aus der Perspektive einer total unglücklichen Person zu schreiben.

Jeder Song auf ‚Botanical Garden‘ hat seine eigene Note, wobei Anna Erhard zwischen flotten Gitarrensongs und schräger Elektronik, die Laurie Andersons Pop-Crossover würdig ist, hin und her springt. All das wirkt stellenweise ziemlich banal, aber gleichzeitig auch witzig und eingängig.

 

47. Göttinger Jazzfestival

In knapp 2 Monaten findet das 47. Göttinger Jazzfestival statt. Und wieder hat es das Organisationsteam geschafft, ein höchst interessantes und abwechselungsreiches Programm zusammenzustellen.


Vom 01. -09. 11.24 finden an diversen Orten in und um Göttingen vielseitige Veranstaltungen statt: Film, Poetry-Slam, ein Vortrag über den Mythos des
Jazz als politische Musik und natürlich jede Menge Live-Musik.

Das Programm könnt Ihr unter www.jazzfestival-goettingen.de einsehen oder durch Klick auf das Plakat herunterladen.

Mein Tipp:

Einen kleinen Vorgeschmack auf Iiro Rantala (allerdings solo 2015) gibt es hier zu sehen und zu hören:

Herumgestöbert: Szenekneipe

Per Zufall bin ich auf diese Arbeit gestoßen, die mich an eine wissenschaftliche Untersuchung erinnert hat, die von Franz Dröge und Thomas Krämer-Badoni stammt, „Die Kneipe. Zur Soziologie einer Kulturform oder „Zwei Halbe auf mich!“ aus dem Jahr 1987.

Also habe ich mal ein bisschen „quer“ gelesen im „Kommunikationsraum Szenekneipe“.

Und wann wart Ihr zuletzt in einer Szenekneipe? Was ist das überhaupt, was kennzeichnet sie, welche Relevanz hat sie für eine gewisse Lebensspanne, welche Kommunikationsstrukturen findet man dort und welche Bedeutung hat sie als Ort der Selbstinszenierung und des Selbstmarketing?

Das sind nur einige Punkte, welche Anneli Starzinger in ihrer Studie berührt, die in erster Linie auf teilnehmender Beobachtung sowie Tiefeninterviews mit Betreibern, Personal und Gästen von Szenekneipen und Befragung mit standardisierten Fragebögen basierte. Durch eine Fragebogenaktion wurden jeweils 200 Personen in Essen und in Bonn aufgefordert, einmal aufzuzählen, welche Kneipen sie in ihrer Stadt als „Szenekneipen“ bezeichnen würden. Die beiden am häufigsten genannten wurden anschließend als Untersuchungseinheit ausgewählt.

Mich hat an der Studie u.a. der Stellenwert, den die Musik in der Kneipe hat, interessiert.

Musik als Medium, über das man sich einer bestimmten Kneipenszene zuordnet, spielt offenbar nicht mehr eine vorrangige Rolle.  Sie dient hier eher der Unterhaltung und Untermalung und wird dementsprechend als unpassend oder störend empfunden, wenn sie zu laut oder penetrant ist.

Die interviewten Kneipenbetreiber legten Wert darauf, die Musikauswahl völlig in die Hände des Personals zu legen. In beiden Kneipen war überhaupt kein eigener Bestand an CDs oder MCs vorhanden. Die diensthabenden Mitarbeiter brachten ihre Musik jeweils selber mit, und ihr Geschmack oder Interesse für Musik entschied dann über die gespielte Musik. Dabei konnte es auch vorkommen, dass ein Mitarbeiter gar keine Musik mitbrachte und dann dementsprechend Stille herrschte.  Häufiger war aber der Fall, dass etliche Mitarbeiter besondere Sorgfalt in die Auswahl der mitgebrachten Musik investierten und dafür auch bekannt waren.

Musikhören in der Kneipe hatte früher einen anderen und größeren Stellenwert als heute, da es für viele Jugendliche oft die einzige Möglichkeit war, die ein beengtes bzw. durch elterliche Musik bestimmtes Zuhause nicht bot. Mit dem Entstehen von Jugendzentren oder anderen Treffpunkten, die sich eher für gemeinsames Musikhören oder/und Tanzen eigneten, nahm die Bedeutung von Kneipen dafür eher ab.

Eine wichtigere Rolle spielt die Musik in den Szenekneipen, die – bevorzugt am Wochen-
ende – auch Tanz anbieten. Hier handelt es sich in der Regel um große Szenekneipen, die über entsprechende räumliche Möglichkeiten verfügen. Durch dieses zusätzliche Angebot verändert sich naturgemäß auch die Zusammensetzung des Publikums. Viele suchen am Wochenende gezielt Orte auf, an denen auch die Möglichkeit zum Tanz besteht. Diese Option wurde häufig als ein positives Kriterium einer Szenekneipe herausgehoben. Meistens handelte es sich bei den Gästen, die dieses Merkmal betonten, um Leute, die angaben, ungern eine normale Diskothek aufzusuchen. Ihnen war die Kombination von Szenekneipe und Tanzmöglichkeit offensichtlich wichtig.

Nicht selten bildet sich in den Szenekneipen, die Tanz anbieten, um die Tanzfläche herum ein Kreis  von  tanzwilligen Leuten,  die  auf „ihre“ Musik  warten.  Hier wird passende Musik zum ausschlaggebenden Kriterium für die Tanzbereitschaft.  Nicht selten bedauerten Gäste, daß die Musik so sei, daß sie ihnen den Spaß am Tanzen verderben würde. Auch wenn Sehen und Gesehenwerden,  Show  und  Selbstdarstellung  auf der Tanzfläche  sicherlich  eine  gesteigerte Rolle spielen, ist die Bedeutung der Musik dabei  als symbolischer Zuordnungsfaktor zu einer Tanzgemeinde nicht zu  unterschätzen.  Besonders vom „älteren“ Szenekneipenpublikum wurde oft beanstandet, daß die Technorhythmen der nachwachsenden Szenegeneration für  sie nicht ertragbar oder gar tanzbar seien.

Anneli Starzinger, Kommunikationsraum Szenekneipe. Annäherung an ein Produkt der Erlebnisgesellschaft. Dt. Univ.-Verlag, Wiesbaden, 2000

Kennt Ihr (noch) – U.K.

Mit Mitgliedern von Yes, King Crimson, Roxy Music und Soft Machine war U.K. eine der prominentesten Progressive-Rock-Supergroups der späten 70er Jahre.

Die verschiedenen Mitglieder von U.K. – Gitarrist Allan Holdsworth, Keyboarder/Violinist Eddie Jobson, Bassist/Sänger John Wetton und Schlagzeuger Bill Bruford – hatten bereits in ihren früheren Bands zusammengespielt, doch als die Gruppe 1977 gegründet wurde, war es das erste Mal, dass alle Musiker gemeinsam auftraten. Obwohl die Besetzung instabil war – Holdsworth und Bruford verließen die Band nach einem Album, und der ehemalige Frank Zappa-Schlagzeuger Terry Bozzio ersetzte Bruford – und die Gruppe nur von kurzer Dauer war, behielt die Band noch Jahre nach ihrer Auflösung Anfang der 80er Jahre eine treue Anhängerschaft.

Vor der Gründung von U.K. hatten Bruford und Wetton kurz zuvor gemeinsam bei King Crimson gespielt, und Holdsworth hatte auf Brufords Debütalbum Feels Good to Me von 1978 Gitarre gespielt. Kurz nach den Aufnahmen zu Feels Good to Me gründeten Bruford, Holdsworth und Wetton U.K. und holten das ehemalige Roxy Music-Mitglied Eddie Jobson hinzu.

U.K. veröffentlichten 1978 ihr gleichnamiges Debütalbum, das die Aufmerksamkeit der Progressive-Rock- und Jazz-Fusion-Fans auf sich zog, ebenso wie die Tournee, die das Album begleitete. Am Ende der Tournee verließen Holdsworth und Bruford die Gruppe, um Bruford zu gründen, und überließen Keyboarder Jobson die Leitung der Band. U.K. engagierten keinen weiteren Gitarristen, sondern Terry Bozzio, der Bruford ersetzte. Die neue Besetzung von U.K. veröffentlichte 1979 Danger Money und ging im Anschluss an das Album auf Tournee. Nach Abschluss der Tournee löste sich die Gruppe auf. Das posthume Live-Album Night After Night wurde kurz darauf veröffentlicht. Nach der Auflösung von U.K. wurde Eddie Jobson Mitglied von Jethro Tull, Terry Bozzio gründete Missing Persons und John Wetton gründete Asia mit seinen Kollegen Steve Howe, Carl Palmer und Geoffrey Downes.

Kennt Ihr „Weird Al“?

In den 1980ern wurde Weird Al mit Parodien bekannter Pop- und Rocksongs zum Star. Einige der größten Hits des bis heute aktiven und erstaunlich erfolgreichen Kaliforniers sind „Smells Like Nirvana“ (nach Nirvanas „Smells Like Teen Spirit“) oder „Like A Surgeon“, basierend auf Madonnas „Like A Virgin“. Die Yankovic-Interpretationen sind einfach lustig. Einmal gehört, schleicht sich beim Hören der Originale fast zwangsläufig der absurde Nonsens-Text der Parodie in den Kopf.

Nach der „Fair Use“-Bestimmung des US-Urheberrechts benötigen Künstler wie Yankovic keine Erlaubnis, um eine Parodie aufzunehmen. Als persönliche Regel und als Mittel zur Aufrechterhaltung guter Beziehungen hat Yankovic jedoch immer die Erlaubnis des Originalkünstlers eingeholt, bevor er eine Parodie kommerziell veröffentlicht hat. Yankovic erklärte zu diesen Bemühungen: „Ich möchte die Gefühle von niemandem verletzen. Ich möchte nicht in irgendwelche Gemeinheiten verwickelt werden. Das ist nicht die Art, wie ich mein Leben lebe. Ich möchte, dass alle mitlachen und sich über meinen Erfolg freuen. Ich gebe mir Mühe, keine Brücken abzubrechen.“

Er behauptet, dass nur etwa zwei bis drei Prozent der Künstler, die er um Erlaubnis bittet, seine Anfragen ablehnen. Seine Parodien sind ziemlich harmlose, kinderfreundliche Kost, meist über Essen, Vorstadtleben oder Geek-Kultur – „My Sharona“ von The Knack wird zu „My Bologna“, „Gangsta’s Paradise“ von Coolio wird zu „Amish Paradise“, und „American Pie“ von Don McLean wird zu „The Saga Begins“, das die Handlung von „Star Wars: Die dunkle Bedrohung“ auf etwas mehr als fünf Minuten komprimiert. Yankovic sagt, er versuche, seine Parodien aktuell zu halten, auch wenn die Songs manchmal ihren Weg zu einem Publikum finden, das das Original nicht kennt.

„The Saga Begins“ war ein Hit auf Radio Disney, und natürlich hatten die Kinder keine Ahnung, wer Don McLean war – sie mochten es einfach, weil es lustig war. Aber im Jahr darauf hat Madonna „American Pie“ gecovert, und die Reaktion der Kinder war – wie kommt es, dass Madonna ein unlustiges Cover eines Weird-Al-Songs macht?“

Yankovics Erfolg ist auf seinen effektiven Einsatz von Musikvideos zurückzuführen, mit denen er die Popkultur, den ursprünglichen Künstler des Songs und die ursprünglichen Musikvideos selbst parodiert. Er hat bei einigen seiner eigenen Musikvideos Regie geführt, aber auch bei Musikvideos für andere Künstler wie Ben Folds, die Black Crowes und die Presidents of the United States of America. Mit dem Niedergang des Musikfernsehens und dem Aufkommen der sozialen Medien nutzte er YouTube und andere Videoseiten, um seine Videos zu veröffentlichen. Diese Strategie trug dazu bei, den Verkauf seiner späteren Alben anzukurbeln. Seit „Mandatory Fun (2014)“ hat er kein komplettes Album mehr veröffentlicht, sondern sich stattdessen für die Veröffentlichung von Singles entschieden.

2022 ist auch ein Film über sein Leben und Schaffen erschienen. Mit der „Weird: The Al Yankovic Story“ veralbern er und Regisseur Eric Appel das sogenannte Biopic-Genre wie „Bohemian Rhapsody“ oder „Rocketman“. Den erwachsenen Al spielt übrigens „Harry Potter“-Star Daniel Radcliffe. Er ist mit Pudelfrisur und Schnauzbart schwer wiederzuerkennen, offensichtlich hatte er großen Spaß an seiner überdrehten Rolle gehabt

 

 

Seite 30 von 56

Präsentiert von TeBuS & Theme erstellt von Anders Norén