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Beiträge zur Musik und mein Senf zu anderen Dingen

Merz – der Wolf im Schafspelz…

…lässt jetzt die „Hosen runter“ und öffnet die Schleusen zur AfD. Noch im Juni behauptet er im ZDF-Interview:

„Solange ich Parteivorsitzender der CDU bin, wird es keinerlei Zusammenarbeit mit dieser Partei geben.“ Es gebe niemanden, der ihn „in der klaren Ablehnung und Abgrenzung“ zur AfD übertreffe, sagte Merz.

Hohle Worte. Keine sechs Wochen später kann er sich eine Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene vorstellen.

„Auf der kommunalen Ebene ist die Parteipolitisierung ohnehin ein bisschen zu weit vorangeschritten.“ Aha.

In einem Beschluss der CDU von 2020 heißt es, „wir betreiben Politik auf der Basis von Werten und Überzeugungen„. Damit sind es wohl doch nur hohle Worte und die viel beschworene „Brandmauer“ bröckelt, der Abriss scheint nur eine Frage der Zeit zu sein.

Update 24.07.23:

Einen Tag nach seinem ZDF Interview muss Merz zurückrudern, die parteiinterne Kritik war offenichtlich zu groß. „Um es noch einmal klarzustellen, und ich habe es nie anders gesagt: Die Beschlusslage der CDU gilt“ schreibt er auf Twitter. „Es wird auch auf kommunaler Ebene keine Zusammenarbeit der CDU mit der AfD geben.

Bleibt abzuwarten, ob das die kommunale Basis auch so sieht. Merz bleibt weiterhin für mich ein unkalkulierbarer Machtmensch, der immer mal wieder rechte Grenzen überschreitet.

Zappa in London 1971

"Ich habe es getan, weil meine Freundin sagte, dass sie Frank liebt".

Trevor Howell über den Grund, warum er Frank Zappa während einer Show im Rainbow Theater in London von der Bühne schubste

Eifersucht. Die hässliche Nebenwirkung des Verliebtseins. Es geht um Frank Zappa, der 1971 im Rainbow Theater in London etwa fünf Meter von der Bühne stürzte.

Zappa und die Mothers of Invention hatten gerade eine Woche zuvor einen Großbrand im Casino von Montreux in der Schweiz überlebt. Nachdem Zappa und die Gruppe für ihre Zugabe auf die Bühne zurückgekehrt waren, schoss der 24-jährige Trevor Howell aus dem Backstage-Bereich heraus und griff Zappa an, so dass dieser von der Bühne fiel und auf dem Betonboden des Orchestergrabens landete. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, fiel auch noch ein Monitor auf ihn, als er bewusstlos im Orchestergraben lag. In seinem Buch Zappa: Visual Documentary erinnert sich der Biograf Barry Miles an die Szene im Rainbow nach Franks Sturz:

„Vor dem Rainbow kam es zu einer chaotischen Szene, bei der sich die Zuschauer des zweiten Konzerts mit den Zuschauern des ersten Konzerts auf der Straße trafen. Wilde Gerüchte, dass Frank getötet worden sei, schwirrten durch die riesige Menge, und mindestens eine Stunde lang wusste niemand, was passiert war.“

Nachdem er wieder zu sich gekommen war, wurde Zappa mit einem Krankenwagen in das Royal Northern Hospital in Holloway gebracht. Dort wurde er wegen einer akuten Gehirnerschütterung/eines Kopftraumas, eines gebrochenen Beins, einer gebrochenen Rippe und einer Reihe von Brüchen und anderen Verletzungen an Hals, Beinen und Rücken sowie einer vorübergehenden Lähmung eines seiner Arme behandelt. Durch den Sturz wurde sogar Zappas Kehlkopf zerquetscht, wodurch Franks Stimme um eine dritte Oktave tiefer und damit kehliger und rauer wurde. Und was ist mit dem Mann, der Zappa angriff und ihn fast das Leben kostete? In dem Buch The Real Frank Zappa (geschrieben von Zappa und Peter Occhiogrosso) schrieb der Musiker über zwei mögliche Szenarien, warum Trevor Howell, der nach verschiedenen Berichten in dieser Nacht eine Menge Acid genommen hatte, auf ihn losging, als er nicht hinsah:

„Er (Howell) gab zwei Geschichten an die Presse weiter. Eine davon war, dass ich „seiner Freundin schöne Augen gemacht“ hätte. Das stimmte nicht, denn der Orchestergraben war nicht nur fünfzehn Fuß tief, sondern auch doppelt so breit, und das Scheinwerferlicht war in meinem Gesicht. In solchen Situationen kann ich das Publikum nicht einmal sehen – es ist, als würde man in ein schwarzes Loch schauen. Ich habe den Kerl, der auf mich zukam, nicht einmal gesehen. Dann erzählte er einer anderen Zeitung, dass er sauer war, weil er das Gefühl hatte, dass wir ihm keinen „Gegenwert für sein Geld“ gegeben hätten. Wählen Sie Ihre Lieblingsgeschichte. Nachdem er mich geschlagen hatte, versuchte er, ins Publikum zu flüchten, aber ein paar Jungs von der Road-Crew erwischten ihn und brachten ihn hinter die Bühne, um ihn für die Polizei festzuhalten. Während ich mich in der Harley Street Klinik erholte, wurde Howell auf Kaution freigelassen, so dass ich rund um die Uhr einen Leibwächter vor meinem Zimmer hatte, weil wir nicht wussten, wie verrückt er war.“

Als er am 8. März 1972 vor Gericht erschien, um sich zu verantworten, wurde Howell zu zwölf Monaten Gefängnis verurteilt, nachdem er zugegeben hatte, „Mr. Zappa böswillig schwere körperliche Schäden zugefügt zu haben“. Zunächst gab Howell an, er habe Zappa angegriffen, weil seine „Freundin sagte, sie liebe Frank“ (wer tut das nicht?), aber als der vorsitzende Richter Howell fragte, warum er Zappa angegriffen habe, sagte er, er sei der Meinung, dass „Mr. Zappa das Geld nicht wert sei“ und fügte hinzu, dass Zappa und die Mothers of Invention das Publikum wie „Dreck“ behandelten (nachzulesen in dem Buch Electric Don Quixote: The Definitive Story Of Frank Zappa).

Zappa verbrachte nach dem Vorfall fast ein Jahr im Rollstuhl, und sein Körper heilte nie vollständig aus, insbesondere sein gebrochenes Bein, das, nachdem es als geheilt galt, kürzer war als sein anderes Bein. Frank schrieb 1979 einen Song über sein kürzeres Bein, „Dancin‘ Fool„, mit dem Text „Ich weiß nicht viel über Tanzen, deshalb habe ich dieses Lied hier geschrieben. Eines meiner Beine ist kürzer als das andere und meine beiden Füße sind zu lang.“ So kann man die Folgen eines körperlichen Angriffs auch verarbeiten.

Quelle: Dangerous Minds (Übersetzung: zappa:lott)

DiKo’s Playlist – KW 28

Meine Anspieltipps:

The Hollywood Stars – Still Around| Still Around (EP 2023)

Ben Folds – Exhausting Lover | What Matters Most (2023)

The Sound – Heartland | Jeopardy (1980)

Ashley Sherlock – Realise | Just A Name (2023)

GoGo Penguin – Everything Is Going to Be OK | Everything Is Going to Be OK (2023)

IQ – Ocean | The Road Of Bones (2014)

Joan Armatrading – Love And Affection | Joan Armatrading (1976)

Kennt Ihr (noch)… Bloodwyn Pig?

„Pig“ war die Schöpfung des ursprünglichen Jethro-Tull-Gitarristen Mick Abrahams, der die Band 1968 gründete, nachdem er Tull aufgrund kreativer Differenzen mit Co-Leader Ian Anderson verlassen hatte. Abrahams bevorzugte einen mehr auf Blues basierenden Ansatz als Anderson, der eher Folk- und Jazz-Einflüsse einbringen wollte, und Blodwyn Pig spiegelte diese Philosophie wider.

Während viele gitarrenbasierte Blues-Rock-Bands der späten 1960er Jahre sich auf Boogie oder Heavy Rock konzentrierten, schlugen Blodwyn Pig einen anderen Weg ein. Schon mit ihrem Debütalbum „Ahead Rings Out“ (1969) zeigten sie ihre Bereitschaft, eine Vielzahl von Bluesstilen auszuprobieren, darunter Country- und Delta-Blues, treibenden Boogie, auf Rhythmus und Blues basierende Bläserarrangements und es gab sogar einige jazzige Nummern.

Die beiden Alben der Band verkauften sich im Vereinigten Königreich gut, fanden aber in den USA nie die gleiche Akzeptanz. Die Gruppe löste sich 1970 auf, nahm aber in den 1990er Jahren unter dem Namen Mick Abrahams‘ Blodwyn Pig einige Alben (u.a. „Lies“) auf. Abrahams arbeitet weiterhin als Solokünstler und trat in den letzten Jahren gelegentlich als Gastgitarrist bei Jethro Tull auf.

Buchtipp: Wohnopoly

Die Wohnungsfrage ist die soziale Frage unserer Zeit. Doch statt sie anzugehen, werden Fehlentwicklungen systematisch politisch gefördert.

Wohnungen sind zu reinen Spekulationsobjekten verkommen. Hohe Nachfrage und sogenannte Zwangssanierungen lassen die Mieten explodieren und zwar nicht nur in den Großstädten, sondern auch im Umland. Menschen werden aus jahrzentelang gewachsenen, sozialen Strukturen gerissen, gentrifzierte Viertel zu Soziotopen der Besserverdienenden.

Wie konnte es soweit kommen? Warum unternimmt die Politik so wenig, um Mietenwahnsinn und Spekulation endlich zu stoppen? Und was muss getan werden, damit Wohnen endlich wieder bezahlbar wird?

Caren Lay nimmt die deutsche Wohnungspolitik der letzten 20 Jahre schonungslos unter die Lupe, zeigt auf, wie und warum Deutschland zum Eldorado für Wohnungsspekulation werde konnte, und liefert provokante Ideen für eine soziale Wohnungspolitik, die wir so dringend brauchen.

Wohnen wird immer teurer, für viele zum Luxusgut. Fonds und Konzerne spielen Monopoly in unseren Städten. Die Immobilienspekulation spaltet das Land. Wenn wir nicht bald handeln, sehen unsere Städte so aus wie London oder Paris. Das Wohno­poly muss beendet werden.

Caren Lay – Wohnopoly: Wie die Immobilienspekulation das Land spaltet und was wir dagegen tun können,
ISBN 978-3-86489-873-0
© Westend Verlag GmbH, Frankfurt/Main 2022

Foto: Stefan Kunze auf Unsplash

Kennt Ihr (noch)… The Sound?

The Sound war eine englische Post-Punk-Band, die 1979 in London gegründet wurde und sich 1988 auflöste. Ihr Frontmann war Adrian Borland, der aus seiner früheren Band, den Outsiders, hervorging. Obwohl sie nie kommerziell erfolgreich waren, wurden The Sound oft von Kritikern gelobt.

Es kommt in der Musikwelt immer wieder vor, dass einige Bands, so gut sie auch sein mögen, auf der Strecke bleiben. Dieses Schicksal hat auch The Sound ereilt. Obwohl sie 1980 bei Korova Records unterschrieben – demselben Label, zu dem auch Echo and the Bunnymen gehörten, mit denen sie ebenfalls eine klangliche Ähnlichkeit haben – sollten sie kaum denselben Ruhm genießen.

Ihr Kultstatus in England schlug sich nie in amerikanischer oder europäische Berühmtheit nieder; sie sind selbst bei begeisterten New-Wave- und Post-Punk-Fans auf beiden Seiten des Atlantiks unbekannt geblieben. Das zeigt nur, dass es in der Welt der Musik keine Gerechtigkeit gibt.

Für alle, die sich dafür interessieren, wie aus Punk der Post-Punk wurde und aus New Wave der Synthie-Pop der 80er Jahre, ist ihr Debütalbum Jeopardy von 1980 mit dem Kultsong Heartland ein wichtiges Puzzlestück.

1983 erschien eine Cover-Version des Songs auf dem Album Once Bitten von Annabel Lamb.

The Sound fanden damals musikalische Verwandte in The Cure, The Fall, Gang of Four, Joy Division und den Psychedelic Furs. Ziemlich gute Gesellschaft, oder? Jetzt frag dich noch einmal, warum du diese Band nicht kennst!

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